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JET - Jenseits des Hype

Endlich kommt einmal eine junge Band daher (hier: vier wildgewordene Australier, 21-24 Jahre jung) und erinnert die Alte Welt daran, was Rock´n´Roll ist, warum unsere Ahnen diese musikalische Spielart mit Sex´n´Drugs assoziierten. „Get Born“ ist die Wiedergeburt der schmutzigen Gitarren, Bässe, Drums! Hier und jetzt...JET!

Dieser Artikel müßte eigentlich mit zahllosen „Yeeeaah“, „Wooow“ oder anderen geläufigen Rock´n´Roll-Ausrufen beginnen. Selten war die Musik einer neuen Formation so mitreissend, euphorisch, begeisternd, wie jene von Jet, einem Quartett aus Melbourne/Australien. War die im Juni veröffentlichte EP „Dirty Sweet“ bereits ein Jumbo-Jet, so ist nun der Debut-Longplayer „Get Born“ ein Überflieger. Rhythmus, Power mit Sexappeal, ohne in billige Hardcore/Heavy Metal-Gefilde abzurutschen. Dazu Bier, Jeans, unrasiertes Kinn. „Wenn du Samstagnacht spielst und ein wenig angetrunken bist, dann ist es sooooo gut, die Party-Songs heraus zu schreien. Ab und an gibt es eine Coverversion. `That´s Alright´, ein Song, den Elvis Presley wohl zuerst darbot, kommt von uns so verändert, dass es fast ein eigener Titel ist. Manchmal performen wir mit einem Keyboarder. Dann kommen Balladen gut. Mein Bruder steht auf Lyrics, die bei den Balladen wichtig sind. Ich stehe mehr auf die Melodie. Da muß man nicht jedes Wort verstehen. Die Rock´n´Roll-Texte sind eh größtenteils schwachsinnig. Einfach aufdrehen und Bier trinken!“ Nic Cester ist Jet-Sänger/Gitarrist, dreiviertel des Repertoires stammen aus seiner Feder. „Wir sind jung, ich bin 24, die anderen sind 21, 22 und 23 Jahre alt. Jeder Tag ist wie eine Party. Es ist fantastisch! Jet ist eine Band, kein Hype! Zwei Brüder und deren zwei beste Freunde. Wir komponieren, weil wir Musik lieben! Hype ist etwas, worüber wir keine Kontrolle haben. Er wird von Magazinen erschaffen, um Geld zu verdienen.“ Chris, Nic´s jüngerer Bruder, bearbeitet das Schlagzeug, singt backings. Die Kumpels Cameron Muncy (ebenfalls backings) und Mark Wilson zupfen die elektrischen Sechs- bzw Vier-Saiter. Diese Vier konnten die Ära des Glam, der frühen Stones nicht miterleben. Aber sie haben das Feeling, den Durst, das Selbstbewußtsein. „Wir singen dreistimmig, ohne dass sich dort eine Idee dahinter verbirgt. Einfach nur, weil es gut klingt! Wir sind schließlich mit Beatles-Zeugs aufgewachsen. Doch unser Name entsprang nicht einem McCartney-Song, es ist einfach nur ein guter Name für eine Band. Kurz und schmerzlos! Wenn wir mit anderen Gruppen spielen, die einen wirklich langen Namen tragen, müßen sie auf den Plakaten unseren Namen strecken, um den freien Platz zu füllen. Dann sieht es aus, als wären wir der Haupt-Act.“ Jet mögen ihre 60´s / 70´s Wurzeln nicht verstecken. „Wir sind allesamt große Easybeats-Fans, haben auch viele englische Sachen gehört; die Kinks, The Who, die Stones. Die Faces waren wirklich groß! Einige australische Bands sind es ebenfalls, wir haben eine kräftige Musikszene. Es macht Sinn, diese Gruppen anzusehen. Amerika ist schließlich weit entfernt.“ Und „diesen ganzen Radio-Scheiß“ kann Nester nicht ertragen. Auch nicht auf Reisen. Eigentlich sind Jet derzeit permanent unterwegs. „Trotzdem haben wir eine Menge Songs für das nächste Album. Wir haben sie bereits sehr lange. Nur fanden wir, einige Titel passen besser auf die zweite Scheibe, sind nicht so geeignet für´s Debut. Was nicht heißen soll, diese Lieder wären nicht so gut. Das Gegenteil ist eher der Fall!“ Mit einem Major-Partner im Rücken können sie diese Alben nun einspielen, wie sie es mögen. Jet wollen nicht LoFi klingen. „Wir sind sehr frustriert, wenn wir gute Ideen nicht so umsetzen können, wir wir es uns gedacht haben. Wir wollen HiFi, geschmeidig und poliert! Wir suchen das Optimale, wollen nicht übertreiben. Darum arbeiten wir mit natürlichen Distortions, Amps. Dabei kommt es nicht auf die Marke an, sondern auf den Klang!“ Okay, gewonnen. Bei dem Namen und dem Sound kann einfach nichts mehr schief gehen!

Aktuelles Album:Get Born (Elektra / EastWest)
Weitere Infos: www.jettheband.com
© 01. November 2003  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
November 2003

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