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AMPLIFY - Their own way

Eine Story über Amplifly zu beginnen ist gar nicht so einfach: Sie zu hypen wie Rockstars passt so überhaupt nicht zu ihrer einnehmenden Bodenständigkeit und doch sind sie auf den besten Wege Musikgeschichte zu schreiben. Wenn eine Band das Zeug zum Rockstar hat, dann Amplify. Das fand auch Dieter Bohlen und so schafften sie es in seiner RTL-Show „Das Supertalent“ aus 10.000 Bewerbern unter die besten 25. Doch wer nun die plattgebügelte, plastikversiegelte Erfolgsgeschichte erwartet, die so viele Retortenband aufs Tapet legen, dem sei gesagt: Amplifly sind eine Punkrockband! Somit waren die Jungs auch wenig geneigt um Bohlens Gunst zu buhlen und sich zurechtbiegen zu lassen.

„Nachdem wir die Vorrunde geschafft hatten, waren wir bei RTL Bestandteil einer Reportage: Dieter Bohlen lud uns zu sich nach Hause ein, zeigte uns sein Studio, redete mit uns über Musik und wollte im Tourbus mitfahren. Es ging u.a. darum, wie er uns coachen wollte. Nachdem Teile davon ausgestrahlt wurden, gab es dann noch eine zweite Reportage über Straßenmusik. Wieder wurden wir mit der Kamera begleitet und der ganze Kram. Davon durfte dann aber der Großteil letztendlich gar nicht ausgestrahlt werden, weil das zum Thema des Gewinners, Michael Hirthe, erklärt wurde. Es hatte uns eh schon bei der ersten Reportage gestört, dass wir irgendwie komisch dargestellt wurden. Zwischenzeitlich ging es aber auch darum, mit welchem Song wir weiterkommen sollten und Bohlen meinte ‚Covert doch ´nen Beatles Song, da habt Ihr bessere Chancen‘. Darauf hatten wir aber keine Lust, also schrieb ich extra eine Ballade, weil wir dachten, das wäre für ein breites Publikum kompatibler. Alle waren begeistert und dann kam da die Sache mit der Straßenmusik. Wir waren so pikiert, dass wir gar nicht mehr mitmachen wollten. Außerdem hatten wir keine Lust, dass Leute auf uns scheißen, weil wir uns selbst nicht treu bleiben. Also wählten wir unseren härtesten deutschen Song und spielten den. Tja, was soll ich sagen: Herr Bohlen war nicht begeistert ;-)“

Well done, Jungs! Geschadet hat es nicht; die Myspace-Seite der Band wurde in den Tagen darauf 20.000 mal angeklickt, soviel Geradlinigkeit muss man eben einfach lieben.

2008 entschieden die Vier, dass es an der Zeit sei, sich über den großen Teich zu wagen und die USA zu rocken. Also schrieben sie verschiedene Clubs & Bands an und ehe sie sich versahen, hatten sie fünf Gigs in New York und einen in Connecticut an Land gezogen. Mit einem winzigen Problem: Das Ganze war illegal, weil es mit der angeforderten Arbeitserlaubnis nicht rechtzeitig hingehauen hatte.

„Irgendwie war unser Zeitmanagement nicht das Beste. Wir hatten unsere Flüge und das Hotel gebucht und dann erst festgestellt, dass es gar nicht so einfach war, ein Visum zu bekommen. Wir hatten bei der amerikanischen Botschaft in Berlin vorgesprochen und da erfuhren wir, dass diese Art Visa erstens ganz schön teuer ist und man außerdem Petitionen der einzelnen Clubs brauchte, in denen man spielen will. Kurzum, wir hatten weder die Visa und die Petition von nur einem Club, also beschlossen wir als Touristen einzureisen, unsere Instrumente zu Hause zu lassen und uns dort Gitarren zu kaufen. Bei der Einreise hatten wir totales Glück, schließlich hatte man dort eine Akte voliegen, aus der hervorging, was wir vorhatten. Puuh, die ersten Auftritte hindurch hatten wir ganz schön Angst, aber alles ist gutgegangen. Das Equipment, das wir brauchten, haben wir uns vor Ort zusammengeliehen und die Ausreise war auch easy und das trotz eines Gepäckwagens, auf dem sich die Gitarren türmten. Fürs nächste Mal haben wir L.A. ins Auge gefasst.“

Dort würden sie ohne Zweifel mit ihrer gerade erschienenen Scheibe ‚All In‘ schwer für Furore sorgen. Ihre Helden Green Day und Blink 182 können sie nicht verleugnen und wenn da nicht diese allzu gute Artikulation wäre, für die Amerikaner ja nicht gerade bekannt sind, würde man felsenfest davon überzeugt sein, einer schicken So‘Cal Punkrockcombo zu lauschen. Und das ist auch der Grund, warum Timmy und Co. sich entschlossen haben vermehrt deutsche Songs zu schreiben?!?!

Hm, keine Siegeszüge durch die Staaten, Traumdeals mit Epitaph oder Fat Wreck?

„Wir haben beschlossen, dass wir unseren eigenen Stil kreieren möchten und mit englischen Texten würden wir auf ewig wie eben Green Day oder Blink 182 klingen. Damit hat ja auch alles angefangen, aber nach 3 Jahren ist es an der Zeit, sich von Vorbildern zu lösen und einen ganz eigenen Sound zu haben. Selbst wenn das unsere Chancen auf internationalen Erfolg limitieren sollte.“

It‘s all about attitude!

Aktuelles Album: All In (RodRec / Cargo)
© 01. Juni 2009  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
Juni 2009

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