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THE TWILIGHT SINGERS - Covermania

Zu sagen, in den ersten Jahren nach dem Split seiner alten Band The Afghan Whigs hätte Greg Dulli die Seele baumeln lassen, wäre falsch. Dennoch förderten die ersten vier Jahre lediglich das erste, sehr studio-basierte Album seines neuen Projekts The Twilight Singers, „Twilight“, und eine Handvoll Konzerte jenseits des Teiches zu Tage. Seit der Veröffentlichung von „Blackberry Belle“ vor rund einem Jahr ist Dulli jedoch wieder zur alten Routine zurückgekehrt. In Italien steht er derzeit der Band Afterlife als Produzent und Musiker zur Seite, daheim in Amerika bereitet er das dritte reguläre Twilight-Singers-Werk vor, auch ein Duett-Album mit Mark Lanegan unter dem Namen The Gutter Twins ist bereits in Arbeit, und diesen Monat erscheint überdies „She Loves You“, das erste Twilight-Singers-Album mit Coverversionen, dem zwei weitere folgen sollen.

Ohne seine Leistungen als Songwriter schmälern zu wollen - es ist nicht zuletzt die eklektische Auswahl an Coverversionen, die Dullis Schaffen seit langem so interessant macht. Dennoch sieht der Amerikaner bei unserem Gespräch in der Hamburger Meanie Bar „She Loves You“ nicht als etwas, das früher oder später einfach passieren musste. „Ehrlich gesagt hat es mich ein bisschen überrascht, dass diese Platte entstand. Ich hatte ja schon mit den Afghan Whigs eine Covers-EP gemacht, aber ‚Uptown Avondale’ war damals in erster Linie eine Probe für das ‚Gentlemen’-Album, weil wir die laute Musik überwinden wollten und Covers uns als der beste Weg erschienen zu experimentieren. Letztes Jahr hatten die Twilight Singers dann ‚Black Is The Color Of My True Love’s Hair’ aufgenommen, und ‚Summertime’ entstand in Sizilien im Anschluss an die Europa-Tournee im Frühjahr. Nach dieser Konzertreise sagte ich mir: ‚Fuck it, du hast so eine heiße Band zusammen, du musst die Platte jetzt sofort aufnehmen’ - und wir spielten alles in nur elf Tagen ein! Trotzdem sind mir die Overdubs sehr wichtig gewesen. Die Platte hat den gewissen Live-Charakter, aber gleichzeitig klingt sie sehr ausgearbeitet. Ich wollte vermeiden, dass es eine reine Oldies-Veranstaltung wie ‚Uptown Avondale’ würde. Deshalb sollte ein Song aus jeder Dekade, angefangen in den 40ern, drauf sein, was ja jetzt auch der Fall ist. Außerdem sollten es zunächst ausschließlich von Frauen geschriebene Nummern sein, letztendlich habe ich zusätzlich aber auch Songs benutzt, die zumindest von Frauen handeln. Das ganze Album kam auf sehr natürliche Art und Weise zustande.“
Das erklärt auch, wie sich so unterschiedliche Songs wie Björks „Hyperballad“, Martina Topley-Birds „Too Tough To Die“ oder Hope Sandovals „Feeling Of Gaze“ auf wunderbar organische Weise mit dem Jazz-Standard „A Love Supreme“ oder einem spartanischen Blues von Skip James vertragen. Über letzteres Stück sagt Dulli: „‚Hard Time Killing Floor’ entstand ganz zum Schluss, um fünf Uhr morgens, ganz alleine mit Mark. Wir haben das Stück sechs Jahre lang immer wieder nur für uns gespielt, und jetzt passte es endlich. Die Reihenfolge der Lieder auf meinen Platten ist mir sehr wichtig, und in der Mitte fehlte einfach ein wenig Verzweiflung, die dieser Song perfekt einfängt.“
Trotz der Unendlichkeit der Möglichkeiten, die sich bei einer Cover-Platte bieten, bereitete „She Loves You“ Dulli weniger Mühe als seine regulären Alben. „Eine Cover-Platte zu machen, fällt mir wesentlich leichter, und das, obwohl ich die Stücke natürlich so verändert habe, dass sie letzten Endes wie meine eigenen klingen“, glaubt er und fügt abschließend hinzu: „Du musst dir die Songs war noch aneignen, ihnen Respekt zollen und sie dennoch wie deine eigenen klingen lassen, aber das Schöne ist: Der wirklich schwierige Teil der Arbeit ist dir bereits abgenommen worden!“
Weitere Infos: www.summerskiss.com
© 01. Oktober 2004  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
Oktober 2004

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