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WHITE FLAG - "Wir sind nie groß rausgekommen, weil wir es nie versucht haben"

Der Sonic Ballroom in Köln ist winzig: Eine Eckkneipe mit viel Punkrock-Flair, selbstredend ohne echte Bühne. Und der Schuppen kommt einem noch viel kleiner vor, wenn man bedenkt, dass Bassist/Sänger Kim Crimson bei seinem letzten Auftritt in Köln unter seinem richtigen Namen Ken Stringfellow als Keyboarder von R.E.M. auf dem Domplatz vor mehr als 70 000 Leuten spielte und Gitarrist Viv Vacuum (seine Mami kennt ihn als Eric Erlandson, ihr ihn vermutlich als Leadgitarrist von Hole) bei seinem letzten Deutschlandbesuch beim Hurricane-Festival auch vor 60 000 und nicht vor 60 Leuten aufgetreten ist. Zusammen mit Pat Fear und White-Flag-Schlagzeug-Veteran Trace Element verwandelten sie den Laden im Handumdrehen in ein Tollhaus.
"Mit White Flag zu spielen ist immer ein Riesenspaß, weil es nicht wirklich ernsthaft ist, es ist mehr ein Hobby. Es ist einfach etwas, das du zusammen mit deinen Freunden machst, und wenn sich dazu noch ein paar Leute gut unterhalten fühlen, ist das auch schön!" Pat Fear liegt auf dem Sofa des Backstageraums und erklärt der WESTZEIT die Philosophie hinter seiner legendären Band, einer DER Ikonen des kalifornischen Punkrocks, im Januar/Februar anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens noch einmal auf Tour in Deutschland. Obwohl die Band mit dem 2001er Studioalbum "Eternally Undone" (auf Empty Records/EFA) erstmals seit elf Jahren wieder eine komplett neue LP veröffentlicht hat, dem sie unlängst auf dem Soundflat-Label die Compilation "T Is For Twenty" folgen ließ (im März soll zusätzlich auf dem spanischen Houston-Party-Label das nächste neue Album, "Make It Go Away", erscheinen), haben sich White Flag nie offiziell aufgelöst. Heute variiert die Besetzung der Band von Tour zu Tour, von Platte zu Platte, und mehr als ein Dutzend Musiker, darunter Größen wie Kim Shattuck von The Muffs, Dale Crover von den Melvins oder Greg Hetson von Bad Religion gehören inzwischen dazu. Diese Rotation setzt sich im Publikum fort: "Unser Publikum reicht altersmäßig von vier bis vierzig. Manchmal treffen wir Kids, die denken, wir seien eine neue Band. 'Hey, ihr seid toll, ich habe eure erste Platte, 'Eternally Undone'!' Das ist dann ein ganz schöner Schock für einige, wenn sie herausfinden, dass es 27 Platten von uns gibt! Das ist aber schon in Ordnung. Wir sind nie groß rausgekommen, weil wir es nie versucht haben. Und wenn wir es versucht hätten, wäre es womöglich schief gegangen, weil wir es nicht ernsthaft genug angegangen wären.” Wie ernst die Fans die Band nehmen, zeigte sich am Tag nach unserem Interview im holländischen Den Helder, dem Hauptquartier der White Flag Dutch Army. "Der 1. Dezember ist White-Flag-Day in Den Helder, und wir haben den goldenen Schlüssel der Stadt, weil dort schon immer die White Flag Dutch Army (so etwas ähnliches wie die Kiss Army) zu Hause war. Viele von ihnen sind Fans, die uns auf unserer letzten Europa-Tournee 1986 sehen wollten, es aber nicht zu den Shows geschafft haben, weil wir nie in Holland gespielt haben. Einige von ihnen arbeiten auf einer Bohrinsel und fliegen extra für die Show mit dem Hubschrauber ein. Das ist der helle Wahnsinn!"

Aktuelle Alben: "Eternatlly Undone" (Empty/EFA); "T Is For Twenty" (Soundflat)






Weitere Infos: www.soundflat.de
© 01. Januar 2003  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
Januar 2003

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