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Slapshot - Crosscheck mit Herz

Der Mann ist ohne Zweifel Legende, und das allein durch mächtige Brüllerei. Choke, der charismatische Slapshot-Frontmann, verkörpert die Bostoner Hardcore-Szene wie kein zweiter, hat Bandmitglieder gehen und dann auch wieder kommen sehen, und ist auch sonst ein angenehmer Zeitgenosse, der so einen Phoner auch mal für ein kurzes Pläuschchen mit Kind und Hund unterbricht. Was soll man auch tun, wenn der gern besungene Spirit of 81 zwar noch im Herzen steckt, der Nachwuchs aber mit den ganz eigenen Problemen von 2003 zu kämpfen hat.

Die Zeit bleibt eben nicht stehen, und während auf Album und Bühne noch vieles an vergangene Tage erinnert, erkennt auch Choke, dass für ihn andere Dinge in den Vordergrund rücken.

„In dem Song ,Spirit of 81´geht es nicht, wie man denken könnte, darum, diese Zeit, in der ich mit Negative FX startete, zu lobpreisen. Vielmehr macht es mich wütend, wie die Kids von heute diese Zeit hochleben lassen und dabei vergessen, dass sie jetzt leben. Das ist auch der Grund, warum ich ,Stupid Fuckin Kids´ geschrieben habe. Verdammt, ihr habt Euer eigenes Ding, macht was draus.“

Auch sonst steht diese Echtheit, die den meisten heutigen Bands fehlt, im Mittelpunkt der Lyrics von Slapshot anno 2003.

„Ich muss sagen, dass ich von dem heutigen Hardcore-Kram so gut wie nichts höre. Ohne arrogant klingen zu wollen, ist es einfach nicht mehr dasselbe. Die Kids wachsen heute in einer völlig anderen Umgebung auf, haben ihre Autos, Computer, Handys und MP3-Player. Die wissen doch gar nicht, worauf sie ihre Wut richten sollten und ihre Texte besitzen somit für mich keine Glaubwürdigkeit. Sie reden viel über Dinge, setzen aber so gut wie nichts in die Tat um. Im Hardcore ging es immer um Wut und Veränderung, das Ganze war eine Bewegung. Heute beschränkt es sich mehr und mehr auf die Musik.“
Trotzdem wird bei Choke und seinen Jungs musikalisch immer noch in gewohnten Gewässern gefischt und das ist auch das, was Slapshot am besten können. Mit ihrer Interpretation von Minor Threat´s ,Straight Edge´ wird das einmal mehr unterstrichen. Doch auch hier lässt der Titel nicht darauf schließen, dass man alten Zeiten nachhängt.
„In erster Linie haben wir den Song aufgenommen, weil wir gebeten wurden, einen Beitrag für ein Minor Threat Tribute aufzunehmen. Da erschien uns ,Straight Edge´ am geeignetsten. Mit der heutigen Straight-Edge-Haltung hat das aber wenig zu tun und es ging uns nicht darum, das, was wir vor 20 Jahren damit bewegen wollten, auf heute zu übertragen. Wir spielen in erster Linie für uns, Musik ist immer noch ein Ventil. Auch wenn ich selbst ganz andere Stile wie Drum´n´Bass höre, hilft mir unser eigener Sound, Dinge zu verarbeiten. Ich glaube nicht, dass das bei den heutigen Hardcore Bands genau so ist.“
Doch möchte Choke, nicht missverstanden werden, wenn er so sehr über die heutige Generation wettert. Für ihn ist das ganze ein Aufruf, genau wie er seinen beiden Töchtern etwas auf den Weg geben möchte.
„Der einzige Einfluss, den ich auf sie ausüben will, ist, dass sie sich selbst treu bleiben sollen. Ich möchte nicht, dass sie auf das hören, was im Fernsehen erzählt wird oder was ihnen andere sagen. Sie sollen auf ihr Herz hören, einfach in den Spiegel schauen und erkennen, wer sie sind und wo sie hin wollen.“
Schön zu sehen, dass in den vermeintlich ganz harten Kerls so viel Herz steckt und so schließe auch ich mit den wohlwollenden Worten: Passen Sie gut auf sich auf!
Aktuelles Album: Digital Warfare (I Scream)
Weitere Infos: www.oldtimehardcore.com
© 01. November 2003  WESTZEIT ||| Text: Sven Trappen
November 2003

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