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C.AARMÉ - Ich weiß, dass ich nichts weiß

Anything goes. Eine viel und gern gedroschene Phrase erhält im Beispiel der schwedischen Punk-Noise-Berserker C.Aarmé eine neue Dimension. Denn die technischen Möglichkeiten mögen nur bedingt erklären, was denn hinter einer solch - nicht nur auf den ersten Blick - extrem wirren Melange steckt. Die Aussagekraft beschränkt sich gänzlich auf die Materie, was die Sache unweigerlich interessant macht. Denn: Hört man ihnen genau zu, findet man hinterm Ansatz noch sehr viel mehr.

Ola heisst der junge Mann, der am anderen Ende der Leitung hockt und geduldig auf meine Fragen wartet, um sie stakkatoartig und teilweise selbst unwissend zu beantworten. Warum auch sollte er sich in etwas vertiefen, dass zumindest für ihn nicht sonderlich tiefgründig ist. Er bedient die Gitarre, schreibt Songs und das wars. Dennoch sind ihm ein paar interessante Fakten zu entlocken. Es fängt ja schon beim Namen an, den man, wenn ich das richtig gedeutet habe, laut Ola „Searmeh“ ausspricht. „Der Name rührt von dem Nachbarn, der unter mir wohnt, her. Wir haben anfangs seinen Namen (irgendetwas wie C. Hamré - Anm. d. A.) für die Band benutzt, als er sauer darüber wurde, haben wir ihn ein wenig verändert. Dieser wütende, alte Mann hasst mich und der Name passt ganz hervorragend zu unserer Musik, wie ich finde.“ Nun ja, wo dieses wilde, unprätentiöse Ding von Musik herstammt, ist sicher nicht so einfach zu beantworten?! Im Falle von Ola jedoch ein lockerer und vor allem logischer Schritt. „Unsere Wurzeln liegen im DeathMetal, das Genre war uns aber zu überproduziert, es wurde schnell langweilig. Die Szene stand still und wiederholte sich wieder und wieder, und wir wollten etwas rohes und gewissermaßen freies schaffen, alles live machen und so entstand dieses Album in einer Live-Session an zwei Tagen. Lediglich die Vocals sind später aufgenommen worden, weil unser Sänger zu der Zeit leider krank war.“ So zieht sich der Status „unüblich“ weiter fort. Schnell als Punk abgestempelt zu werden ist einfach, aber wohl des Ausdrucks zu wenig. „Wir hören uns überhaupt keinen Punk an, es sollten einfach nur schnelle, agressive Songs sein.“ So ist auch Tempo ein Faktor, der die Band nicht nur in ihren Songs (15 Tracks in 25 Minuten!) begleitet, denn die Band existiert in dieser Form erst seit knapp eineinhalb Jahren. „Alles ging ziemlich schnell. Bereits nach einem Jahr wurden wir gesignt, dann haben wir schnell ein Album gemacht und nun warten wir sehnsüchtig auf unsere erste Tour. Wir haben bislang ein paar Shows mit Entombed gespielt, aber die Metaljünger haben uns nicht verstanden. Trotzdem war es ziemlich lustig.“ Ein weiteres Indiz dafür, dass die Kategorisierung der Band nicht wirklich einfach ist. „Verschiedene Leute stecken uns in verschiedene Schubladen und ich weiss auch nicht, in welche wir denn nun gehören. Wir machen einfach nur Songs, sonst nichts.“ Trotzdem hat die Band Wiedererkennungswert, denn sie beherrscht das selbst erschaffene Chaos auch innerhalb der Songs auf ziemlich beeindruckende Art und Weise. „Da wir sehr viel proben, spielen wir inzwischen sehr gut zusammen. So wurde aus dem Chaos etwas, mit dem wir umgehen können.“ Aber eigentlich weiss auch Ola nicht wirklich, wie er dies alles erklären soll, da es nun mal einfach so ist. So kann er auch den textlichen Inhalt der Songs nicht weiter beleuchten, weil er nichts damit zu tun hat. „Unser Sänger spricht selbst mit uns nicht darüber. Er singt sie einfach, wir machen die Musik dazu. Aber ich glaube, er ist ein sexuell frustrierter Mann.“ Dann noch die Shows: Die Herren spielen angeblich alle Songs ohne Punkt und Komma, im Headliner-Set vielleicht sogar zweimal. Das muss man sich wahrscheinlich einmal ansehen, um es zu begreifen. Erklärungsansätze dann am besten schnell wieder vergessen, denn eigentlich können sie nicht stimmen.

Aktuelles Album: C.Aarmé (Burning Heart/SPV)
Weitere Infos: c.aarme.lofi.org
© 01. März 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
März 2004

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