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THERAPY? - I never said I‘m sorry.

Vielerorts wird man beim Auftreten des Namens Therapy? ein erstauntes „Die gibt‘s immer noch?“ verlauten hören. Seit fast 15 Jahren lässt sich die Band nicht unterkriegen und veröffentlicht in schöner Regelmäßigkeit Platten, die mal mehr und mal weniger erfolgreich sind. Das alles scheint die wieder zum Trio geschrumpfte Truppe nicht weiter zu stören, vielmehr ist ihre konstantes Dasein wohl eher ein Zeichen dafür, dass es keinen Sinn hat, alls das aufzugeben, was man eben gerne macht.

So ist auch Album Nummer 11 ein guter Schuss vor den Bug der Leute, die meinen Therapy? zu kennen. Wir erinnern uns, Anfang/Mitte der 90er, Grunge und Crossover waren groß und plötzlich brachte eine britische Band namens Therapy? Alternative-Singlehits mit großem Pop-Appeal am Fließband raus. „Selbst damals wusste kaum jemand etwas von unseren Anfängen, die doch schon sehr Rhythmus- und Rifflastig waren.“, berichtet ein gutgelaunter Andy Cairns, Sänger und Gitarrist der Iren. „Neil‘s Schlagzeugspiel ist sehr wild, und die Gitarren sind sehr intensiv. Wir haben knapp zwei Wochen gebraucht, um das Album aufzunehmen, haben die Overdubs auf ein Minimum zurückgeschraubt, stattdessen die Gitarren aber durch drei Verstärker gleichzeitig laufen lassen, um eine gewisse Fülle zu erreichen. Alles sollte ziemlich schnell gehen, und es hat gut funktioniert.“ Dafür hat das Werk textlich etwas mehr Zeit in Anspruch genommen. „Ich schreibe ziemlich spontan und realisiere meist erst hinterher, was ich denn da wirklich verfasst habe.“ Aus welcher Situation ist denn eine Zeile wie „If you live like a fucker you‘ll die like a motherfucker“ entstanden? „Das ist an alle gerichtet, die ich nicht mag. So viele Leute leben ihr Leben mit hohem Tempo und interessieren sich nicht dafür, wen sie dabei auf ihrem Weg überrollen. Damit meine ich nicht das Business an sich, sondern die Menschen allgemein. Ich habe schon vor langer Zeit gelernt, mich über solche Leute nicht zu viel aufzuregen, weil ich glaube, dass sie schlussendlich bekommen, was sie verdienen. Und womöglich gewinnen solche Leute, wenn ich mich über sie ärgere.“ Und Ärger hatte die Band in der Vergangenheit zur Genüge, bevor sie sich selbst wieder als starke Truppe empfanden. „Unglücklicherweise hatten wir eine Phase in den 90ern, als wir ziemlich populär waren, und im nächsten Moment war das schon wieder alles vorbei. Auf dem Festland war das nicht so wild wie hier auf der Insel, aber man kennt ja die britische Presse zur Genüge. Naja, so Sachen passieren halt, man fängt an, dich zu ignorieren und tritt dir gegenüber härter auf. Wir sind aber nie arrogant geworden, wodurch sich viele Leute ermutigt fühlten, uns alles mögliche an den Kopf werfen zu können. So verlangte gar ein Journalist unseren Split, weil er unser letztes Album nicht mochte. So lange man uns respekvoll begegnet, bleiben auch wir respektvoll. Der Rock‘n‘Roll ist leider sehr unternehmerisch geworden.“ Trotz all dieser Veränderungen waren Therapy? immer konstant da, nicht immer an der Oberfläche, aber doch spürbar dabei. „Nachdem wir irgendwann nicht mehr so viele Platten verkauft haben, wurden wir von vielen Leuten als Versager eingestuft. Aber es nicht so, als würden wir diese Band am Leben erhalten, weil wir nichts Besseres zu tun haben, wir bleiben immer noch aus dem selben Grund am Ball: wir lieben es, Rockmusik zu machen.“ Und dafür brauchen sie sich nicht zu entschuldigen, und müssen das auch niemals mehr erklären.

Aktuelles Album: Never Apologize, Never Explain (Spitfire/Eagle)
© 01. Oktober 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Oktober 2004

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