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THE FELICE BROTHERS - Lebenslang der Musik ausgeliefert

Das neue Album der Felice Brothers trägt den eigensinnigen Titel „Yonder Is The Clock“ und wahrscheinlich wird ihnen die clevere Band das als Absicht verkaufen – es passt wirklich zu gut. Doch Frontmann James Felice nimmt kein Blatt vor dem Mund und bekräftigt, dass vieles was über seine Band in der Presse steht, zwar richtig sei, einiges aber völlig falsch. Es folgt: Eine Richtigstellung in eigener Sache.

Der größte Irrtum sei die Familiengeschichte, führt James gleich zu Beginn des Gesprächs an:

„Musik begleite mich und meine Geschwister, seitdem wir denken können. Jedoch nicht, weil unsere Eltern besonders an der musikalischen Sozialisation ihrer Kinder interessiert gewesen sind, wir wollten es so. Ginge es nach meinem Vater, wäre ich jetzt Zimmermann wie er!“

Womit wir das geklärt hätten und vor eine Reihe weiterer Fragen stehen – zum Beispiel, warum die Band in den letzten drei Jahren drei Platten veröffentlicht hat, wo die Musikindustrie doch mehr an sinkenden Al-bumverkäufen krankt, als an schlechten Bands? Ein Achselzucken dient als Antwort, denn James kann sich die Produktivität seiner Combo nur so erklären, dass es eben ihr Job sei, Songs aufzunehmen.

„Da lernst du als erstes, dass nichts selbstverständlich ist. Die Leute sind meist in Eile und huschen an dir vorbei – wenn du sie drankriegen willst, musst du tolle Songs spielen! Diese Erkenntnis bestimmt heute jedes neue Album von uns und deswegen würden wir keine Platte vorschnell auf den Markt bringen, sondern sind uns gewiss, das die Qualität stimmen muss.“

Was beim neuen, offiziell dritten Album „Yonder Is The Clock“ fraglos der Fall ist: Entgegen dem letztjährigen, selbstbetitelten Longplayer vermischen die Felice Brothers weit mehr Instrumente und machen selbst vor einer ausgefeilten Produktion keinen Halt. Die „Kings Of Leon des Folks“ scheinen reifer geworden und ihre Musik auf eine höhere Ebene zu hieven.

Das überrascht zum einen und andererseits scheint der Grund hierfür die gemeinsame Tour mit den Bright Eyes zu sein.

James: „Wenn du die auf der Bühne siehst und mit den Anfangstagen vergleicht, merkst du, wie sehr diese Band am eigenen Sound gearbeitet hat. Niemand bei den Bright Eyes gab sich mit dem Mittelmaß zufrieden, sondern ging Risiken ein und das faszinierend mich!“

So einige Wagnisse haben zwar auch die Felice Brothers in ihrer bis dato jungen Karriere schon hinter sich, gingen aber zuletzt auf Nummer sicher.

„Unser letztes Album nahmen wir Zuhause auf, weil der Mut fehlte, es an einem anderen Platz zu versuchen. Das Gefühl ‚daheim’ zu sein, gab uns Sicherheit.“

Diese wurde nun zu Gunsten New York Citys aufgegeben und womit weder James, noch seine Kollegen rechneten: „Yonder Is The Clock“ mutet so ursprünglich wie keines der Alben zuvor an.

„Der Titel wurde durch Mark Twain bestimmt und in all den Songs geht es um Liebe, Verrat, Tod oder Baseball – das sind Dinge, die nicht nur typisch für Großstädter sind, sondern jeden Menschen betreffen.“

Ein amerikanisches Songbook, das durch einen famosen Sound beeindruckt und mit vielen Weisheiten daherkommt. Es ist, als wären die Felice Brothers älter als sie eigentlich sind – genau da kommen die Eltern wieder ins Spiel:

„Mein Mutter hat nie studiert, aber sie war einfühlsam und sehr gebildet. Dank ihr haben wir viel über uns und unsere Mitmenschen gelernt.“

Wenn James davon erzählt, besitzt seine Stimme etwas Tröstliches. Die Felice Brothers wissen genau, dass Erfolg von äußerst kurzer Dauer sein kann und dass ihnen vielleicht bald wieder die Straße als musikalische Heimat dient. Doch damit scheinen die Jungs kein Problem zu haben!

„So oder so, wir würden unser Geld weiterhin mit der Musik verdienen. Natürlich ist es derzeit leichter, weil wir am Anfang des Tages wissen, was abends in der Kasse ist!“

Diese Aussage passt hervorragend ins Gesamtbild einer Band, aus der wir wohl in zwanzig Jahren noch nicht schlau werden. Yonder Is The Clock? Indeed!

Aktuelles Album: Yonder Is The Clock (Team Love / Indigo)
© 01. Juni 2009  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
Juni 2009

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