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A PERFECT CIRCLE - Sad Songs Say So Much

Auch der zweite Streich des All Star-Teams um die Bandköpfe Billy Howerdel und Maynard James Keenan weiss auf ganzer Linie zu überzeugen. Im Bereich dunklen AlternativeRocks gibt es derzeit wohl keine Band, die an einen prachtvollen Bau wie "Thirteenth Step" heranreicht. Nicht nur die Kritiker geben ihnen Recht, sondern auch das Publikum der europäischen Tour im Vorprogramm der Deftones sah APC als heimlichen Headliner. Westzeit bat Billy Howerdel um Auskunft über die Geheimnisse dieser Band.

Und schon die erste Selbsteinschätzung fällt sehr ernüchternd aus. "Für solche Fragen hast du dir den falschen ausgesucht, denn ich bin eine ziemlich langweilige Person." Ohne dies bestätigen zu wollen, wirkt Billy im Interview vor dem Gig in der Düsseldorfer Philipshalle angespannt, nervös und ein wenig traurig. Er lächelt ganze zwei Mal. Einmal, als Maynard ihm eine CD bringt, auf die er sich sehr gefreut zu haben scheint. Vielleicht mag es ihm auch nicht gefallen, dass man ihn und seine Band zuweilen mit Samthandschuhen anfasst, da sie und auch ihre Musik so feinfühlig und zerbrechlich wirkt. "A Perfect Circle war nie ein grandioses Hirngespinst, sondern begann einfach als eine Band, die Musik macht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es für Aussenstehende ernster aussieht, als es wirklich ist." Billy hat ausser seiner Band keine weiteren Aufgaben zu erfüllen und ist somit voll konzentriert bei der Sache. Leider heisst das für ihn auch Warten. So zum Beispiel auf Sänger Keenan, der sich nach dem ersten APC-Kapitel wieder Tool widmete. "Ich wusste, dass er zurückkommen würde, aber es war trotzdem hart. Dann hat es auch ein wenig länger gedauert als geplant, aber damit werde ich beim nächsten Mal besser umgehen können." Die Rolle Keenan‘s scheint wesentlich mehr Einfluss als noch beim ersten Album gehabt zu haben, wie sich unschwer aus den Songwriting-Notizen Billy‘s erkennen lässt. "Ich hatte einige Songs fertig und Maynard hat auf einige reagiert, auf andere nicht, woraufhin das Album in sich wuchs. Er hatte die Ideen für z.B. "The Noose", er wählte "The Nurse Who Loved Me" als Coversong aus, weil es gut in sein textliches Konzept passte. Es geht um Sucht, Narzißmus, den destruktiven Prozess dieser Dinge und wie man sie bekämpfen kann." Billy nuschelt und wirkt bedrückt, so schwer gleiten ihm die Worte von den Lippen, als wäre alles, über das wir reden eigentlich viel zu persönlich, um öffentlich gemacht zu werden. Im Bezug auf den neuen Longplayer kann man trotz der gefühlvollen und dynamischen Interpretation der Songs ein gehöriges Plus an Tiefe und auch Härte im Vergleich zum Vorgänger feststellen. Die Stimmungen sind einfach intensiver dargestellt. "Wir wollten dieses Album etwas organischer und brüchiger gestalten, wofür wir unsere Arbeitsweisen ein wenig umstellen mussten. Das Ziel war eindeutig, es so simpel klingend wie möglich zu machen, und gerade das ist nicht wirklich einfach. Waren die Aufnahmen noch sehr schnell getan, so haben doch Mixing und die Balance aller Komponenten fast 90% der Arbeit ausgemacht." Und all das verschlang viel Zeit und irgendwie scheint das zumindest ihm einen bitteren Beigeschmack zu verleihen. "Ich kann das Ende unseres Tourzyklus schon wieder sehen, dann wird Maynard sich wieder um Tool kümmern. Viel mehr Zeit für A Perfect Circle wäre wunderbar." Das Interview ist vorüber, Billy wirkt erleichtert und bringt dies unmißverständlich zum Ausdruck: er lächelt ein zweites Mal.

Aktuelles Album: Thirteenth Step (Virgin)
Weitere Infos: www.aperfectcircle.com
© 01. November 2003  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
November 2003

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