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THE NERVOUS RETURN - Unten mit George Clinton

Kontakte zu anderen Musikern können sich lohnen. The Nervous Return, bisher nur in den Staaten auf Konserve erhältlich, wurden durch ihre L.A. Kumpels Mother Tongue auf das Berliner Noisolution Label aufmerksam, bei dem sie jetzt auch diesseits des Atlantiks rauskommen. Im Gegensatz zu den Funkbrüdern Mother Tongue haben sich The Nervous Return aber dem Post- bzw Punk verschrieben, der besonders textlich recht düster ausfällt. Glamourfalle Hollywood, an Mansons "Holy Wood" und Holes "Celebrity Skin" sei erinnert, diesmal mit The Nervous Return

Bereits seit zehn Jahren machen Bassist Anthony und Sänger/Gitarrist Jason zusammen Musik in unterschiedlichen Besetzungen und Bands. Nicht nur der Bandname Twig, auch die Lady, die fürs Klampfen zuständig war, musste schon wieder gehen: "Wir haben inzwischen unseren sechsten Gitarristen und somit diesen Posten öfter neu besetzt als die Chili Peppers", so Jason. Bereits im letzten Jahr erschien das Debüt "Headshots" in den USA. Die europäische Version enthält Songs der ersten EP und des Debüts. Mit "Murder Weapon" startet "Headshots" äußerst eingängig, eine Midtemponummer, die an die New Yorker Anzugträger Interpol erinnert. Die Vorliebe der Band für sperrigen Punkrock kann man in Songs wie "Move" und "Destroy Rocker" erkennen. The Nervous Return schaffen es, nicht in zu schräge, rauhe Gefilde abzudriften, sondern die Songs durch süße, fast poppige Refrains aufzubrechen. Überhaupt scheinen die drei Kalifornier keine Scheuklappen zu haben. So taucht in "It's Not Enough" überraschend eine Reggaestrophe auf. Insgesamt kommt "Headshots" sehr energiegeladen rüber.

Auch einem gewissen Travis Barker, hauptberuflich Schlagzeuger bei Blink 182, gefiel besagtes Album äußerst gut und er lud The Nervous Return ein, für sein Nebenprojekt Box Car Racer bei drei Konzerten zu eröffnen: "Im Publikum waren nur Kinder, die schon um drei vor der Halle warteten und schrien, als Travis aus einer Limousine stieg", schmunzelt Anthony. So stellt man sich Hollywood vor. In "Wake Up Dead" singt Jason über ‚Dead Entertainment'. Gilt das der Traumfabrik? "Das bezieht sich auf die Massenunterhaltungsbranche, bei der es überhaupt nicht um Kunst, sondern nur um Geld geht. Hollywood ist zwar das Zentrum des Show-Business und somit voller Glamour, hat aber gleichzeitig eine dunkle, sehr abstoßende Seite."

Düster sind auch die Texte von TNR. In "It's Not Enough" heißt es "All you ever wanted was a kiss good-bye from a gun", wozu Anthony meint: "Als wir die Songs geschrieben haben, durchlebten wir ziemlich viel Frustration, was sich jetzt auch in den Texten widerspiegelt. Die Leute schocken wollen wir allerdings nicht. Dafür sind wir viel zu brav", sagt er und schmeißt sich weg vor Lachen. Bei ihren Konzerten soll es angeblich alles andere als brav zugehen. In dem Stück "Destroy The Rocker" wird eine Bühnenschlacht beschrieben: der Drummer wird für einen schlechten Beat bestraft und Blut fließt auf die Tanzfläche: "Das Stück passt gut zu unserer Show. Mit unserer Attitüde kann bei Konzerten alles passieren." Nicht nur bei seinen Konzerten: "Als George Clinton einmal in dem Club spielte, wo ich an der Bar arbeite, habe ich es mir nicht nehmen lassen, auf die Bühne zu gehen und mit dem Meister zu spielen, bis mich jemand vertrieben hat. Das war großartig", schwärmt Jason. Funk und Postpunk, wie geht das denn zusammen? "Die Funkszene in L.A. ist klasse und du kommst nicht drumrum, dich davon beeinflussen zu lassen."




Weitere Infos: www.thenervousreturn.com
© 01. November 2003  WESTZEIT ||| Text: Lars Weber
November 2003

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