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STELLA - Bessere Zeiten klingt gut

Der Titel des neuen Stella-Albums ist Statement und Utopie zugleich. "Better Days Sounds Great". Das wußte schon Kristof Schreuf, der die gleichnamige Hymne vor fünfzehn Jahren mit seiner Band "Kolossale Jugend" in die Welt gebrüllt und damit viele Dinge ermöglicht hat, die heute selbstverständlich erscheinen.

Zeitgenössische Untergrundmusik hatte es seit Krautrock – von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht wirklich mehr gegeben. Zumindest keine, die in einem Spannungsverhältnis zu einer sozialen Wirklichkeit mit Rezession, Sozialabbau oder dem Glaubwürdigkeitsverlust linker Gesellschaftsutopien gestanden hätte – und damit quasi als politisch zu bezeichnen wäre. Doch spätestens seit "Heile heile boches", jenem legendären Debütalbum von Kolossale Jugend, konnte man wieder Musik aus dem eigenen, alternativen Lebenszusammenhang heraus machen und diese sogar bei einem Indie-Label veröffentlichen. Was dann kam ist Geschichte, aber für viele der heutigen Bands eine wichtige. Auch für Stella, deren erster Indie-Hit "OK, tomorrow I'll be perfect" hiess. Und tatsächlich scheint dieses morgen mit jeder Veröffentlichung näher zu rücken. "Better Days Sounds Great" kommt der Stella-Perfektion wieder ein Stück näher. Die Hamburg-Allstars Mense Reents, Thies Mynther, Hendrik Weber und Elena Lange gehen ungemein geschmeidig mit New Wave, Elektro, Soul, Rock, Disco oder R&B um. Hier scheppert nichts mehr. Stattdessen ist der Sound kompakt und voller technischer Finessen. Nur noch selten textet Sängerin Elena uns mit Gender-Thematiken zu. Bessere Zeiten klingt gut, ist tanzbar und besitzt eine schillernde Portion Glamour.

Was sagt denn wohl Kristof Schreuf zum Titel eures neuen Albums?

Ja, das würde ich auch gerne wissen. Ich habe ihn noch nicht angerufen. Ich muß das ganz schnell mal tun. Ich weiß nur, dass er Stella gut findet und vielleicht fühlt er sich ja sogar ein wenig geehrt.

Gibt es denn in Hamburg aktuell noch ein musikalisches oder auch soziales Netzwerk, das man in den Anfangstagen deutschsprachiger Indie-Musik dort vorgefunden, zumindest hinein interpretiert hat? Neben eurem Beziehungsgeflecht zu Superpunk oder Egoexpress? Trifft man sich noch im Pudels?

Ja, klar. Du hast ja bereits zwei Namen genannt. DJ Koze, Erobique oder Tocotronic wären weitere. Aber eigentlich sind die Verbindungen rein musikalischer Natur. Ich finde das schade, weiß aber auch nicht, ob es früher tatsächlich dieses Netzwerk gegeben hat. Der "Golden Pudel Club" ist aber noch immer eine Anlaufstelle.

Wird da Fleetwood Mac gespielt oder wie entstand die Idee, "Dreams" vom legendären "Rumours"-Album zu covern?

Ich habe Stevie Nicks für mich entdeckt, musikalisch und auch als eine Art Role-Model. Mir hat dieses Stück sehr gut gefallen. Hinzu kommt, dass es auf zwei Akkorden basiert, eine elegante Melodie und einen zeitlosen Text hat. Ich habe es vorgeschlagen und wir haben als Band dann zum ersten Mal zusammen ein Album gehört. Ich finde "Dreams" ist weniger eine Cover-Version, als vielmehr eine Hommage an Fleetwood Mac und Stevie Nicks.

Neben diesem Song gibt es viele weitere, die eine deutlich entspanntere, weniger textlastige und hektische Seite von Stella präsentieren. Was hat sich getan?

Eigentlich gab es diese Seite schon immer. Wir haben live z.B. oftmals R&B Stücke gecovert. Es gibt diesen Hang zu elegischer Musik, ohne dabei weinerlich zu sein. Etliche Stücke auf der neuen Platte besitzen aber noch immer ziemlich viel Text. Doch wenn politische Themen auftauchen sind sie genereller als früher, weniger plakativ. Es geht nicht mehr darum, unbedingt einen Anti.Amerika-Song zu schreiben oder ähnliches.

Ging es denn darum, die Themen Schule, Lernen, Abschluß prominent herauszustellen? Wie ein roter Faden laufen diese durch die Songs "Never Going Back To School", "Woman With A Beard", "Work For Love".

Ja, das kann man schon so sagen. Ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass man die Schule jetzt auch schon ein paar Jahre hinter sich gelassen hat und diese Zeit besser reflektieren kann. Außerdem findet man sich auch nach der Schule immer wieder in ähnlichen Institutionen, z.B. einer Band. Auch hier gibt es Hierarchien, es gibt Personen, die gerade die coolsten Klamotten oder die beste Platte haben, es gibt Cliquenbildung. Oder wenn man auf Tour ist und dann noch andere Bands dabei sind, hat man manchmal schon das Gefühl, man geht auf einen Schulausflug.

Bald werden Stella wieder auf großen Schulausflug gehen und auch in eine Stadt in deiner Nähe kommen. Hingehen wäre angebracht. Meine ich.

Aktuelles Album: Better Days Sounds Great (L’Age D’Or/Rough Trade)
Weitere Infos: www.lado.de/stella
© 04. Mai 2004  WESTZEIT ||| Text: Marcus Kalbitzer
Mai 2004

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