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THE DREAMS - Heute Dänemark - morgen überall

Zugegeben, die Färöer Inseln sind für die meisten vermutlich ein weißer Fleck irgendwo im Nirgendwo des hohen Nordens. Und selbst Jenen, die geographisch bewanderter sind, kommen bei diesem Namen wohl eher Schafe als anbetungswürdige Musik in den Sinn: Gäbe es da nicht 'The Dreams', vier Jungs, die sich zusammengefunden haben und in ihrer Wahlheimat Dänemark bereits einen Siegeszug hingelegt haben, der sich sehen lassen kann.

2006 auf besagten 50.000 Einwohner umfassenden Inseln gegründet, eroberte die Combo um Sänger Hans bereits mit ihrem ersten Release 'Den Nye By' die dänischen Charts und heimsten ganz nebenbei sämtliche nationalen Awards, sowie die Auszeichnungen 'Best Band of the Year' und 'Best Album of the Year' ein. Dass noch viel mehr möglich sein würde, ließ schon die Tatsache vermuten, dass ihr Debüt in Dänisch erschienen war und somit nur sehr restringiert auf internationalen Erfolg hoffen lassen konnte.

Mühsam nährt sich das Eichhörnen, also tourten sie die Skandinavier im letzten Jahr den Arsch ab, wie kaum eine andere Band, um auch über die Landesgrenzen Dänemarks hinaus Gehör zu finden.

"Wir haben im letzten Jahr ungefähr 200 Gigs gespielt, was natürlich sehr anstrengend war, aber wir wollten einfach als Band noch besser und natürlich auch bekannter werden. Es hat uns dieses eine Jahr gekostet, wirklich überall in Dänemark zu spielen und unsere Sporen für internationale Touren zu verdienen. Als wir anfingen, bestand unser Publikum vorwiegend aus Teenies, was auch damit zusammenhing, dass wir eben auf Dänisch sangen. Mittlerweile hat sich das geändert: Unsere Texte sind nun auf Englisch, was keine so große Umstellung war, da unsere Heimatsprache dem Englischen sehr nahe ist, und das Publikum wird auch zunehmend vielschichtiger. Wir sind total gespannt, wie man uns auf unserer anstehenden Deutschlandtour aufnehmen wird."

Die neue Scheibe 'Revolt' besticht vor Allem durch Komplexität und Experimentierfreude. The Dreams limitieren sich nich auf schnödes Punkrock Gerotze, sondern scheuen sich auch nicht Elektro und Pop mit Folk-Punk Anleihen zu mixen, wie etwa bei meinem absoluten Favourit 'Black Sheep', das schwer an Flogging Molly erinnert, wobei Hans' Stimme Einem zwei Millionen Schauer mehr über den Rücken jagt, als die von Flogging Molly Frontmann Dave. Und zu guter letzt: Welches Cover verspricht denn bitte mehr Attitude, als "This is not a love song" von PIL (1983)?

"Wir wollten einfach auf dem neuen Album Alles zeigen, was wir können. Wir sind als Band nun 6 Jahre zusammen und haben eine enorme Entwicklung durchgemacht und die wollten wir einbringen. Wir möchten uns nicht auf einen Stil festlegen, weil unsere musikalischen Einflüsse auch sehr vielfältig sind: Mein erster Held war z.B. Meat Loaf, den ich auch heute noch sehr bewundere - "Bat out of hell" ist eine der großartigsten Scheiben aller Zeiten, während unser Drummer total auf Hellacopters und Turbonegro abfährt. Ich denke, Punkrock ist unsere Basis, unser gemeinsamer Nenner, wobei ich mehr auf die klassische Schiene Sex Pistols, Ramones und natürlich auch The Clash stehe, als auf neuere Sachen. Was lag da näher als 'This is not a love song' zu covern. Dieser Song ist unglaublich lustig auf seine ureigenste sarkastische Weise - die Lyrics haben ein Kaliber, wie Johnny Rotten es auch schon bei 'God save the Queen' hingekriegt hat, aber die eigentliche Herausforderung war, dass das Original keinerlei Melodie hat und wir wollten etwas völlig Neues daraus machen: eine neue Melodie und eine völlig unterschiedliche Adaption. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen. Wir spielen eben gerne rum."

Viele skandinavische Bands spielen in der internationalen Meisterklasse, wie etwa Mando Diao, oder auch Dune, Hives, Turbonegro und nicht zu vergessen die alten Punk'n'Roll Helden um Hellacopters und Gluecifer. Was hat der Norden an sich, dass er soviele Topacts hervorbringt?

Ist die Musikszene dort soviel toller?

"Eigentlich überhaupt nicht! Diese ganzen skandinavischen Bands sind einfach bekannt dafür, dass sie ein besonders gutes Gefühl für Melodien und schöne Arrangement haben und die Tatsache, dass z. B. die Dänen gar nicht besonders auf Rockmusik stehen, zwingt dänische Bands wie uns dazu, unser Glück eben auch im Ausland zu versuchen und den Schritt hinauszuwagen auf eine internationale Ebene.

Anderen Musikern geht es genauso: Mando Diao werden vermutlich gerade in England, aber auch im Rest Europas viel mehr gehypt, als in ihrer Heimat Schweden. Das ist der Grund, warum so viele Bands von hier zu Exportschlagern werden - unsere Möglichkeiten wirklich was zu reissen sind eben auch bei allem positiven Feedback begrenzt."

Aktuelles Album: Revolt (Ferryhouse / Warner)
© 01. August 2010  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
August 2010

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