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HELL - München – New York – Berlin

Wenn man gerade Musikfernsehen schaut und das seltene Glück hat, eine Reihe erträglicher bis interessanter Videos sehen zu können, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Clip zu „Keep On Waiting“ von Hell dabei ist. Vor allem, weil dort neben den ganzen Versace-Top-Models ein Mann zu sehen ist, den man in einem solchen Kontext wirklich nicht erwarten würde: P. Diddy, the artist formerly known as Puff Daddy. Was ist da passiert mit dem Mann, der seit seinem ersten Major-Album vor fünf Jahren mit dem Attest ‚das gute Gewissen des deutschen Techno’ rumläuft? Lebt der bekennende Bayer mittlerweile in der Welt, die sein Kollege Christian Kreuz in „Koks und Prada“ verhöhnt?
„Puff Daddy spielt in meinem Video mit, weil ich einer der Produzenten seines neuen Albums bin.“ Schluck. Das hat gesessen. Erst mal durchatmen. Hell, der Mann, der uns Fischerspooner, Dopplereffekt und die Rückkehr von Tuxedomoon schenkte, produziert den Hip Hop Mogul Sean ‚Puffy’ Combs?

"Als ich mein neues Album acht Monate lang in New York produzierte, suchte Puff Daddy Produzenten für sein neues Album. Es soll ein Dance-Album werden und als er ein paar Sachen aus „N.Y. Muscle“ hörte, war er sofort begeistert. Er wollte mir die Tracks abkaufen, aber ich bot ihm an, für sein Album neue Tracks zu machen. So entstand erst mal „Let’s Get Ill“ und im November bin ich wieder für ihn im Studio und produziere weiter. Wie viele meiner Stücke es dann auch wirklich auf sein Album schaffen, ist allerdings noch nicht klar.“

Gab es denn gar keine Schwierigkeiten, sich als Produzent auf einen Hip Hop Artist einzulassen? Zumal Hells eigene Produktionen immer sehr technoid rüberkommen.

„Die Zusammenarbeit mit Puff Daddy ist für mich eine große Bereicherung. Hauptsächlich, weil momentan die innovativsten Sachen in der Welt der elektronischen Musik aus dem R’n’B und Hip Hop kommen. Ich denke da vor allem an die Neptunes und Missy Elliot, die mit ihrem Sound wirklich ganz weit vorne sind. Und als Businessman muss ich natürlich sagen, wenn ich Puff Daddy produzieren kann, dann kann ich auch andere Künstler in dieser Größenordnung produzieren. Da denke ich schon in größeren Zusammenhängen.“
Kollaborationen in der Größenordnung hätte es für sein neues Album „N.Y. Muscle“ auch fast gegeben.
„Ich habe für die Vocals fast alle bekommen, die ich dabei haben wollte. Alan Vega von Suicide, Tommie Sunshine, Erlend Oye oder Billy Ray Martin. Was bisher leider nicht geklappt hat, ist die Zusammenarbeit mit David Bowie. Der Mann ist halt schwer beschäftigt und dementsprechend schwierig zu kontaktieren. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass das noch funktionieren kann.“
Ein weiteres Indiz dafür, dass Hell seinen Blick immer nur nach vorn richtet. Mit „N.Y. Muscle“ ist seine Auseinandersetzung mit der Disco/Punk/New Wave Ära des New York der späten 70er bis frühen 80er abgeschlossen, so wie „Munich Machine“ vor fünf Jahren das Ende seiner Beschäftigung mit Giorgio Moroder und Munich Disco darstellte. Die Metropole, die am ehesten im Titel seines nächsten Albums verewigt werden könnte, kennen wir nun auch alle: Berlin.
Aktuelles Album: „N.Y. Muscle“ (Gigolo/EFA/Motor/Universal)
Weitere Infos: www.dj-hell.de
© 01. Januar 2004  WESTZEIT ||| Text: Dennis Behle
Januar 2004

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