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THE DISCIPLINES - Kein Job, ein Abenteuer!

Berlin, Dezember 2007: Eine Platte haben The Disciplines zwar noch nicht, aber trotzdem fegen sie bei ihrem ersten Deutschlandkonzert im Rahmen der "Fucking Pop, ey?"-Reihe wie ein Orkan durch den Bang Bang Club am Hackeschen Markt. Bassist Baard Helgeland und Drummer Claus Larsen legen das Fundament, auf das Gitarrist und Songschreiber Björn Bergene seine Garagenriffs legt – wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, wie wild über die Bühne zu hüpfen. Dort ist eine Menge Platz, denn Sänger Ken Stringfellow verbringt den Großteil des Auftritts mitten im Publikum, und selbst das sich ob der wilden Action ständig verheddernde Mikrokabel hält ihn nicht davon ab, Kontakt zu seinen Fans zu suchen.
Diese Hinwendung zur ungeschliffenen Simplizität ist einigermaßen überraschend, schließlich spielten drei der vier Disciplines früher bei dem für seine ausgefeilten Studioproduktionen bekannten norwegischen Pop-Export Briskeby, der inzwischen in Frankreich heimisch gewordene Amerikaner Stringfellow produzierte nicht weniger akribische Platten als Solist oder mit The Posies. Aus einer spontanen Idee (Stringfellow lieh sich Anfang 2006 auf einer Support-Tournee für Briskeby kurzerhand die Musiker des Hauptacts für drei Songs aus) wurde schnell mehr – zur Überraschung aller Beteiligten, wie der Frontmann im Westzeit-Interview erklärt:

"Ich habe nicht erwartet, dass daraus eine richtige Band wird, aber genau deshalb hat es vermutlich so gut funktioniert. Ich habe 2004/2005 versucht, in Paris eine Band auf die Beine zu stellen, aber es sollte einfach nicht sein. Wenn man bedenkt, dass meine Platten und Konzerte in Norwegen schon immer gut angekommen sind, ist es natürlich nicht unbedingt überraschend, dass es nun ausgerechnet dort funktioniert hat – wenngleich ich nicht wissen konnte, dass Briskeby kurz vor dem Ende standen, als ich auftauchte."

Für ihr neues gemeinsames Projekt ließen die vier Herren gleich zu Beginn jeglichen Ballast über Bord gehen – als "letzte ehrliche Band des Rock´n´Roll", wie Stringfellow es formuliert. Er selbst beschreibt die Songs der Disciplines als "de-produziert" und als bewussten Gegenentwurf zu befreundeten Bands wie Snow Patrol oder Death Cab For Cutie und deren betonter Kopflastigkeit.

"Das Zeitalter der nach innen gewandten Musik, die in Schlafzimmern mit Computern, manchmal sogar von Computern gemacht wird, verlangt nach einem ordentlichen Hüftschwung", ist sich der Frontmann sicher. "Ich möchte zwischen all den glitzernden Maschinen etwas Menschliches, Schmutziges hören."

Genau da setzen The Disciplines an. Die Songs ihres nun endlich auch hierzulande erscheinenden Debütalbums "Smoking Kills" sind allesamt kurz, aber ungemein energisch, roh, aber dennoch stets eingängig, direkt, aber deshalb noch lange nicht unausgegoren. Vom ersten Stück des Albums, "Yours For The Taking", das auch The Hives gut zu Gesicht stehen würde, über die unwiderstehliche Single ´Best Mistake´, die in Norwegen bereits die Nummer 1 der Airplay-Charts erklomm, bis hin zum heimlichen Highlight "Hurricane" – The Disciplines stürmen urgewaltig durch die 13 Songs ihres Debüts und erlauben sich erst mit dem Schlusssong "Oslo" eine Atempause.

"Ich denke, die Band ist gut genug, um zum Kern der Sache vorzudringen, solange die Idee noch frisch ist", erklärt Stringfellow die Vorzüge der Zusammenarbeit mit seinen nordischen Bandkollegen. "Wir müssen nicht hunderte Stunden im Proberaum verbringen, bevor unsere Songs einen gewissen Standard haben. Ich habe gehört, dass die Pixies in ihren frühen Tagen täglich acht Stunden geprobt haben. Wie viel Spaß kann man danach beim Spielen noch haben? Wie hieß es doch in der alten Anwerbe-Kampagne der Armee? 'Es ist kein Job, es ist ein Abenteuer!'"

Aktuelles Album: Smoking Kills (Spark & Shine / Soulfood)
Weitere Infos: www.thedisciplines.com
© 01. Juni 2009  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Mathieu Zazzo
Juni 2009

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