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MASTERS OF REALITY - Dem Mittelalter entsprechend....

Für viele Fans seriöser Rockmusik ist Chris Goss der Godfather der heutigen Rockkultur. Er war es schließlich, der Kyuss, den Urvätern des Stonerrocks, zum perfekten Sound für den tonnenschweren Wüsten-Groove verhalf, nach dem viele Bands zur Zeit vergeblich suchen. Auch als Produzent war er für den Sound der Queens Of The Stone Age, Stone Temple Pilots, 80´s Matchbox B-line Disaster u.a. maßgeblich beteiligt. Aber dies ist nur zum Teil wahr. Die Masters Of Reality haben seit 20 Jahren weltweit so viele prominente Fans, dass sogar eine Rocklegende wie Ginger Baker (Cream) für MOR zu den Drumsticks greift.

Nach einigen missglückten Versuchen bekamen wir Chris Goss endlich ans Telefon, einen Mann, der eine sehr leise und rauchige Stimme hat, aber auch den hartnäckigen Husten eines Kettenrauchers. Promotion-Termine sind sicher nicht die angenehmen Seiten des Business und auch für Chris Goss sind es schwierige Zeiten. „Eine Promo-Tour wie diese, die länger als 2 Wochen dauert, ist auszehrend. Von morgens bis abends nur Fragen beantworten, das ist auf eine gewisse Art sehr selbstkontrollierend. Außerdem leide ich unter chronischer Schlaflosigkeit. Zu einer bestimmten Zeit wird alles sehr surrealistisch. So konnte ich diese Nacht wieder nicht schlafen und habe mich bei Nacht und Nebel vor dem Kölner Dom auf eine Mauer gesetzt. Es war eine rabenschwarze Nacht und mucksmäuschenstill. Auf dem Platz vorm Dom wimmelte es vor Ratten. Es war wie im dunklen Mittelalter zur Zeit der Pest.“ Kürzlich erschien „Give Us Barrabas“, eine Anthologie von akustischen Balladen und ruhigen, psychedelischen Songs. Es ist nicht allein der Titel, bei dem sich die Nackenhaare sträuben. In Zeiten, wo ein ehemaliger Mad Max versucht die Welt zu bekehren, ist der Titel zumindest auffällig. Leider bekomme ich zu der Bibel-Referenz keine Antwort. Aber warum ein akustisches Album? „Ich bin immer ein großer Fan von akustischer Musik gewesen. Ich habe das Gitarrespielen auf einer alten Westerngitarre gelernt. Am liebsten würde ich in jeder Show eine akustisches Intermezzo einbauen. Als eine Art „eye of the storm“. Wenn ich nachts wieder mal nicht einschlafen kann, sitze ich in der Joshua-Wüste, wo ich wohne und spiele Gitarre. Das ist für mich eine Art spiritueller Inspiration.“ Einer unserer gemiensamen Helden, Dick Dale, der King of Surf Guitar, erzählte übrigens dasselbe. „Er ist praktisch mein Nachbar und hat dort eine große Ranch in der Wüste, wohin er wie ich vor dem Stadtleben geflüchtet ist. Früher konnte der Strand oder das Meer auch inspirierend sein, aber durch Wolkenkratzer und große Luxushotels ist es dort viel zu voll geworden. Die Spiritualität ist verschwunden, in der Wüste dagegen ist sie noch unverfälscht da, das Gefühl, eins mit der Natur zu sein. Das ist es auch, was die Desert Sessions auszeichnet. Ständig wechselnde Musiker, die fernab der Zivilisation mitten in der Wüste in einem Studio jammen, ohne trendy Restaurants oder Bars in der Nähe. Man muss selbst kochen und ist gezwungen, mit jedem musikalisch oder verbal zu kommunizieren.“ In Kürze ist das Projekt Desert Session, in dem Chris zusammen mit Josh Homme von QOTSA die treibende Kraft ist, auch live zu bewundern. Und zwar auf dem Coachella-Festival, ebenfalls mitten in der Wüste. „Entgegen der Meinung vieler Leute arbeiten wir dann mit einer Set-List. Es wird sicher kein klassischer Stonerrock-Jam. Es erfordert noch einige Vorbereitung, um so viele verschiedene Musiker zusammen spielen zu lassen. Ich warte noch ab, wer dann schließlich zu den Proben eingeladen wird. Auf jeden Fall Josh und ich, Troy van Leeuwen, die Musiker von Earthlings und vielleicht Mark Lanegan und PJ Harvey. Ich kann nur soviel verraten: es wird ein besonderes Konzert werden.“ Darauf scheint Coachella abonniert zu sein. So fand hier letztes Jahr die Premiere der Stooges-Reunion statt. Einer, der mit Ginger Baker zusammengespielt hat, muss doch auch Ron Asheton von den Stooges auf seiner Wunschliste haben? „Ron ist einer meiner größten Helden. Ich hab sie voriges Jahr live gesehen und es war fantastisch. Iggy und die Asheton Brüder sind das beste Beispiel, dass Neil Young unrecht hat: „It is not better to burn out than to fade away.“ Man muss einfach den Motor aufheulen lassen und Ron und Scott Asheton sind ein ratternder V8 Motor. Die beiden zusammen sind der ultimative Rockgroove. Da kommt selbst Kyuss nicht mit. Ehrlich gesagt traue ich mich gar nicht, sie zu fragen...“ Es scheint keine schlechte Idee zu sein, da es scheint, dass Chris für jedes MOR-Album eine neue Traumband zusammenstellt. „Wenn man vier oder fünf verschiedene Leute in einen Raum setzt, die alle eine Intrument spielen, hat man schnell eine Band. Manchmal hat man sogar eine gute Band. Ich habe das Glück, dass es mir jedes Mal wieder gelingt, eine gute Band zusammenzustellen. Der einzige konstante Faktor bin ich. Und ob ich mit Josh und Nick oder mit Ginger Baker und Scott Weiland zusammenarbeite, es klingt immer nach Masters Of Reality. Einige Songs von „Give Us Barabbas“ habe ich alleine eingespielt. Sie klingen vielleicht genauso, aber für mich haben sie ein anderes Feeling...“
Weitere Infos: www.mastersofreality.com
© 01. Mai 2004  WESTZEIT ||| Text: Arny Raedts
Mai 2004

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