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ADAM GREEN - Adam Green Superstar!

Wie er es genau geschafft hat, dass ihm zumindest hierzulande inzwischen 14-jährige Mädchen und ergraute Feuilleton-Kritiker gleichermaßen zu Füßen liegen, ist dem sympathischen New Yorker Bengel auch weiterhin ein Rätsel, kein Geheimnis dagegen ist, dass Adam Green mit seinem neuen Album „Gemstones“ seinen Weg unbeirrt fortsetzt, ohne sich dabei nur selbst zu wiederholen. Die Streicher vom vielgeliebten Vorgängeralbum „Friends Of Mine“ sind verschwunden, doch auch wenn sich die Instrumentierung auf das Wesentliche beschränkt, gibt es textlich weiterhin einen kunterbunten Mix aus naiv anmutenden Kinderliedern mit markigen Four-Letter-Word-Tiraden und sich windenden und drehenden Revue-Songs. Beim WESTZEIT-Interview fragten wir Green deshalb zunächst einmal, wie es dazu kam, dass „Gemstones“ sich klanglich unerwartet deutlich vom Vorgänger unterscheidet.

„Nachdem ich ‚Friends Of Mine’ gemacht hatte, schwebte mir eigentlich vor, auf meiner nächsten Platte wieder Streicher und Bläser und was-weiß-ich einzusetzen und richtig auf den Putz zu hauen“, erklärt Green. „Als ich dann mit meiner Touringband spielte, stellte ich fest, wie sehr ich den Sound von nur Gitarre, Bass, Schlagzeug und Wurlitzer-Orgel mag. Dennoch habe ich einige Demos an Jane Scarpantoni geschickt, die die Streicherarrangements der vorherigen Platte gemacht hatte, und sie schrieb einige Parts für die neuen Songs. Aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass die Streicher nur im Wege standen, weil die neuen Songs schneller sind. Abgesehen davon hatte ich sie schon sehr sorgfältig mit meiner Band arrangiert, und das wollte ich auch nicht einfach wegwerfen.“
Seine Songs singt Green für gewöhnlich direkt in einen kleinen Cassettenrecorder. Wenn er sich hinsetzt und seine Ideen zu Papier bringt, werden daraus in aller Regel keine Songs, sondern Textcollagen, die nun erstmals unter dem Titel „Magazine“ auch in Buchform im berühmten Suhrkamp Verlag erscheinen. „Einige Vertreter von Suhrkamp waren bei einem meiner Konzerte und sahen dort ein Magazin mit Texten, das ich veröffentlicht hatte. Kurz darauf fragten sie an, ob ich Interesse hätte, ein Buch bei ihnen zu veröffentlichen. Natürlich sagte ich zu, und nach einem Treffen in Frankfurt gaben sie meine Magazine und noch einige weitere Texte an Thomas Meinecke, der sie ins Deutsche übersetzte. Es sind schon eine Menge Sachen drin, auf die ich sehr stolz bin, dennoch denke ich, dass das Buch – eben wie ein Magazin - am besten in lockerer Atmosphäre gelesen werden sollte: In der U-Bahn, auf dem Klo oder vor dem Schlafengehen.“
Eine Vergangenheit als Kultstar bei den Moldy Peaches, weltweit gelobte Solowerke, ein Buch bei Suhrkamp – mit gerade einmal 24 Jahren hat Adam Green bereits mehr erreicht, als sich viele andere Künstler zu erträumen wagen. Dennoch spürt er nach wie vor den Druck, an sich und seiner Kunst zu arbeiten. Nicht zuletzt ob seines familiären Backgrounds, wie er uns abschließend gesteht: „Mein Vater ist Professor für Neurologie an der Columbia University, meine Mutter ist Psychiaterin und arbeitet am Museum Of National History, und mein Bruder ist Astrophysiker. Wenn du in einer solchen Familie lebst, bleibt dir gar nichts anderes übrig, als beständig weiterzumachen! Angesehen davon hab ich noch nicht einmal eine eigene Wohnung, es wäre also etwas verfrüht, mich jetzt schon zur Ruhe zu setzen!“
Weitere Infos: www.adamgreen.net
© 01. Februar 2005  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Sanctuary
Februar 2005

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