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STARFIGHTER - Posende Sternenkämpfer

Ein Starfighter – und das ist ja heutzutage schon erklärungsbedürftig – war in den 60er und 70er Jahren ein US Kampfflugzeug, daß aufgrund eines im Nachhinein bekannt gewordenen Korruptionsskandals im ganzen westlichen Verteidigungsbündnis vorzufinden war und das dafür bekannt war, öfter defekt vom Himmel zu fallen als sauber zu landen. Starfighter ist aber auch die Band von Tim Brown aus Ghent in Belgien – einer "netten kleinen Stadt mit viel Musik", wie er meint, aus der u.a. Soulwax, Das Pop und auch dEUS stammen.

Und obwohl Tim den Namen des Projektes ursprünglich tatsächlich von jenem Silbervogel der Firma Lockheed ableitete (er wuchs neben einer Militärbasis auf), hat es für ihn zusätzlich auch eine andere Bedeutung: "´Starfighter´ steht bei uns auch für ein dickes ´Scheiß auf das Rock-Star Gehabe´", meint Tim bestimmt. Dazu muß man wissen, daß es zu Tim´s Konzept gehört, zu provozieren, wo nur möglich: Mittels seiner Musik, seiner Texte, seines Artworks, und seiner Art von Humor ... "Och, ich lache gerne über Frank Zappa oder Ringo Starr. Leute, die sich ernst nehmen sind generell ziemlich lustig", sagt er auf die Frage, was ihn denn ticken lässt. Musikalisch kann man Starfighter indes ziemlich ernst nehmen. Auf dem ersten Band-Album nach einem Solo-Versuch Browns gibt es saftigen Gitarrenpop mit dicken Riffs, coolen Hooks und griffigen Melodien - angereichert mit einer gehörigen Prise Weirdness und auch jeder Menge künstlerischer Integrität. "Wir verwursteln alles, was wir selber gerne hören", erklärt Tim die Starfighter-Philosophie – versinkt dabei nicht gerade vor Demut: "Nur sind wir cooler und smarter. Ich denke, es geht uns um die Balance zwischen dem Low-Fi-Sound – zum Beispiel verwenden wir Aschenbecher oder Casios – und Hi-Fi Aufnahmetechnik auf der anderen Seite. Es soll alles warm und charmant klingen. Darauf zielten wir ab." Dazu muß man wissen, daß Tim, der heutzutage das Trio mit fester Hand lenkt, zunächst als Heimfrickler anfing. Welchen Zweck aber haben die verfremdeten Stimmen auf den meisten Tracks? "Ich bin nun mal zunächst ein Gitarren-Poser und kein guter Sänger", räumt Tim ein, "das ist aber O.K., weil mir diese ganzen Falsetto-Geeks mit ihren nachgemachten Emotionen eh auf den Keks gehen. Bob Dylan aber, das ist ein Sänger ..." Endlich mal jemand, der das erkannt hat! Das Album trägt den bezeichnenden Namen "Make A Sex Noise" – auch das ist wieder Provokation. "Die Leute aufzurütteln bedeutet mir viel", meint er hierzu lakonisch. Wie z.B. in "Groovin´ On E" – einer Art Ode an Extasy oder was? "All you need is Love", erwidert Tim kryptisch, "... und ab und an irgendeine Art von Bewußtseinserweiterung, um Deinen Kopf ein wenig durchzuschütteln. Ich mache aber keine Werbung dafür. Es geht in dem Song eher um den Himmel in der Hölle." Nimmt Tim Brown denn auch etwas wirklich ernst? "Durchaus", bestätigt er, "es ist mir wichtig, daß ich einigen Leuten etwas bedeute." Wichtig ist den Fans vor allen Dingen, daß Starfighter eine große Live Band sind. In den vergangenen Jahren spielten sie z.B. auf großen Festivals, waren mit Ash auf Tour und spielten sogar die Aftershow für The Strokes. Da kann man nicht meckern. Eine Tour in Deutschland soll es dann geben, wenn "Die richtigen Leute mit dem richtigen Geld" anrufen. Davon soll sich niemand abhalten lassen.
Weitere Infos: www.starfighter.be
© 01. Januar 2004  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Januar 2004

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