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GLUECIFER - Vive La Rock!

Mitte der Neunziger trug sowohl der Rock‘n‘Roll als auch sein gewalttätigeres und schmuddeligeres Pendant Punkrock Trauer. Indiebands wie Pearl Jam oder Alice in Chains enterten die Bühnen der Welt und Kurt Cobain hatte mit Grunge einen Aufschrei aus musikalischer Genialität sowie abgrundtiefer, persönlicher Verzweiflung geschaffen.

Der ursprüngliche Sound der Gosse jedoch war in einem bedauernswerten Zustand. Das fanden auch zwei Jungs aus Oslo, die später als Biff Malibu und Captain Poon mitsamt ihrer Combo eine gewaltige Punk‘n‘Roll-Welle lostreten und zusammen mt den befreundeten Hellacopters aus Schweden als Flagschiffe des Schweinerocks Geschichte schreiben sollten: Gluecifer!!

„Wir waren zu Tode gelangweilt, von dem was an Bands gehypt wurde, wir wollten etwas Brachialeres und Ursprüngerliches machen, als diesen Mist, den jene sogenannten Indiebands produzierten. Also gründeten wir eine Band und kreierten unseren eigenen Sound. Wie erwarteten nicht viel, umso überraschter waren wir, als wir nach einer Weile rausfanden, dass man uns im Rest Europas tatsächlich gut fand. Richtig glücklich waren wir, als wir zum ersten mal von den Hellacopters hörten und tatsächlich eine Band aus einem anderen Land den gleichen Style und Sound hatte, wie wir ihn draufhatten.“

It‘s all about attitude und Bescheidenheit ist eine unnötige Zier, also riefen sich Gluecifer zu ‚Kings of Rock‘ aus und ließen sich von einer stetig wachsenden Fanschar zelebrieren.

Doch nicht durch das: die norwegische Combo schaffte, was vorher keiner zu schaffen vermocht hatte. Sie sprengte die Grenzen der einzelnen Subkulturen, die zu der Zeit auch im Trüben rumdümpelten und vereinte sie zu einer Szene: Punk‘n’Roll!

Plötzlich sah man man Greaser mit Punkanleihen und Punks entdeckten ihre Affinität zum Rock‘n‘Roll. Man tat das, was man vorher noch nie getan hatte: Man ging auf dieselben Konzerte.

„Wir waren einfach die mehr als willkommene Alternative zum dem damaligen ‚alternative crap‘. Wir brachten Rocker verschiedenster Richtungen zusammen, ließen sie zusammen feiern und sämtliche Ressentiments vergessen. Die ganzen skandinavischen Bands, wie z.B. auch Turbonegro und Backyard Babies waren ein wesentlicher Faktor, dass dies möglich wurde. Rock‘n‘Roll hatte vorher eine Flaute erlebt und Punkrock ebenso, aber es war auch ganz klar, dass beides wiederkommen würde. So wird es immer sein!“

Der Siegeszug von Gluecifer war nicht aufzuhalten. Neben Auftritten auf allen einschlägigen europäischen Festivals, zog es die Truppe aus Oslo schließlich auf US -Tour - mit einem Disastergespann, gegründet in der Hölle: Nashville Pussy und Motörhead!

„Es war einfach großartig, jeden Abend Band Motörhead sehen zu können, eine Band, die wir schon so lange bewundert hatten. Wir verbrachten einige Wochen in LA und einige Nächte mit Lemmy: Er ist ein fabelhafter Kerl, eine Art Rockopa, nicht sehr energetisch, aber ein genialer Geschichtenerzähler.“

Jede Story - auch die erfolgreichste - geht jedoch mal zu Ende, auch die von Gluecifer: So gab die Band 2005 nach über 10 Jahren und trotz fetten Majordeals ihre Trennung bekannt.

Man war nicht mehr bereit, soviel Zeit zu investieren, um den vorhandenen Level zu halten und wollte sich mehr anderen Bereichen des Lebens zuwenden.

Die Nachricht trieb vielen für einen Moment Tränen in die Augen, hatten die Skandinavier doch einen Nerv getroffen und für eine Dekade eine schon fast totgeglaubte Verheißung zurückgebracht.

Aktuelles Album: B-Sides & Rarities (People Like You / EMI)
© 01. Dezember 2009  WESTZEIT ||| Text: MIcky Repkow
Dezember 2009

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