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MASSENDEFEKT - Das gute Gefühl

Um es vorweg zu nehmen: Mit dem neuen Album ´Echos´ besteht die Band ihre persönliche Reifeprüfung mit Bravour. Wo nach dem Ausstieg von Sänger Ole noch vermeintlich aus der Not eine Tugend gemacht wurde und vor allem Gitarrist Sebi auf der 2014er-Scheibe ´Zwischen gleich und anders´ die Leadsänger-Rolle eingenommen hatte (und man auch gleich merkte, dass dies gut funktioniert), präsentiert sich diese neue Bandkonstellation anno 2016 als das womögliche Nonplusultra im bisherigen Banddasein. Klingt nach Wellness pur bei Massendefekt...

J Gleich zu Beginn des Interviews lässt Frontmann Sebi seinen Gefühlen freien Lauf und berichtet von der Vorfreude, die nun seit geraumer Zeit im Hause Massendefekt herrscht: Endlich erscheint bald das neue Album, das zum Zeitpunkt des Interviews (Anfang Februar) schon etwa sechs Wochen fertig ist – man könnte also durchaus vermuten, Massendefekt wären eine extrem gut organisierte Band.

„Ich denke schon, dass wir gut vorbereitet sind und immer nach Plan arbeiten. Es ist schon sinnvoll, so vorzugehen. Natürlich träumen wir gerne, aber eigentlich schauen wir immer nur auf den nächsten Schritt, das hat sich so bewährt. Ein vernünftiges Album hinkriegen, eine schöne Tour planen und dann schauen, was passiert – manche Dinge kann man halt auch nicht beeinflussen.“

Gerade als im besten Sinne klassische DIY-Band scheinen solche Gedanken eigentlich fremd. Wobei auch dieses Maß an Freiheit womöglich ein Geheimnis des stetigen Weiterkommens ist.

„Wir haben nie Leute gehabt, die uns reingeredet haben oder auch reinreden wollten. Natürlich nutzen auch wir inzwischen die Vorzüge einer Plattenfirma oder Booking-Agentur, aber im Prinzip entscheiden wir immer noch selber, was wir spielen, wo wir spielen.“

Umso bewundernswerter, dass sich Massendefekt in 15 Jahren Bandgeschichte immer wieder durchgesetzt haben – zu einer Zeit, in der abertausende Bands und Labels aus dem Boden schossen, Musik zeitweise seinen materiellen Wert verlor und sich diesen auch nur mühsam wieder zurück erkämpfen konnte.

„Ich glaube, Arbeit zahlt sich immer aus. Alle von uns haben das gleiche Ziel: Von unserer Musik, von dem, was uns und anderen Spaß macht und am Herzen liegt, leben zu können. Schon vor 15 Jahren haben wir daran gedacht und uns war klar, dass man dafür auch mal was anderes zur Seite legen muss und es mitunter auch harte Arbeit bedeutet, wenn man dieses Ziel erreichen will. Wir merken ja selbst, dass wir dem näher kommen, stetig kommen neue Highlights hinzu, ein bisschen mehr geht hier und da – das ist schon ein geiles Erlebnis. Zum Beispiel werden die Festivals, auf denen wir spielen, langsam etwas größer. Wenn Du auf einmal mit Bands zusammen spielst, auf deren Konzerte du selbst gerne gegangen bist und deren Platten Du im Schrank hast, dann ist das schon ein verdammt gutes Gefühl. Und genau deshalb muss man immer versuchen, einen Schritt voran zu kommen, sich von mal zu mal ein bisschen zu verbessern, die nächste Platte noch ein Stückchen geiler hinzukriegen, mit der nächsten Tour noch ein paar mehr Leute zu begeistern – und schon wird es immer schöner. Das geht aber auch nur, wenn man zusammen arbeitet und dranbleibt!“

Wie sehr schmerzt denn dann das leider noch notwendige Übel, nach all solch tollen Momenten immer wieder in den Brot-und-Butter-Alltag zurück zu müssen?

„Die Band nimmt schon eine Menge Zeit in Anspruch und der normale Job kostet dann auch schon mal Überwindung, aber es ist okay. Man kann auch mal ganz bodenständig sein abseits des Rock'n'Roll, wir alle machen unsere ´echten´ Jobs auch gut und gerne – das hält einen auf dem Boden der Tatsachen.“

Was wir dem Herrn gerne abnehmen, denn wenn eine Band nicht abgehoben wirkt, dann wohl Massendefekt

„Ich denke schon, dass wir bodenständig sind. Es ist einfach wichtig, Persönlichkeit zu haben – egal, ob privat, oder wenn man auf der Bühne steht. Man merkt einem Menschen sehr schnell an, ob er ehrlich ist oder nicht. Deshalb achten wir auch darauf, uns nie zu verstellen.“

Überhaupt wirkt die Band heute sicherer denn je, ob nun im Sinne von Stil oder auch in der Art der Darbietung.

„Ich weiß nicht, ob wir wirklich stilsicherer geworden sind“, grübelt Sebi. „Aber zumindest bewahren wir stets unsere Selbstsicherheit, das kann man schon sagen. Mit dem letzten Album haben wir ganz sicher neu zu uns gefunden, nachdem Ole raus war. Ein Album ist dann in dem Sinne auch immer eine Momentaufnahme, man hört schon raus, wie wir uns fühlen oder zu der Zeit gefühlt haben, denke ich.“

Stichwort: Momentaufnahme. Wie vital fühlt sich denn derzeit die nationale alternative Musikszene an?

„Mir gefällt die Szene sehr gut gerade und ich finde es großartig, dass der Anteil an deutschsprachiger Musik auch wieder so groß geworden ist. Da gibt es derzeit schon eine Menge guter Bands.“

Ein Kriterium hierfür ist sicherlich der textliche Inhalt – hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

„Mal davon abgesehen, dass ich das auf englisch gar nicht könnte... wir legen schon sehr viel Wert darauf, gute Texte zu haben. Man ist auf deutsch sofort verständlich und mit ´Schlagerdeutsch´ kommt man einfach nicht durch. Das ist auch nicht ehrlich. Und das sollte es eigentlich immer sein – sowohl für den Hörer als auch für den Schreiber.“

Man darf beruhigt sein: Bei Massendefekt ist die Sprache höchst ansprechend, was auch erste Show-Verlegungen der kommenden Tour in größere Hallen verdeutlichen. Bleibt zu hoffen, dass auch dort der Boden so klebrig ist, wie Massendefekt es brauchen. Obwohl: Angst muss man um diese Jungs wohl keine haben!

Aktuelles Album: Echos (MD Records / Rough Trade)
© 02. März 2016  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Victor Schanz
März 2016

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