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THE TWILIGHT SINGERS - Rabenschwarz

Dass Greg Dulli, der charismatische frühere Frontman der Afghan Whigs, seit langem den dunklen Seiten des Lebens zugewandt ist, dürfte kein Geheimnis sein. „Blackberry Belle“, das zweite Album der Twilight Singers, ist vor allem deshalb eine so düstere Platte geworden, weil im Januar 2002 Dullis bester Freund und „großer Bruder“, der Hollywood-Regisseur Ted Demme, völlig unerwartet im Alter von 37 Jahren an Herzversagen verstarb. Dass die neue Platte zwar rabenschwarz ist, aber dennoch wesentlich rockiger daherkommt als das Twilight-Singers-Debüt, dürfte darüber hinaus vor allem daran liegen, dass Dulli dieses Mal wusste, er würde nicht zu den vor zwei Jahren aufgelösten Whigs zurückkehren können, um seine wilde Seite auszuleben, wohingegen das erste Soloalbum „Twilight“ aus dem Jahre 2000 noch als Sideproject neben seiner alten Band lief.

„Absolut richtig!“, bestätigt Dulli beim Gespräch mit der WESTZEIT. „Die Whigs waren meine Rock N Roll-Band. Mit der ersten Twilight-Platte habe ich versucht, eine andere Seite meiner ‚musical personality’ zu entdecken. Aber ich liebe es zu rocken, und die erste Fassung des neuen Albums war noch wesentlich rockiger. Als jedoch mein Freund starb, hat sich alles verändert. Die Platte handelt jetzt in erster Linie von ihm!“ Das neue Werk, für das Dulli - wie schon bei seinem Solo-Erstling - zwei Anläufe brauchte, ist auch wesentlich bodenständiger als das für seine Verhältnisse ungewohnt elektronisch geratene, an dieser Stelle Olymp-gekrönte „Twilight“. Wie kommt’s? „Ich hatte damals einfach viel Spaß daran, mir elektronische Musik anzuhören, und das ist auch heute noch so. Letztendlich bin ich aber doch aus einem anderen Holz geschnitzt. Als ich vor all den Jahren angefangen habe, Musik zu machen, gab es nur einen Weg, sie zu spielen: Alles musste organisch sind. Als ich mit der zweiten Fassung dieser Platte anfing, war mir klar, dass sie allein von ihrer Thematik her sehr viel menschlicher würde sein müssen, als das mit Elektronik machbar wäre.“
Verließ Dulli sich bei seinem ersten Soloalbum noch vor allem auf die Frickel-Künste des britischen Producer-Duos Fila Brazillia, griff er für „Blackberry Belle“ auf die Talente von gut zwei Dutzend Musikern zurück. Und obwohl er nach eigener Aussage heilfroh ist, sich als Solokünstler nicht mehr dem demokratischen Prozess unterwerfen zu müssen, der bei den Afghan Whigs vieles gebremst hat, ließ er auch dieses Mal seinen Musikern viele Freiräume. „Ich habe eine Faustregel, die für alle Musiker gilt, mit denen ich je zusammengearbeitet habe. Sie lautet: ‚Ich höre mir zunächst deine Idee an. Und wenn sie Scheiße ist, machen wir’s, wie ich es mir vorstelle!’“ Im Januar kommen die Twilight Singers übrigens erstmals für Konzerte nach Europa, wo ihr Chef immer noch am liebsten spielt: „Das europäische Publikum – und das ist etwas, das wir schon sehr früh gemerkt haben – ist viel gebildeter und empfänglicher für unsere Art der Musik. Deshalb macht es mehr Spaß, in Europa zu spielen, weil du das Gefühl hast, unter Gleichgesinnten zu sein!“ Doch es gibt noch eine wichtigere Erkenntnis, die Dulli bei seinen vielen Tourneen in der alten Welt gewonnen hat und die er uns abschließend schallend lachend offenbart: „Drogen über die Grenze schmuggeln zu wollen, ist keine gute Idee!!!“
Weitere Infos: www.thetwilightsingers.com
© 01. Januar 2004  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Label
Januar 2004

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