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BEN CAPLAN - Eine haarige Angelegenheit...

Ben Caplan ist alles Mögliche – nur nicht das, was man vielleicht erwartet! Während sein neues Album „Birds With Broken Wings“ wie ein Ritt durch die Musikgeschichte daherkommt, reitet der kanadische Folkmusiker während des Interviews mit vielen PS im Auto durch Irland!

Im Sommer wird der Musiker aus Halifax 30 Jahre alt. TV-Auftritte, Videos zeigen ein junges, strahlendes Gesicht. Jedenfalls an den wenigen Stellen, wo keine Haare wuchern. Denn Ben Caplan trägt „Matte“ und Vollbart. Zudem eilt ihm der Ruf eines charismatischen Charmeurs, Madmans und Dichters voraus. Sein Album-Debut ´In The Time Of The Great Remembering´ erschien im Oktober 2011.

„Es gibt einen großen Unterschied zwischen `Remembering´ und `Broken Wings´. Während wir beim ersten Album versuchten, die Songs so einzuspielen, wie wir sie live auf der Bühne arrangieren, waren wir beim neuen Werk daran interessiert, was im Studio alles möglich ist.“

Da wundert es niemanden, dass zum Debut inklusive Caplan ´lediglich´ neun Musiker gelistet werden, während der neue Longplayer auf insgesamt 28 Namen kommt.

„Ich wollte eine Menge verschiedener Sounds kreieren, um das Album interessanter zu machen. Manche Titel haben Bläser-Arrangements, traditionelle Instrumentierungen der Roma. Die Instrumentierung ist förmlich explodiert. Das kann man mit einer kleinen Band nicht umsetzen.“

Einzig beständig ist auch in Caplans Live-Band der Wechsel.

„Heute werden wir zu Zweit auf der Bühne stehen. Ein ´normalerweise´ gibt es nicht. Auf unserer Deutschland-Tour im Januar / Februar standen fünf Menschen auf der Bühne. Manchmal sind wir zu Viert, manchmal zu Dritt. Diese Organisation bereitet eine Menge Arbeit. Heute begleitet Taryn Kawaja (Piano, Vocals) mich. Sie ist auch auf dem Album zu hören. Darauf spielen neben uns zwar vier Schlagzeuger, aber mit einem fünften Drummer spielen wir live. Auch der Bassist variiert.“

Hält ein Musiker, der so der Vielfalt verfallen ist, es dann überhaupt in einer einzigen Formation aus? Spielte er jemals in einem festen, limitierten Bandgefüge?

„Ja. Das Gute an einer Band ist, dass man tiefer in jeden Song eindringen kann. Allerdings wird man schnell gelangweilt... Viele Musiker garantieren neue Impulse, neue Inspirationen.“

Das sagt ein Mann, der beim Autofahren, wenn er denn nicht gerade Interviews gibt, klassische Musik von Franz Liszt, Frédéric Chopin, Ludwig van Beethoven oder Podcasts mit Interviews anhört. Auch die ´Dreigroschenoper´ von Bertold Brecht mit der Musik von Kurt Weill findet Caplan großartig.

„Aber es war nie meine Intention, wie jemand anderes zu klingen. Ich höre Musik in einem größeren Spektrum.“

Ziel verfehlt – ´Dusk´ erinnert latent an ´Die Dreigroschenoper´. Was natürlich nicht wirklich schlimm ist. Der Titelsong gehört subjektiv thematisch der Americana-Spielart an, ´Night Like Tonight´ zeigt Caplan als großen Entertainer alter Schule - Frank Sinatra´s ´My Way´ lässt grüßen.

„Der Song ´Birds With Broken Wings´ entspricht vielleicht entfernt dem Country-Gedanken, aber er ist, wenn schon, dann die Klezmer-Variante von Americana! `My Way´ von Sinatra kenne ich nicht. Jedoch zu klingen, wie ein alter Entertainer, nehme ich als Lob. Dankeschön.“

Nick Cave und Leonard Cohen bezeichnet Caplan ebenfalls als großartige Künstler. Dass er auf (s)einem wikipedia-Eintrag jedoch mit Blondie musikalisch in Verbindung gebracht wird, kann er (zu Recht!) nicht nachvollziehen.

„Die einzige Verbindung zu Blondie besteht wirklich darin, dass wir einmal ein gemeinsames Konzert gespielt haben!“

Seine eigenen Gastspiele finden Zuspruch hauptsächlich in den Niederlanden, Deutschland und Kanada. In seiner Heimat Nova Scotia hat er in den Jahren 2012-2015 auch bereits alle möglichen Musikpreise abgeräumt. Was bleibt da zu wünschen übrig?

„Ich hoffe, dass die Leute die Zeit haben, die Musik meines neuen Albums zu checken!“

Aktuelles Album: Birds With Broken Wings (Coalition Music / ADA-Warner)
© 01. März 2016  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
März 2016

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