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THE AUTUMN DEFENSE - Herbstliche Harmonie

John Stirratt und Pat Sansone sind zwei Musiker, die sich über Arbeit wahrlich nicht beklagen können. Der eine schwamm als Bassist von Wilco (und zuvor Uncle Tupelo) in den letzten Jahren auf der Erfolgswelle, was endlose Tourneen mit sich brachte, der andere war mit Soloprojekten ebenso beschäftigt wie als Sessionmusiker für Josh Rouse oder Joseph Arthur. Nun veröffentlichen die zwei mit einigen Mitstreitern „Circles“, ihr zweites Album als The Autumn Defense.
Dort gibt es sonnendurchflutete Popsongs mit schönen Harmonien und viel klassischem 70s-Singer/Songwriter-Flair. Zwischen „Pet Sounds“, Gordon Lightfoot und den entspannteren Momenten von Big Star hat die Band aus Chicago ihre Nische gefunden. Dabei erfinden sie zwei Jahre nach ihrem nur auf Johns eigenem Label veröffentlichten Erstling „Green Hour“ keine neuen Genres, machen aber trotzdem fast alles richtig. Probleme, zwischen den verschiedenen Projekten umzuschalten, sind John Stirratt, der mit Wilco auch unlängst am letzten Album von Scott McCaugheys The Minus 5, „Down With Wilco“, beteiligt war, fremd, wie er bei unserem Gespräch zu Protokoll gibt: „Ich liebe nicht nur die Musik, sondern ich schätze auch all die Leute sehr, mit denen ich zusammenarbeite. Es geht mehr um die Menschen - dass man mit ihnen gut zusammen Musik machen kann oder mit ihnen beim Musikhören auf der gleichen Wellenlänge ist. Und jemand wie Scott zählt ohne Zweifel dazu. Und Pat natürlich auch. Wir hängen viel zusammen ab und hören Musik. Das ist alles sehr organisch.“
Auch wenn Stirratt, dem wichtig ist zu unterstreichen, dass The Autumn Defense eine richtige Band und nicht nur sein Soloprojekt sind, mit Wilco ohne Frage zu den Trendsettern und keinesfalls zu den Trittbrettfahrern gehört – für The Autumn Defense sind in der Tat alte Platten eine wichtige Inspirationsquelle. „Die Musik anderer inspiriert uns heute sogar vielleicht noch mehr als früher. Es gab eine ganze Reihe von Platten, die es uns allen angetan hatten. Die Idee vom Cover stammt zum Beispiel in Teilen von David Crosbys Soloplatte ‚If Only I Could Remember My Name’. Das Album hat ohne Frage etwas von einer Hommage an den düsteren, aber gleichzeitig sanften Sound der Platten der späten 60er und frühen 70er. Unser Ziel war es, mit der Technik des Jahres 2003 diesen Sound einzufangen.“ Und dieses Vorhaben wurde von John und Pat zielstrebig verfolgt. „Wir haben auf 16 Spuren und mit 2-Inch-Tape aufgenommen, weil wir eine düstere Klangfarbe haben wollten, obwohl viele Texte natürlich recht leichte Kost und ziemlich ‚easy going’ sind. Wir haben auch genau die richtigen Musiker gefunden, die etwas mit unseren Arrangements anfangen konnten. Wir hatten von Beginn an eine sehr genaue Vorstellung, wie die Platte klingen sollte.“
Trotzdem wehrt John ab, als wir abschließend von ihm wissen wollen, ob er sich auch mit dem typischen Musikerproblem herumplage, alles, was er hört, sofort zu analysieren und zu überprüfen, ob sich Elemente davon wohl auf die eigenen Songs anwenden ließen. „Nein, in solchen Kategorien denke ich rein gar nicht“, sagt er entschieden. „Bei mir ist es eher die Makro-Betrachtungsweise. Ich sage vielleicht: ‚Der Song an sich ist nicht toll, aber das Album ist klasse“, und natürlich musst du dir ab und zu über dein Equipment Gedanken machen. Aber ich denke, ich habe da einen guten Mittelweg gefunden. Bei mir wird das jedenfalls nicht zu einer fixen Idee.“
Weitere Infos: www.theautumndefense.com
© 01. Januar 2004  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Cooking Vinyl
Januar 2004

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