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THE FAINT - Freiheitstänzer

Eine Band zu kategorisieren ist oftmals mit dem berühmten „Eulen nach Athen tragen“ gleichzusetzen. Sie aber im gleichen Zuge einfach so hinzunehmen und im besten Fall auch noch zu verstehen - das geht nun wirklich nicht!? Schrauben wir unsere Ansprüche zurück und lassen den Hauptbestandteil der Aussagekraft in den Vordergrund treten. Die Musik von The Faint ist polarisierend, tanzbar und im besten Sinne unberechenbar. So auch „Wet From Birth“, ein Husarenritt auf allen noch so abgesurften Retro-, Electropunk- und Disco-Wellen dieses Planeten.

Dem Namen nach zu urteilen, könnte man das neue Album durchaus als Rückbesinnung zu den Wurzeln deuten. „Das geht schon in Ordnung.“, gibt Mastermind Todd Baechle zu. „Als wir dieses Album geschrieben haben, hatten wir keine bestimmte Vorstellung, was wir denn auf dieser nächsten Platte machen wollten, im Kopf, gleich so, wie bei den Anfängen der Band. Ich persönlich halte es für einen Neuanfang, das ist aber nicht der Grund für die Betitelung, sondern eher Zufall. Der Titel stammt vom letzten Song des Albums, „Birth“, den wir als ersten geschrieben haben.“ Die Verwirrung ist perfekt und doch ist sonnenklar, was der etwas müde wirkende New Yorker da meint. Warum aber beginnen sie ihr Album nicht mit dem Ursprung, eben der Geburt? „Es fühlte sich nicht richtig an. Wir hatten keine Lust mehr auf den Rest des Albums, nachdem wir diesen Song gehört hatten, deshalb stellten wir ihn ans Ende. Die Urversion klang ganz anders und hätte einen guten Opener abgegeben, aber so musste er einfach nach hinten.“ Allgemein gesehen dauert es bei The Faint seine Zeit, bis die einzelnen Songs die Form erfahren, in denen sie konserviert werden. „Normalerweise probieren wir verschiedene Stile für jeden Song aus, wenn der Song an sich steht, aber noch nicht komplett ist. Manchmal müssen die Grundgedanken einfach stehen bleiben, oft ist es aber auch so, dass sie einfach nach Veränderungen schreien.“ Der natürliche Ansatz, den Dingen freien Lauf zu lassen, setzt sich auch in der Instrumentierung durch. Kaum eine andere Band schafft es, mechanische Rhythmen so menschlich klingen zu lassen. „Ich glaube, wir sehen die offensichtlichen Disco-Beats nicht als solche an. Wir kommen aus der Rock-Ecke und der Output darf nicht zu kalt klingen, sonst könnten wir uns damit nicht mehr identifizieren. Im Hinterkopf steckt immer der Gedanke, wie das denn live klingen kann, weil wir gerne performen.“ Entgegen aller Regellosigkeit gibt es aber auch hier do‘s und don‘ts. „Allerdings nicht viele. Wir achten darauf, dass sich die Frequenzen nicht eliminieren und etwa ein Basslauf nicht gegen eine tiefe Keyboardlinie ankämpfen muss. Es sollte immer so schlagkräftig wie möglich sein.“ So kommen auch Gitarren nicht zu kurz. Bei „Drop Kick The Punks“ klingt die Band, als würde sie dem Punkrock kräftig eins aus der elektronischen Schnapsflasche eingiessen wollen. „Eigentlich sind auf dem ganzen Album eine Menge Gitarren vertreten, bei diesem Song kommen sie aber besser raus, weil der Keyboardeinsatz geringer ist. Ich wollte für die Nummer ein wenig B52‘s-Attitude einbringen, weil ihr das gut stehen würde.“ Dagegen klingt eine Nummer wie „Erection“ wie eine pure Hommage an Depeche Mode. „Sie haben auch diesen dunklen Unterton in den Gitarren gehabt, ja, der Vergleich geht in Ordnung. Mich persönlich erinnert der Song allerdings mehr an Spoon oder Jimi Tenor.“ Die Vielfalt von The Faint ist erdrückend und positiv zugleich. Dennoch hat Todd auch ein paar Kritikpunkte. „Unser Gesang ist nicht der beste. Dafür tanzen die Leute aber auch oftmals schlecht auf unseren Konzerten.“ Ob da ein Zusammenhang besteht?

Aktuelles Album: Wet From Birth (Saddle Creek Europe/Indigo)
© 01. Oktober 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Oktober 2004

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