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AMPLIFIER - Der Song ist der Boss

Eine Newcomerband mit dem Attribut „psychedelic“ zu belegen ist vielleicht kein ganz glücklicher Einstieg. Im Falle des Trios Amplifier aus Manchester ist das lediglich recht, denn sie bringen diese Komponente in ihrem Sound eindrucksvoll und nicht zu überschwänglich unter und wissen sehr wohl damit umzugehen. Auch ist es nicht sonderlich schwer, sich in diesem Szenario zurechtzufinden, denn ein guter Song bleibt halt erkennbar, egal wie er gekleidet ist.

Sänger und Gitarrist Sel Balamir wirkt ein wenig aufgeregt, ist er doch zum ersten Mal in Deutschland und sieht doch nichts vom Land und seinen Leuten. Doch sein Job ist in diesen Tagen ein anderer. Das Stichwort „psychedelic“ scheint ihm nicht ganz geheuer.

„Ich glaube, dass wir nicht bewusst eine Psychedelic-Band sein wollen. Wir mögen Musik die sich bewegt und schwingt, das ist alles. Sicherlich gehen einige Eigenschaften unserer Musik in diese Richtung, aber eigentlich ist das nur eine Audrucksform.“ Erstaunlich dabei ist, dass diese klangliche Tiefe von einem Trio bewerkstelligt wird, obwohl es sich zeitweise schon eher nach einem Gitarren-Orchester anhört. „Es gibt ein paar einfache Gründe, warum wir nur zu dritt sind. Einer ist, dass wir in unserem Van vorne zu dritt sitzen können, was in den Anfangstagen oftmals sehr hilfreich war. Dann ist dieses Dreieck eine sehr starke, gleichgewichtete Form: Jeder Teil der Band ist in gleichem Maße wichtig. Das ist auch ein Grund, warum wir live so weit und groß klingen - weil niemand dem anderen die Frequenzen zumatscht.“ Ist der Sound auf dem Album vergleichbar zur Live-Situation? „Ich denke nicht, wer hat schon zu Hause eine fette P.A. stehen... Die Platte war quasi unser Versuch, festzuhalten, wie voll es sich anhört, wenn wir live spielen. Und wir sind dem glücklicherweise ziemlich nahe gekommen.“ Nicht die schwierigste Aufgabe für einen Produzenten, der die Band genau kennt, dies zu meistern, teilt sich Sel doch die Credits mit Steve Lyon. „Ich habe schon früher unsere eigene Musik produziert und auch andere Bands wie etwa Oceansize, aber niemals eine Platte für ein Label gemacht. Ich habe mit Steve schon vorher zusammengearbeitet. Er ist der bessere Techniker und wir haben uns gut ergänzt.“ Fast schon phänomenal ist die Tatsache, dass Songs, die über 6 oder 7 Minuten lang sind, garnicht so lang, sondern recht griffig erscheinen. „Das ist gut, wenn man es so wahrnimmt. Denn das heisst, dass sie interessant sind und bleiben. Viele unserer Songs entstehen aus Jam-Sessions und Improvisationen, die wir dann nur noch in Form bringen müssen. Meistens ist es für uns offensichtlich, wo etwas und was geändert werden muss. Der Song ist immer genau so lang, wie es ihm sein Dasein vorschreibt.“ Eine schöne Philosophie, deren Einhaltung sich rechnet. Das trotz gemäßigten Tempos und sinniger Strukturen kompakte Erscheinungsbild weiss durchgehend zu überzeugen. So wie die Band auch auf ihren bisherigen Gigs, leider bislang nur auf der Insel. „Für eine Band wie Therapy? oder die Sisters Of Mercy zu eröffnen ist schon hart, aber es bildet den Charakter. Solche Bands haben eine ziemliche Hardcore-Fanbase. Wenn du es schaffst, dass die Leute dir zuhören, obwohl sie dich überhaupt nicht hören und sehen wollen, wirst du als Band stärker, das gehört zu deiner Entwicklung dazu. Wenn es dir zu leicht in den Schoß fällst, lernst du nicht viel.“ Bis es zu solchen Möglichkeiten überhaupt erst kam, mussten Sel, Matt und Neil knapp 5 Jahre warten, obwohl sie in dieser Zeit nicht untätig waren. Bis man sich einen wenn auch nur kleinen Namen in der Szene macht, ist halt oft ein langer Weg. „Ich habe es nie als Arbeit im konventionellen Sinne angesehen, aber es ist mein Job, ob ich ihn nun mag oder nicht. Wir tun halt etwas, das unseren Fähigkeiten entspricht. Wenn die Apokalypse kommt und wir kein Nutzen für die Gesellschaft der Zukunft darstellen, wird man sehen, was für Spezialisten wir sind. Wir tun das nicht aus kommerziellen Gründen, dafür leben wir schon viel zu lange auf Pump. Wenn du Geld verdienen und komortabel leben möchtest gibt es sicherlich bessere Wege, dies zu erreichen. Das Schöne an der Sache ist, dass ich mit meinen Freunden Neil und Matt nun schon seit einigen Jahren nichts anderes als Musik mache und zumindest uns das schrecklich gut tut.“

Aktuelles Album: Amplifier (Music For Nations/Rough Trade)
Weitere Infos: www.amplifiertheband.com
© 04. Mai 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Mai 2004

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