interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
ADAM GREEN - Der eigene Held

Der pubertäre Schub, wer kennt ihn nicht. Wer möchte nicht in dieser Phase seine Eltern dorthin schicken, wo der Pfeffer wächst. Doch es geht auch anders rum. Sich selber wegschicken. Weg von den verhassten Erwachsenen. Weit weg. Diesen zweiten Weg hat Adam Green beschritten: „Mit zwölf hielt ich dann das erste Mal eine Gitarre in der Hand. Seitdem schreibe ich kleine Liedchen. Das war für mich der leichteste Weg, mich aus der Welt meiner Eltern hinauszubeamen.“

Ob er schon damals über Dinge geschrieben hat, die für andere so tabu sind, dass sie noch nicht mal auf den Gedanken kämen, darüber zu schweigen. Ich erinnere nur an das Stück über das beinlose, sexy Mädchen, „No Legs.“ Er lächelt in sich hinein.

„Ich will einfach nichts verstecken müssen. Ich will Einblick in mich und mein Fühlen gewähren. Und doch will ich in meinen Texten nicht alles haarklein erklären. Man muss nicht alles verstehen.“



Ein Troubadour

„Es ist noch gar nicht so lange her, da hasste ich Fragen zu meiner Musik“, gesteht Adam Green ganz freimütig, „inzwischen jedoch kann ich Dinge begründen. Oder ich versuche es wenigstens.“

Auch zu seinem musikalischen Erweckungserlebnissen äußert er sich. So gibt er das Unerwartete zu, nämlich, dass „Flashdance“ ihn äußerst nachhaltig beeindruckt hat. Doch seine Idole sind zunächst mal die Cartoonisten.

„Ich liebe auch heute noch die visuell arbeitenden Künstler.“

Dann faszinieren ihn die großen Crooner. Wohlklingende, unaufdringliche Stimmen, tief in Gefühl getaucht.

„Ich denke dabei sofort an Elvis, Jacques Brel oder Serge Gainsbourg, die haben keinen einzigen öden Song gesungen“, nennt er seine großen Drei, „aber wenn ich’s mir genau überlege, muss da noch Scott Walker mit auf die Liste. Ich habe alle Vinyls von ihm. In Bezug auf Scott Walker bin ich absoluter Jäger und Sammler.“

Doch bei allem Respekt, den Adam Green anderen erweist, stellt er gleich im nächsten Satz unmissverständlich klar:

„Heute bin ich mein eigener Held. Einer, der ganz in der Tradition der Troubadoure steht.“

Wenn er damit meint, dass er ein charmanter und cooler Vermähler von Worten mit Musik ist, dann hat Adam Green sich in die absolut passende Tradition gestellt.



Alles auf Anfang

Konnte in der Vergangenheit beobachtet werden, wie Adam Green und seine Musik wuchsen. Wie er Einfluss um Einfluss in seinen Stücken hörbar werden ließ. Die halbe Musikgeschichte ist auf Adam Greens Scheiben zu Gast. Geschenkt, mit wem er da so alles verglichen wurde; denn mit seiner neuen Platte ist Adam Green zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Die Klanghochstapelei in einigen seiner neueren Stücke ist er definitiv leid.

„Großes, komplexes Komponieren langweilt mich inzwischen total,“ beschreibt seinen derzeitigen Stand des künstlerischen Schaffens, „zum Einfachen, zur Reduktion, dahin wollte ich mit „Minor Love“ wieder zurück. In der ganzen Komplexität ging ich selber ein wenig verloren.“

Mit dem ihm eigenen Fatalismus fügt Adam Green an:

„Besser schaut man zurück, wenn einen vorne nicht wirklich etwas erwartet.“

Nicht leise, aber doch fast fragil ist das Album geworden. Schräg und doch nachdenklich. Aber absolut melodieversoffen. Adam Green lässt dabei ganz den Crooner raushängen. Und zwar den der lässig, coolen Sorte. Die langen manierierten Ergüsse hat er nie gemocht. Auch „Minor Love“ ist voller sparsam kurzer Lieder. Adam Green tritt mit seinen minimalistischen Kleinoden erneut als Großmeister der kleinen Form auf. Und da er schon beim Sparen ist, ist der Weg zum Einsparen nicht mehr weit. Die Mitmusiker bleiben auf der Strecke. Adam Green hat diesmal fast alle Instrumente selbst eingespielt. Und beim Rest? Da steht ihm, wie gehabt, sein Bruder Joel Green zur Seite. Darüber hinaus helfen Gitarrist Rodrigo Amarante von Los Hermanos und Little Joy sowie Priestbird und Megapuss-Schlagzeuger Greg Rogove aus. Auch bei „Minor Love“ gibt Adam Green den Harmoniesüchtigen. Schon bei früheren Werken hat er die Wohlfühlparole ausgegeben.

„Ich will mich beim Singen der Stücke wohlfühlen, warum sollten sich dann die Leute beim Zuhören nicht wohlfühlen dürfen?“

Adam Green hat es geschafft, seine Lieder wieder mit jenem zartbitteren Schmelz zu überziehen, der seine ersten Platten so aufregend atmosphärisch gemacht hat.

Aktuelles Album: Minor Love (Beggars / Rough Trade / Indigo) VÖ: 08.01.
© 01. Dezember 2009  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Dezember 2009

Links

suche