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DEATH CAB FOR CUTIE - Schöner, größer, tiefgründiger

In ihrer amerikanischen Heimat sind Death Cab For Cutie, vier smarte Herren aus Bellingham, Washington, längst mehr als nur eine Kultband. Sie sind der Inbegriff des Independent-Gedankens, eine Band, die ihre Platten daheim auf dem Winz-Label Barsuk veröffentlicht, fast sämtliche Geschäfte vom Management bis zum Booking selbst übernimmt und trotzdem finanziell so erfolgreich ist, dass die Musiker besser davon leben können als so manch andere Band, die von ihrem Majorlabel an der kurzen Leine gehalten wird.

„Transatlanticism“ heißt ihr fünftes Album, das allerdings das erste mit geregeltem Vertrieb in Deutschland ist. Hierzulande kennt man vermutlich eher das Soloprojekt von Sänger Ben Gibbard, die letzten Sommer immens erfolgreichen The Postal Service. Eine Tatsache, der seine Bandkollegen nicht nur positive Seiten abgewinnen können. „In Amerika ist es so, dass alles, was gut für The Postal Service war, auch uns geholfen hat“, erklärt uns DCFC-Gitarrist und Produzent Chris Walla beim Tourstopp in Michigan. „Wir sehen derzeit eine Menge neuer Gesichter, auch in Städten, die denen wir schon öfter gespielt haben. In Europa könnte das allerdings dazu führen, dass es ein ziemlicher Kampf wird, den Leuten klarzumachen, dass wir als Band bereits seit sechs Jahren zusammenspielen, lange unter einem Dach gelebt haben und sehr, sehr hart für die Band gearbeitet haben.“
Angefangen haben Death Cab For Cutie als Emo/Underground-Helden. Inzwischen haben sie sich zu einem Vorzeigeact des Quiet-Rock hochgearbeitet, dessen Songs auf „Transatlanticism“ einfach schöner, größer und tiefgründiger sind als alles Vergleichbare: Das großartige Songwriting, Gibbards emotionaler Gesang und nicht zuletzt die bis ins letzte Detail ausgefeilte, aber dennoch stets auf den Punkt gebrachte Produktion von Chris Walla – hier ist keine Note verschwendet. Vielleicht ja auch, weil DCFC die Songs erstmals nicht auf der Bühne testeten, sondern sofort im Studio aufnahmen? „Für mich als Produzenten hat das die Arbeit auf jeden Fall erleichtert“, erklärt Chris. „Wenn du die Stücke schon häufig live gespielt hast, sind die Parts schon richtiggehend zementiert, und das im Studio wieder aufzubrechen, ist fast unmöglich. Mit diesen Songs bei null anzufangen, hat uns sehr geholfen!“
Das Experiment hatte allerdings auch seine Tücken, wie Chris weiß: „Das Schwierige war, die Songs nach den Aufnahmen für die Liveshows vorzubreiten. Weil das Album eine so ausgetüftelte Studio-Platte ist, fällt es uns manchmal schwer, auf der Bühne die gleiche Chemie zu entwickeln, die du spürst, wenn du dir die Platte anhörst.“ Doch bis die vier im März/April nächsten Jahres in Deutschland spielen, haben sie ja noch ein wenig Zeit, an ihrem Liveset zu feilen. Bis dahin freuen wir uns über das neue Album, denn fest steht: Zusammen mit dem – übrigens auch von Chris co-produzierten – Album „When I Pretend To Fall“ von den Long Winters ist „Transatlanticism“ die schönste Indierock-Scheibe dieses Herbstes!
Weitere Infos: www.deathcabforcutie.com
© 01. November 2003  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Label
November 2003

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