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FAILURE - Wiederauferstehung statt Comeback

Die Frage nach dem Sinn und Zweck einer Reunion ist so alt wie der Rock-zirkus selbst. Im Falle von Failure war es allerdings wohl nur eine Frage der Zeit, bis man sich wieder zusammenfand. Das Erbe schien zu wertvoll, um nicht fortgeschrieben zu werden.

Kurzer Abriss der Geschichte: Anfang der 1990er Jahre versinkt die Musikwelt im Grunge, das Punk-Revival kündigt sich schon an, die Thrash Metal-Szene bildet einen konstanten Gegenpol. Eine Band wie Failure, beeinflusst vom 80er Wave und Underground-Noise (und textlich merklich vom falschen Kraut), mag da wenig Chancen haben. Dennoch sieht ein Label das Potential und lässt die Band ihr Debüt ´Comfort´ 1991 bei Sound-Papst Steve Albini aufnehmen. Der Nachfolger ´Magnified´ entsteht 1994 wie das letzte Album ´Fantastic Planet´ (inkl. des Underground-Hits ´Stuck On You´) 1996 in Eigenregie. Kurz danach dann die Auflösung: Drogen, Streit, was auch immer – die Band war passé.

Später dann baute Ken Andrews eine Karriere als Mixer/Producer (u.a. Nine Inch Nails, Beck, BRMC, Tenacious D) auf und feierte Underground-Fame mit Bands wie On, Year Of The Rabbit oder auch solo (einige Soundtrack-Beiträge). Sein kongenialer Partner Greg Edwards tauchte ab und erschien später wieder mit Autolux auf der Bildfläche, Drummer Kellii Scott verdingte sich u.a. bei Veruca Salt. Zum Live-LineUp am Ende zählte auch Troy van Leeuwen, zwischenzeitlich auch Gitarrist beim Tool-Ableger A Perfect Circle und seit 2002 festes Mitglied bei QOTSA. Und schon schließt sich der Kreis, denn eben APC coverten das irre Manifest ´The Nurse Who Loved Me´, Bands wie Cave In oder Tool beriefen sich auf das Erbe von Failure, zuletzt coverten Paramore noch ´Stuck On You´ und brachten erneut eine Band zur Sprache, die unwiederholbar schien. Man lief sich nach langer Zeit mal wieder über den Weg und ab und zu ging’s dann auch mal in den Proberaum, wie ein gut gelaunter Ken Andrews berichtet:

“Nach ein paar Treffen, bei denen ziemlich zügig neue Songs entstanden, die uns gut gefielen, haben wir überlegt, wie es weitergehen kann. Wir buchten eine Show, die ziemlich schnell ausverkauft war und wir trafen auf eine wesentlich jüngere Fanbase als wir erwartet hatten. Verdammt, da standen Leute, die waren nicht mal geboren, als wir uns 1997 auflösten – das hat uns motiviert, ein ganzes Album aufzunehmen.”

Ein gutes Zeichen – aber auch ein Risiko? Nein. Die Band spielte eine Tour, erhielt mehr Aufmerksamkeit und sparte die Einnahmen für ein Album nach exakt ihrem Gusto.

“Ich habe keine Ahnung, was passiert wäre, wenn wir 1998 wieder ins Studio gegangen wären, aber heute ist vieles anders. Wir haben andere Interessen als damals, sind älter geworden, Familienväter, sind bessere Musiker und Songwriter geworden. Und warum auch immer spielt Greg heute mehr Gitarre als ich in der Band – das hat sich einfach so ergeben und wir haben nie darüber nachgedacht, uns irgendwie zu beschränken.”

Das führte dazu, sich den Luxus von einem Aufnahme-, Mix- und Mastering-Zyklus von satten 6 Monaten zu gönnen. Eine komfortable Situation – und eine neue Erfahrung:

“Wir hatten keine Songs fertig, keine Textzeile, kein garnix – wir haben es einfach gemacht. Wir waren nie eine Band, die alle Songs fertig baut und die dann eben im Studio einspielt, wir haben immer im Studio hart gearbeitet.”

Und gleichzeitig den Kontakt zur Fanbase gesucht: Eine Pre-Order Pledge-Kampagne zum neuen Album, ein eigenes Label, viele Social Media-Aktivitäten – man passte sich dem modernen Musikzirkus erfolgreich an und hat hörbar Spaß am zweiten Karrierefrühling.

“Wir haben uns und die Band damals selbst zerstört, hatten wirklich schwere Drogenprobleme – und das war auch der Grund, warum uns der Split lange sehr nahe ging und fast depressiv machte. Die Tatsache, dass wir nun wirklich wieder auferstanden sind und so gut angenommen wurden, hat uns sehr überrascht – und beflügelt, vor allem kreativ. Wir haben schon wieder zig neue Ideen gesammelt und schneiden zum Teil auch Jams von unseren Soundchecks mit.”

Und das womöglich auch bald wieder hierzulande… die Verhandlungen über die erste Europa-Tour seit über 20 Jahren laufen!

Aktuelles Album: The Heart Is A Monster (Xtra Mile / Indigo)
© 01. August 2015  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
August 2015

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