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ILYA - Euro-Trip-Hop

Ilya kommen aus Bristol und machen so was wie die zeitgemäße Variante des Trip Hop. Das ist weder besonders überraschend, noch irgendwie originell – trifft es aber im Kern recht gut. Was Ilya von den anderen Mitstreitern dieses Genres jedoch ganz gehörig unterscheidet, ist, daß das Trio bewußt unamerikanisch klingt. Wortfetzen wie "Soleil, Soleil", "Bellissimo" oder "Kalashnikov" deuten auf eine eher europäische Identität hin.

"Uns geht es um eine Verbeugung vor Europa", erklärt Nick Pullin, der musikalische Direktor und Songwriter, "wir verwenden italienische und französische Wörter. Und auch Deutschland spielt eine Rolle. Ich weiß aber gar nicht, warum wir momentan so an Europa interessiert sind?" Was ja nichts macht, so lange das musikalisch seine Rechtfertigung findet. Das, was Ilya und hier präsentieren, paßt eher zu Pariser Straßencafés als zu urbanen Disco-Tempeln. "Unsere Musik ist sehr, sehr unamerikanisch", stimmt Jo Pullin, Nick´s Ehegattin und die Stimme von Ilya zu, "es ist einfach ein Ding, daß du fühlen mußt, nicht wahr? Außer dem Blues, der gewiß da ist, verwenden wir andere Stilarten wie Caféhaus Musik, Walzer, Polkas, französischen 60´s Pop – was wir alles sehr spontan kombinieren." Eine Sache, die Ilya ebenfalls auszeichnet, ist der Umstand, daß es – s.o. – hier weniger um Tanzbarkeit und Atmosphäre geht, als um den Song an sich. "Damit fängt alles an", bestätigt Jo, "Nick schreibt als erstes die Songs und dann arbeiten wir gemeinsam daran. Wenn der Song – ohne Arrangement – dich bewegt, dann fallen Dir die anderen Zutaten ganz natürlich ein. Wir realisieren auch erst nachher, was wir da eigentlich gemacht haben." Cinematische Klangwelten schaffen, z.B.? "Das ist ein großer Einfluß", erklärt Dan Brown, der dritte Mann im Boot, "Nino Rota, Fellini Filme, der Soundtrack vom Paten. Es ging uns um diesen Sound. Es hat auch ein bißchen von grandiosen Western, mit einem wenig Morricone – aber mit Beats und Bass-Lines." "Es mag ein wenig anmaßend klingen", fügt Nick hinzu, "aber das, was wir machen, enthält ein wenig von dem, was uns in der gegenwärtigen Pop-Musik eigentlich fehlt – wohl aber in anderer Musik zu finden ist. Ich liebe Beats und all das, aber ich mag vor allen Dingen gute Melodien." Und diese werden dann mit allegorischen Textzeilen zu psychedelischen Gesamtkunstwerken zusammengesetzt, nicht? "Nicht ganz", schränkt Nick ein, "es ist aber so, daß mich eher die Dinge interessieren, die man NICHT sagt. Wenn man etwas andeutet ist für mich interessanter, als wenn man Stücke schreibt, die Bilder in den Kopf des Hörer projizieren. Wir kommen eher aus der Richtung, ein Bild malen zu wollen, als eine Geschichte zu erzählen. Und: Ich schreibe meine Texte ja für Jo und muß darauf achten, daß sie auch gut klingen." "Ganz genau", stimmt Jo zu, "wenn ich einen Song singe, dann interpretiere ich das immer so, daß da zwar eine Geschichte ist, aber daß diese aus Bildern und Fragmenten besteht." Ilya erfinden den Trip-Hop also zwar nicht unbedingt neu, fügen diesem Gerne aber ihre eigene – europäische – Note hinzu.
© 01. März 2004  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
März 2004

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