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Von Mythen und Monstern - Monsters of Rock'n'Roll & Nashville Pussy

Es gibt sie immer wieder: Veranstaltungen, bei denen man sich wünscht, den teuer verdienten Feierabend lieber vor der Glotze verbracht zu haben. Über zwei davon will ich hier berichten. Die zweite hätte eigentlich keine Erwähnung gefunden, wenn die erste nicht so verlaufen wäre, wie sie es eben tat. Doch fangen wir am Anfang an:

30.11.2002. Monsters of Rock´n´Roll im Antwerpener Hof ter Loo, einer Location im Borgerhout, einem Viertel, dass im aktuellen Straßenkampfindex Belgiens ganz oben steht. Letzte Woche wurde hier ein Algerier von der Polizei erschossen, was die nordafrikanische Gemeinde derart in Rage versetzte, dass sie seither mit regelmäßigen nächtlichen Plünderungen reagiert. Glaubwürdige Mitmenschen versicherten mir, am selben Abend Zeuge solcher Ausschreitungen geworden zu sein, weil sie sich im Viertel verfahren hatten.

Alles in allem also keine schlechten Vorzeichen für ein Pschobilly/Punkrock- Event auf dessen illustres Line-Up man zu Recht gespannt sein durfte. The Apemen sind per se ein Erlebnis. Die Phantom Rockers überzeugten wie gewohnt mit schmutzigem Pschobilly und hatten den Saal schon ordentlich für The Monsters angeheizt. Und die boten das, was sie können: soliden grindigen Pschyo-Trash mit Schlips und Drape und alle drei in guter Verfassung. Darauf folgten Mad Sin, Bassist Holly in Bestform und Sänger Köfte, agil wie ein Flummi auf Speed. Der sprang über die Bühne wie ein Derwisch, und dass, obwohl seine Leibesfülle derzeit wieder besorgniserregend ist. Der Madsin gaben gut eineinhalb Stunden alles, und auch wenn Communication Breakdown, schon aufgrund des Mitgröhlfaktors nicht gerade zu meinen Toptiteln zählt, muss man den Berlinern bescheinigen, dass sie die beste Kombo des Abends waren.

Bis dahin war es eigentlich ein lustiger Abend, trotz der vielen WhitePower-Skins die den ästhetischen Anblick, der von den anwesenden Siff-Punks vollgekotzten Ecken, optisch abrundeten. Während meine Begleitung mürrisch krakeelte, dass dieses "Gesocks" in der "guten alten Zeit" (gemeint sind wohl die 80er) mit dem Kopf voran im Klo verklappt worden wäre, sah ich hoffnungsvoll dem vermeintlichen Höhepunkt des Abends entgegen: Duane Peters and the Hunns, mittlerweile verstärkt durch Corey Parks. Ja. Genau! Ich zitiere meine Begleiterin: ”Langes blondes Haar, Cowboyhut, dicke Titten und ein Gesicht wie ein Playboy-Bunny." Das Ex-Luder von Nashville Pussy.

CUT!
Am 17. September 2002 hatten wir voller Vorfreude auf eine Ladung punkigen Südstaatenrocks und neugierig auf den Ersatz von Corey das Konzert von Nashville Pussy im Tilburger 013 besucht. An einem Wochentag wohlgemerkt, nachdem wir drei Tage vorher schon zu Dick Dale in die brabantsche Provinzhauptstadt gereist waren.

Es war ein Fiasko. Was von den Pussies nach Corey´s Weggang übrig geblieben ist, ist in einem bejammernswerten Zustand. Zwei Zottelschlampen auf Turkey, ein mutierender Blaine Cartwright und eine musikalische Hinwendung zum Schwermetall. "Wie tief kann man sinken", knurrte meine Begleiterin und nach ganzen vier Stücken verließen wir dieses traurige Spektakel. Essen gehen war immer noch sinnvoller.

CUT!

Es gibt Geheimnisse, die besser nie gelüftet werden. Doch es war bereits zu spät, denn die Hunnen kamen auf die Bühne und mit ihnen etwas, das Aussah wie eine Mischung aus Angus Young und Joey Ramone, aber zwei Meter groß und mit zentnerschweren Titten. Eine psychotische Siff-Punk-Killer-Transe? Nein, Corey Parks. Mittlerweile sieht man ihr den Drogenkonsum an, den sie als logische Konsequenz aus dem Drogentod ihres Mannes Matt intensivierte, und wegen dem sich wohl auch die Pussies von ihr trennten.
Das was da oben auf die Basssaiten hämmerte und später im Auditorium seine Feuerspuck-Show zelebrierte, war nicht mehr die Corey Parks von Nashville Pussy. Es war eine Donna Quijote. Das Haar schwarz und im Gesicht verteilt, auf das die Furchen besser abgedeckt wären, und im stoischen Habitus den Gitarrenpimmel schrubbend, gab sie eine Karrikatur ehemaliger Größe. Neben der Trashfigur Duane Peters wirkt ihr heutiger Aggregatszustand allerdings nicht weiter auffällig.

Früher hat Corey Parks sich zum Ende des Gigs immer (zumindest) des Tops entledigt, ein Höhepunkt, keine Frage. Diesmal wollten wir das nicht abwarten. Wir schämten uns und fuhren heim.
Weitere Infos: www.madsin.com
© 22. Januar 2003  WESTZEIT ||| Text: Ramblin Man ||| Foto: Ramblin Man
Januar 2003

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