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COSMIC CASINO - Suche nach dem Selbst

Wenn man Songs von Cosmic Casino hört, fällt einem darin oft der alltägliche Kampf zwischen Pragmatismus und einer romantischen Idealvorstellung auf. Eine nie enden wollende Herausforderung, der sich die Wenigsten stellen wollen, an der viele scheitern oder sie gar für vollkommen verrückt erklären. WESTZEIT ließ sich dahingehend von Sänger Rich Goerlich telefonisch beraten.

Schnell wird eins klar: Ein Musikerleben bedeutet vor allem Opferbereitschaft. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Denn man denkt nicht unbedingt an gutes Zeitmanagement zwischen Geldverdienen und Privatleben, wenn es um typische Künstlereigenschaften geht. Der Band wird alles untergeordnet, womit sich angenehme Jobs oder ein dickes Gehalt von vornherein ausschließen. Dass dies in viel Plackerei ausartet, kann man sich denken, so ist es kaum verwunderlich, wenn sich Äußerungen wie "it's okay to hate your job" oder andere kritisch-sarkastische Worte immer wieder zwischen die Textzeilen der Songs schleichen. Wie auch auf dem Album "Be Kind & Be Cause" erzählt und erklärt Rich Goerlich artig und wirft dabei immer neue Fragezeichen auf.

Warum das Ganze? Als gewissenhafter Lohnarbeiter hat man es ohne solches Job-Hopping sicher leichter. Zwar möchte jeder Musiker natürlich auch gerne seine Brötchen als solcher verdienen und trotzdem ist es weit mehr als ein Job. Leidenschaft eben. Der viel zitierte Unterschied, der eine Berufung daraus macht, da oben zu stehen und Wildfremden sein Innerstes auszuschütten. Vielleicht gehört dies auch zu dieser Identitätssuche, welche Nichtkünstler nie als solche wahrnehmen, weil sie sich längst in einer viel dinglicheren Welt gefunden haben.

Musiker müssen schrecklich egozentrisch sein, könnte man sich entrüsten, doch eine solch gefühlsbetonte Berufung hat, wie eingangs angedeutet, immer mit einer gewissen Selbstaufgabe zu tun.

Wofür das Ganze? Zu Besuch im Teenie-Himmel waren die gestandenen Jungs von Cosmic Casino schon oft genug. Bei ihren Tourkollegen und berühmtesten Fans, den Sportfreunden Stiller, konnten sie einen vagen Eindruck gewinnen, wie sich das so anfühlen muss als neuer Stern am deutschen Pophimmel: Viel Begeisterung auf allen Seiten, aber natürlich auch ein wenig Irritation über Massenphänomene, die ein solcher Erfolg einhergehend mit der Medienpräsenz mit sich bringt. Als Musiker wird man wohl ziemlich aufpassen müssen, dass einen der Ruhm nicht einholt. So scheint man auf Tour auch immer ein bisschen auf der Flucht zu sein - zumindest vor dem Gestern. Ihren Tourkumpels können Cosmic Casino in dieser Hinsicht nur Vorbildcharakter zuerkennen. Eine Selbstdefinition als Rock- oder Popstar, welche ja größtenteils von Äußerlichkeiten lebt, kommt keinesfalls in Frage.

Womit wir wieder bei der Identitätssuche angelangt wären. Cosmic Casino sind auf dem Weg, der dabei gewissermaßen wie immer das Ziel ist, aber Lehrer mit vorgefertigten Lebensweisheiten sind sie nicht. Eher ein emotionales Geländer. "Wir fahren ja jetzt auch kein intellektuelles Brett auf. Wir versuchen auf der Platte eher viel wegzulassen statt viel draufzupacken." Gerade das ist es auch, was bei intensiver Beschäftigung mit "Be Kind & Be Cause" zum Nachdenken anregt. Es bleibt viel offen und vorgefasste Antworten werden gar nicht erst angedeutet, so dass es schon hinterhältig clever anmutet. Understatement. Nicht dass Cosmic Casino nichts zu sagen hätten, aber jeder sollte doch seine persönlichen Antworten haben. Und so hinterlässt einen auch das Telefonat mit dem äußerst charmanten und wortgewandten Wahlmünchner mit mehr neuen Fragen als Antworten. Wahrscheinlich sind die doch auf dem Album versteckt.

Aktuelles Album: Be Kind & Be Cause (Stickman/Indigo)
Weitere Infos: www.cosmic-casino.de
© 01. Februar 2005  WESTZEIT ||| Text: Manuel Schülke
Februar 2005

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