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SAM RAGGA BAND - Hanseaten-Vibes

Musikalische Ästhetik, Bambule, Jan Delay oder Politik - es sind viele Mosaiksteinchen, aus denen sich das definiert, was nun als Sam Ragga Band mit dem ersten eigenständigen Album an den Start geht. Marc Wilkes diskutiert die Fakten...

Gleich zu Beginn des Westzeit-Interviews versprach der Gitarrist, keinen Blödsinn zu erzählen. "Ich nehme meine Arbeit ernst, ihr bezeugt ernsthaftes Interesse. Da wäre es unfair, euch einen Bären aufzubinden. Wenn jemand von der Popcorn (o.ä.) käme und bizarre Fragen stellt, der würde natürlich bizarre Antworten erhalten. Die Teenie-Presse stellt so komische Fragen. Status-Symbole, Trends... dort ist es zweitrangig, ob Du `Künstler´ bist. Mein Anliegen hat in erster Linie einen ästhetischen Hintergrund. Ich habe bestimmte Soundvorstellungen, muß hinter den Vocalisten-Texten stehen können. Wir hatten keine Themen vorgegeben. Allerdings kennen wir die, die als Gäste dabei sind, schon lange." Seanie T. , FlowinImmo, Onejiru, Jessica McIntyre performen die Tracks. Die Single "Die Welt steht still" featured Jan Delay. Dieser veröffentlichte in 2001 "Searching for the Jan Soul Rebels" (plus Sam Ragga Band). "Mein Bruder war, so circa 1991/92, Gründungsmitglied von den Absoluten Beginnern, Jan´s anderer Band. Wir haben alle viel zusammen gespielt. Schließlich hatten Jan und ich die Idee, eine Reggae-Band zu machen. So entstand die Urform von Sam Ragga um 1996, mit Jan als nominellem Mitglied. Nach der `Bambule´-CD wollte er dann eine Reggae-Platte machen. Deshalb steht sein Name vorne. Wir hatten jedoch genug Material, andere Vorstellungen, um in eigener Regie ein Album zu machen. `Loktown Hi-Life´ begannen wir mit kleinem Budget über unsere eigene Firma Eimsbush. Mit der WEA sprachen wir erst später. So eine Band-Produktion ist aufwendig und lohnt sich finanziell nicht wirklich. Wir müssen konkret noch nebenbei arbeiten!" Wilkes überrascht die Aussage, der Song "HH-Centric" hätte irgendwie ein "Friede, Freude, Woodstock-Feeling". "Komisch, die Jungle-/Percussion-Einflüße sind doch minimal. Der Song war eigentlich nur auf unseren eigenen Kulturkreis bezogen, Seanie´s Text bezieht sich auf ein fiktives Erlebnis hier in der Stadt." "New Morning" ist ein richtiger Chill-out-Titel... . "Den haben wir uns für ein positives Ende ausgedacht. Optimal, wenn man entspannt liegt, ein paar Gäser Rotwein hatte, träumt. Musik soll Alternativen Aufzeigen, einen aus dem Alltag herausholen!" Der Künstler stellt klar, nicht für die gesamte Gruppe (Ali Busse, Bass; Hartmut Karez, Drums; Oliver Kusterer, Keyboards; Detlef von Bötticher, Percussion) sprechen zu können, aber: "Unser Ansatz ist zu vergleichen mit den Talking Heads. Die hatten viel New Wave, Unique-Afro-Funk auf ihren Werken `Remain in light´, `Stop making sense´und `Speaking in tongues´. Ich habe nur 10 Reggae-Platten im Schrank. Mein größter Musikheld ist Miles Davis! Ich mag Talking Heads, Sonic Youth, diverse Jazz-Leute, 80er wie Scritti Politti. Sam Ragga ist bewußt nicht wie jamaikanische Soundsystems. Wenn weiße Mittelstandskinder im jamaikanischen Slang über Jah toasten... dann ist das nicht authentisch! Hier muß man bewußt distanzieren!"
Letzte Frage: Eingangs wurde das `Bambule´-Album erwähnt. Zur Zeit ist dieses Wort der Aufhänger für Aktionen/Demonstrationen zu der vom Hamburger Innen-Senator Schill aus der Stadt `gefegten´ Bauwagen-Kolonie. Ein Statement? "Bedauerlich. Wir haben in Hamburg bessere Zeiten gehabt. Viele sind der Meinung, daß man sich alternative Lebensformen nicht leisten kann. Ich bin anderer Meinung. Die Bauwagen-Leute bereichern ja auch immer irgendwie eine Kultur. Das sie nun Opfer von Spekulationsobjekten werden... . Die Grundstücke stehen leer. Zur Bebauung liegen noch nicht einmal Bebauungspläne vor. Das Schill den harten Mann machen muß, finde ich arm. Hoffentlich haben die Leute gelernt, daß sie hier...was weiß ich... einen Knallkopp und Psychopathen in so ein Amt geholt haben. Was der abzieht... im Grunde genommen... die Probleme löst er ja nicht. Schauprozeß, neue Polizei-Uniformen, Waffe tragen. Es gibt doch weltpolitisch dringendere Sachen. Palästina, die Irak-Geschichte, das macht mich persönlich viel aggressiver. Und das die politischen Gruppierungen sich manchmal nicht gerade schlau anstellen. Wir sind eine so wohlhabende Gesellschaft, man sollte sich diese alternativen Lebensformen leisten können!" Sam Ragga-(S)Chill-Out-Musik? Das Statement sollte bitte zum Nachdenken anregen. Wer dennoch, wie Herr Schill, mit dem Zeigefinger auf `Andersdenkende´ zeigt, sollte bedenken, daß drei andere Finger dieser Hand auf ihn zurückweisen!

Aktuelles Album: Loktown Hi-Life (WEA / Eimsbush)
© 02. Januar 2003  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
Januar 2003

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