interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
EMBRACE - Celebrate Youth

Fast, so schien es, waren die Brüder McNamara mit ihrer typisch englischen Lieblingsbeschäftigung – die beste Band der Welt sein zu wollen – am schieren Erwartungsdruck zerbrochen. Denn nach der mit einigen netten Hymnen versehenen Debüt-CD „The Good Will Out“ kam nichts Rechtes nach. Die nachfolgenden Tonträger schienen sich lediglich alle in der Bestandserhaltung zu üben. Ohne es zu wollen beschreibt Richard McNamara diesen Zustand anläßlich einer Wortspielerei mit dem Wort „Backlash“ als „Middle-Lashes“. Zeit also, mal die Ärmel hochzukrempeln und was anderes zu versuchen.
Zum Beispiel zu jenem Label zu wechseln, auf dem sich auch Travis in guten Händen wissen und mit Youth einen Produzenten zu suchen, der genaue Vorstellungen von einem zeitgemäßen Soundgefüge hat. Das neue Werk, daß auch ein Stück des alten Kumpels Chris Martin enthält, heißt „Out Of Nothing“ – beschreibt das auch die Art, in der die Scheibe entstand? „Der Titel des Songs ´Out Of Nothing´ paßte ganz gut, da er aus einer Jam Session heraus entstand“, erklärt Richard, „Youth dirigierte uns dahin, indem er uns anregte, gewisse Teile verschiedener Songs zusammenzumorphen. Das erwies sich dann auch als guter Titel für die Scheibe.“ „Nach dem letzten Virgin Album fühlten wir, daß es notwendig war, ein ganzes Album vom Nullpunkt aus anzugehen“, fügt Drummer Mike Heaton hinzu, „wir nahmen uns im Gegensatz zum letzten Album auch mehr Zeit – was der Grund ist, daß wir 2,5 Jahre dafür benötigten. Aber jetzt haben wir das Gefühl, daß das das Album ist, das wir immer schon machen wollten.“ Woran, wie gesagt, Youth einen großen Anteil hat. „Wir hatten eine sehr starke Vision davon, wie es sein sollte“, beschreibt Richard den Prozeß, „wir haben das in Sitzungen und Meetings ausformuliert. Als wir Youth trafen, wahr er sehr begeistert und meinte, das seien die besten Songs, die wir je geschrieben haben. Diese Begeisterung schlug sich auch in den Session nieder. Wir arbeiten normalerweise sehr langsam und fragen uns immer ob dieses oder jenes besser sein könnte. Youth arbeitet aber sehr schnell, indem er Dich leitet und Dir auf die Finger klopft, wenn etwas nicht richtig ist.“ „Wir haben die Basic-Tracks live aufgenommen und nur drei oder vier Versionen eingespielt“ fügt Mike hinzu, „Youth sagte nämlich, daß man ansonsten seine Richtung verliert.“ „Wir haben ansonsten immer mindestens 30 Takes von jedem Stück aufgenommen“, erinnert sich Bassist Steve Firth, „und dann versucht den Refrain von Version 23 mit der Strophe von 29 zusammenzubringen.“ Das heißt also: Youth war quasi die Glucke, die die Küken von Embrace zusammengehalten hat. „Wir haben unseren Mann gefunden“, freut sich Richard, „und wir werden definitiv wieder mit ihm zusammenarbeiten. Wir brauchten jemanden, der uns in den Hintern tritt.“ Trotz allem klingt das neue Werk keineswegs nach einer dahingeschluderten Garagen-Scheibe sondern immer noch Embrace-mäßig opulent und überschwänglich. Woran – wer hätte es geahnt – Youth einen gewissen Anteil hat. „Wir wollten eigentlich bloß wie eine 5-köpfige Rockband klingen“, räumt Richard ein, „aber Youth fragte uns, warum wir die großartigen Möglichkeiten, die eine CD-Aufnahme mit sich bringt, außer Acht lassen wollten. Und so haben wir Stücke mit Streichern und Gospel-Chören versehen. Und als wir es hörten, waren wir davon überzeugt.“ Youth hat damit richtig erkannt, daß eine Embrace-Scheibe mit den orchestralen Hymnen fällt, die Danny McNamara´s Gesangsstil so entgegen kommen. Insofern ist „Out Of Nothing“ tatsächlich am Ende dann doch ein typisches Embrace Album geworden.
© 01. Oktober 2004  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Oktober 2004

Links

suche