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MONTA - Pop fürs Wohnzimmer

Veteranen des deutschen Musikbusiness wie Phillip Boa schätzen sich glücklich, mit ihm zusammenarbeiten zu können, aufstrebende Pop-Wunderkinder wie Roman Fischer nennen ihn ein großes Vorbild: Kein Frage, weitestgehend unbemerkt von der breiten Masse hat sich Tobias Kuhn in die Champions-League der hiesigen Musiklandschaft vorgearbeitet. Abseits seiner Band, den Indierockern Miles, wagt Tobi nun unter dem Namen Monta den Alleingang. Letztes Jahr bereits hat er die feine EP "Always Altamont" vorgelegt, und auch das nun erscheinende Album "Where Circles Begin" - bei dem er immer noch der alleinige Chef ist, aber vermehrt auf die Hilfe von Freunden wie Naked Lunchs Herwig Zamernik oder Produzent Jem zurückgreift - ist voll von bestem Singer/Songwriter-Pop, bei dem der Inhalt wichtiger ist als die Form.
Klänge es nicht so abgegriffen, würden wir Monta wirklich als "Miles and more" bezeichnen. Trotz aller besetzungstechnischen und klanglichen Unterschiede steht nämlich fest: Auch das Monta-Debüt ist eine typische Tobi-Kuhn-Platte geworden. Das ist eine Aussage, die der inzwischen in München heimisch gewordene Musiker als Kompliment auffasst - obwohl auch ihm natürlich daran gelegen ist, der Sache bei Monta einen etwas anderen Anstrich als bei Miles zu geben. "Ich bin stolz darauf, eine eigene Stilistik in Sachen Songwriting und Produktion entwickelt zu haben", erklärt Tobi. "Mir geht es nicht darum, zwanghaft zu versuchen, die Monta-Platte nicht nach Miles klingt zu lassen. Ich bin mir bewusst, dass es sich um denselben Autor und Sänger handelt. Miles ist ein großer Teil von mir und wird es auch immer sein. Aber nach 14 Jahren in einer Band wollte ich einfach was Eigenes machen. Etwas, wo ich mich mit niemandem auseinander setzen muss. Ich denke, dass eine Band bzw. eine Zusammenarbeit in vielen Fällen äußerst kreativ sein kann, dass aber auch immer die ursprüngliche Idee verwässert wird, da Kompromisse eingegangen werden müssen."
Auf "Where Circles Begin" tummeln sich Akustikgitarren, Bläser, Rhodes und sogar ein Theremin - die Arrangements deuten in eine bestimmte musikalische Richtung. Zwar war ein Hang zum zeitlos klassischen Pop-Songwriting auch schon bei Tobis Miles-Songs auszumachen, doch woher genau stammt die Inspiration zu diesen klanglichen Experimenten? "Mittlerweile höre ich die meiste Zeit ruhigere Musik, da alles andere bald nervt. Mein Ziel war es deshalb, eine Platte aufzunehmen, die man daheim in einem durchhören kann, ohne lauter und leiser zu drehen. Außerdem habe ich letztes Jahr ziemlich viele Konzerte allein oder mit Michi am Klavier gespielt. Meistens funktionierte das ziemlich gut, und die Stimmung war oft magisch, da das Publikum viel intensiver zugehört hat als bei einem normalen Konzert. Das Publikum muss die Bereitschaft mitbringen, sich darauf einzulassen."
So ein Soloausflug hat natürlich nicht nur Vorteile. Die alleinige Entscheidungsgewalt bei der Entstehung zu haben, ist ohne Zweifel eine angenehme Pflicht, allerdings trägt man so auch die Verantwortung für etwaige Misserfolge auf den eigenen Schultern und kann sie nicht mit drei anderen Bandmitgliedern teilen. Der Engländer würde fragen: Ist Tobis Alleingang nun "blessing or curse"? "Ich bin ein getriebener Mensch - immer auf der Suche", antwortet Tobi. "Es gibt kein 'blessing or curse'. Das Leben besteht aus beidem. Klar berührt Kritik. Aber da kann man auch bei der Band nicht unterscheiden zwischen einem Viertel des Kuchens und der ganze Torte."
Weitere Infos: www.monta.org
© 01. Oktober 2004  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Rewika
Oktober 2004

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