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ROYAL REPUBLIC - (Seliger) Kraftklub aus Schweden!

Was nicht richtig rockt, ist meistens für´n Arsch. Doch keine Angst: ´Weekend Man´ ist die erste richtige ´Abgeh-Scheibe´ des Jahres! Ein königliches Vergnügen! Um das zu würdigen, haben wir nicht nur die Heimatstadt von Royal Republic besucht, sondern auch das Aufnahmestudio zum ´Weekend Man´ in Berlin.

Royal Republic wurden 2007 in der parlamentarisch-demokratischen Monarchie Schweden gegründet. Genauer gesagt, in Malmö. Jener Stadt am Öresund, deren Fußballverein Malmö FF schwedischer Rekordmeister /–pokalsieger ist, in dessen Reihen Zlatan Ibrahimovic eine Weltkarriere begann. Die dänische Hauptstadt Kopenhagen liegt knapp 30 km entfernt. Verbunden sind beide Städte durch die im Jahre 2000 fertig gestellte, weltweit längste Schrägseilbrücke. Wahrzeichen von Malmö ist seit 2005 der ´Turning Torso´, der höchste Wolkenkratzer Skandinaviens sowie das dritthöchste Wohngebäude Europas. Begeben wir uns also auf die Reise durch die Welt von Royal Republic, deren Debut ´We Are The Royal´ 2010 bereits viele Fans positiv durchdrehen ließ, bevor das zweite Album ´Save The Nation´ auf Wolke 7 ganz oben in den Charts landete (SWE 24, GER 14). Euphorisiert fragte Sänger Adam Grahn das Publikum beim Rock am Ring-Gastspiel 2013: „Was ist los mit den schwedischen Bands?“. Also baten wir ihn und RR-Drummer Per Andreasson nun um Antworten. Gitarrist Hannes Irengård und Basser Jonas Almen waren beim Gespräch leider nicht zugegen.

Grahn lacht: „Diesen Spruch haben wir von der deutschen Band Kraftklub geklaut. `Bei uns klauen alle diese schwedischen Bands´ singen sie auf `Eure Mädchen´.“

Andreasson: „Kraftklub ist die einzige deutsche Band, die wir hören. Besonders deren erstes Album!“

Ihnen gefiel der Kraftklub-Witz, mittlerweile sind die Musiker untereinander befreundet. Eine Woche vor dem Interview waren die schwedischen Musiker in Chemnitz gewesen, um den dort ansässigen Kraftklub zu treffen. Doch es gibt mehr Parallelen zwischen beiden Formationen. Nicht nur, dass die Gruppen scheinbar derzeit subjektiv die beliebteste Rockband ihres jeweiligen Landes darstellen. Sie nahmen ihre aktuellen Alben im selben Studio in Berlin auf. Das besagte FuzzFactory Tonstudio betreiben Tontechniker Michael Tibes und Christian Neander. Letzterer ist als Musiker ebenfalls sehr bekannt.

Andreasson: „Ich habe eine deutsche Freundin. Als sie mitbekam, mit wem wir unsere Platte aufnehmen, war sie sehr erstaunt, erzählte, dass Christians Band Selig eine ihrer absoluten Lieblingsbands sei. Sie liebt den Selig-Song `Ohne Dich´.“

Wir zeigen ein Foto des Produzenten-Teams im grell gelb-roten Studio.

Grahn: „Ja, dass ist Michaels Raum. Christians Raum ist noch schlimmer. Dort ist es knallig grün-lila. Da wirst du richtig seekrank, wenn du den Raum betrittst!“

Und genau in diesem knallbunten Ambiente ist das gesamte Album ´Weekend Man“ eingespielt worden. Man hört förmlich die farbenfrohe Leuchtkraft als Inspiration im übertragenem Sinn. 15 Tracks wurden dort finalisiert. 13 sind auf dem neuen Longplayer zu hören, zwei werden B-Seiten. Insgesamt gab es jedoch um die sechzig Demos.

„Michael und Christian haben uns richtig gepusht, so dass wir die richtigen Songs rauspicken konnten.“

Trotz ihres strahlenden, sonnigen Gemüts sind die Royal Republic-Musiker definitiv keine Blumenkinder! Passenderweise startet der Titelsong denn auch mit den Worten „I´m not a hippie, I just get stoned!“

Wer ist für die Zeile verantwortlich?

Grahn: „Das war ich. Die Riffs für den Song `Weekend Man´ hatten wir bereits seit 2011. Wir mussten die Worte dazu richtig herauskämpfen. Eine halbe Stunde, bevor ich den Song einsingen musste, fiel mir diese Zeile ein. Sie ergab rhythmisch einfach einen Sinn.“

Früher, so erzählt Grahn, hätte er oft irgendwelche Worte gesungen. Mittlerweile werden die Texte sorgsam eingearbeitet. Weiterhin hängen sie davon ab, ob der betreffende Song eine sanftere Dynamik involviert, oder ob ein Rocksong entstehen soll, der durchaus stupide Wortwahl vertragen kann. Die Idee hinter dem ´Weekend Man´ ist autobiographisch zu verstehen. In Schweden geht man nicht einfach unter der Woche ein Bier trinken. Dazu sei es zu teuer dort. Also wartet man bis zum Wochenende, gibt dann richtig Gas.

Grahn: „´Follow The Sun´ ist ebenfalls autobiographisch. ´Walk!´ entstand aus Frustration. Irgendetwas hat mich angepisst. Ich weiß nicht mehr, was es war, aber ich war sauer. Also ging ich ins Studio, den Frust raushauen.“

Trotz der benutzten Kraftausdrücke ist es sehr entspannend, wie relaxt Andreasson und Grahn sich ihrer Erwartungshaltung nähern. Sie sind sich der Qualität bewusst, ohne große Phrasen zu dreschen. Sie haben ihren Job erledigt.

„Ob nun Hits daraus werden, oder nicht, dass müssen andere Leute entscheiden. Wir machen einfach die Musik, die uns gefällt. Man kann nicht vorsätzlich Hits schreiben.“

Auch wenn als Inspirationsquellen die Beatles, David Bowie, Muse, Gluecifer, Hives sowie Franz Ferdinand genannt werden, fliegt die Muse ihnen nicht einfach zu.

Grahn: „Richtige Inspiration ist eine wirklich seltene Angelegenheit. Du kannst dich nicht hinsetzen, darauf warten. Du musst dir dein Songwriting erarbeiten!“

Ein Royal Republic-Song muss dynamisch sein, gleichfalls benötigt er Raum, um zu atmen. Gleiches gilt scheinbar für RR-Konzerte. Kurz vor dem Gespräch war das Quartett unterwegs gewesen, um eine kleine Clubtour zu spielen.

Grahn: „Es macht Spaß, für 200-300 Leute zu spielen, den Menschen so nah zu sein. Dabei geht es dann nicht um Kaviar oder Champagner, sondern einfach darum, wo man seinen Rucksack ablegt, sich umzieht.“

Nichtsdestotrotz werden sie in diesem Sommer große Festivals spielen; das Hurricane-Festival in Scheeßel hat bereits gebucht. Auch das Southside-Festival, Open Flair, Taubertal-Festival, Rocco del Schlacko sowie das Highfield-Festival haben bestätigt. Eine Tour durch große deutsche Hallen ist für den November angesetzt. Damit sind sie mehr als ausgebucht. Es bleibt der Royal Republic gar keine Zeit, den US-Markt erobern zu wollen.

Grahn: „2010 starteten wir in Deutschland durch. Dann kamen Österreich, die Schweiz, Spanien, Italien dazu. In diesen Ländern fühlen wir uns wohler als in Amerika. Wir durften dort viele großartige Plätze besuchen. Sie stehen uns näher, sind mehr Zuhause für uns. Warum sollten wir also nach Amerika gehen? Dafür haben wir keine Zeit.“

Was bedeutet Heimat? Nach Malmö kommt man aus Kopenhagen nur über die Öresundbrücke.

Grahn: „Genau. Deshalb sind wir gerade vor wenigen Stunden mit dem Zug drüber gefahren, um nach Berlin zu kommen.“

In Malmö ist das schwedische Gegenstück zum FC Bayern München zuhause – Euer Fußball-Rekordmeister / Rekordpokalsieger Malmö FF. Der Klub, vom dem aus Zlatan Ibrahimovic seine Weltkarriere startete.

Grahn: „Ibrahimovic. Cool. Ja, ich habe ihn noch in Malmö spielen sehen. Unser Gitarrist Hannes kennt einen Typen, der zusammen mit Zlatan in eine Schulklasse ging. Wir kennen ihn nicht persönlich.“

In Malmös Innenstadt, auf der Brücke, stehen (als Denkmal) die (reproduzierten) Schuhe von Nils Poppe. Andreasson: „Ja, kennen wir. Poppe war ein schwedischer Schauspieler.“

Nicht weit davon entfernt ist ein kleiner, gemütlicher Record-Store.

Grahn: „Dort haben wir vor unserer Karriere ein paar Mal Platten gekauft...“

Andreasson: „... aber jetzt haben wir spotify.“

Was haltet ihr vom ´Turning Torso´ (´Drehender Rumpf´) im Hafengebiet unmittelbar am Öresund?

Andreasson: „Der lustige Turning Torso. Jeder war gegen den Bau. Die Leute sagten, er sei stupid, teuer, wir bräuchten ihn nicht. Dann haben sie ihn doch gebaut. Nun finden ihn alle cool. Es stehen permanent Menschen davor, um sich dort zu fotografieren. Genau so war es wenige Jahre zuvor mit der Öresundbrücke.“

Leider sind die Musiker von Royal Republic in den letzten sechs Jahren kaum noch in Malmö gewesen. Und direkt aus Malmö kommen sie ja auch nicht. Was kommt nun? Vielleicht „Zu Hause da war ich schon“? Ein Solo-Album von Jan Plewka trägt diesen Titel. Plewka ist der Sänger von Selig. Die Quadratur des Kreises ist vollbracht!

Aktuelles Album: Weekend Man (Vertigo / Universal)
© 03. März 2016  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe ||| Foto: Eric Weiss
März 2016

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