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COSMIC CASINO - Rock‘n‘Roll Roulette

Jeder Musiker ist auch Fan. Auf Bandfotos oder auf der Bühne tragen sie stolz den Beleg ihrer musikalischen Sozialisation in Form von Band-T-Shirts zur Schau. Nach der Veröffentlichung von „Boy In A Band T-Shirt“ werden wohl auch Cosmic Casino bald die Brust so manchen Fans zieren. Mit Sänger Rich Goerlich konnten wir im WESTZEIT-Interview nicht nur schmutzige Wäsche waschen.

Als erstes Mal die Fakten auf den Tisch: Cosmic Casino sind aus München und machen IndieRock. Sie sind auf dem selben Label wie die Sportfreunde Stiller und teilen sich dort ein Zuhause mit so Einigem, was in Zukunft vielleicht die „Neue Deutsche Indie-Revolution“ heißen wird. Langsam aber sicher entwickelt sich wieder eine beachtete Musikszene in Deutschland. Darin haben bestimmt auch Cosmic Casino ihren Platz gefunden. „An sich nicht. Aber wenn es so etwas wie eine Indie-Szene in Deutschland gibt, dann sind wir da sicher irgendwie drin. Auf jedenfall sind wir nicht in einer Hardcore- oder Emo-Szene oder ähnlichem. Ich glaube, dass unsere Musik eher übergreifend Leute anspricht. Ich möchte auch in keiner Szene sein.“ Wobei ihnen diese Art Szenedenken natürlich nicht fremd ist und auch durchaus positiv zu werten ist. „Wenn man sich anschaut, was für Menschen heutzutage auf einem Slut-Konzert sind, da laufen ja schon mal so 500 bis 600 Leute hin, dann glaube ich, ist das eine Szene, die sich auf eine Musik geeinigt hat, die jenseits von Bon Jovi liegt.“ Sehr galant formuliert. Also gibt es wohl gewisse Antipathien. „Bon Jovi ist so ein bisschen mein Intimfeind.“ (lacht) „Sie sind für mich die Verkörperung des mediokren, amerikanischen Mitteltalents. Der Mann singt bestimmt besser als ich, aber er könnte genau so gut einen Supermarkt leiten. So etwas nervt mich.“ Damit möchte er dennoch nicht den kompletten Mainstream diffamieren. „Es geht mir nicht darum, keinen Respekt vor Leuten zu haben, die Mainstream machen. Ich bin keiner von diesen Indie-Frömmlern.“ Sehr angenehm kommt dabei Goerlichs differenzierte Antihaltung zum Ausdruck.
„Respekt habe ich grundsätzlich vor allen Leuten, die was machen im Leben, was ihnen wirklich gefällt und was ihr Leben weiterbringt, das sie offener macht. Musikalisch habe ich Respekt vor Bands wie Fugazi oder Weakerthans, also im Endeffekt vor Leuten, die das, was sie machen auch wirklich durchziehen und nicht halbherzig sind.“ Aprospos halbherzig, Cosmic Casinos EP mutet mit sieben Songs schon wie ein Mini-Album an. Warum haben sie in dieser Hinsicht halbe Sachen gemacht? „Erstmal war es mir gedanklich sympathisch mit einer EP anzufangen und dann erst ein Album zu machen. Und es ist doch auch cool. Man kauft eine Platte zum Preis einer EP und hat trotzdem ein Dreiviertel-Album.“ Das ist eigentlich ein lohnendes Konzept und sehr fan-freundlich. Nachdem sich ja auch im Vorfeld schon ein ansehnlicher Erfolg verbuchen läßt, werden Cosmic Casino um ihren Durchbruch in der deutschen Indie-Szene nicht mehr herumkommen. „Wenn man es als Erfolg wertet, dass wir es geschafft haben, Konzerte zu spielen, ein Label gefunden zu haben und eine Platte aufnehmen zu können und auch noch drüber reden zu dürfen, dann sind wir echt erfolgreich. Natürlich nicht nach Bon Jovi-Maßstäben. Ich meine, wir zählen nicht unsere Verkaufszahlen. Aber es passiert etwas, es geht voran.“

Aktuelle EP: Boy In A Band T-Shirt (Blickpunkt Pop / EFA)
Weitere Infos: www.cosmic-casino.de
© 01. Januar 2003  WESTZEIT ||| Text: Manuel Schülke
Januar 2003

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