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BILLY CORGAN - Abenteuer Zukunft

Billy Corgan hat einen weiten Weg zurückgelegt, persönlich wie musikalisch. Galt der 38-jährige charismatische Glatzkopf aus Chicago früher als schwierig und launisch, ist er nun äußerst ausgeglichen und umgänglich und beschreibt beim Treffen mit WESTZEIT in Köln sein Leben als „großes Abenteuer“. Eine Reise, die ihn vom verhassten Status als gottgleicher Rockstar bei den Smashing Pumpkins über die experimentierfreudigen Ausschweifungen bei Zwan zu seinem dieser Tage erscheinenden elektronischen Alleingang „The Future Embrace“ geführt hat.

Sein Erstling als Solist ist hörbar von Bands wie Depeche Mode, New Order oder auch The Cure geprägt. Der Frontman Letzterer taucht auf „The Future Embrace“ auch als Gast auf. Während Corgan mit vielen anderen Musikern lediglich freundschaftlichen Umgang pflegt, bezeichnet er Robert Smith als wahren Freund. Deshalb messen sich die zwei auch nicht nur musikalisch, sondern bisweilen auch sportlich. „Beim Tischtennis ist Robert unfassbar gut. Ich meine, ich bin schon gut, denn ich war als Kind ein richtiger Athlet, und ich habe zudem früher immer mit jemand Tischtennis gespielt, der die Sportart auf Turnierlevel ausgeübt hat. Robert hat mich trotzdem richtig abgezogen – und zwar mit den [gestylten] Haaren und dem Lippenstift! So gegen ihn zu verlieren, war schon eine Demütigung!“
Doch auch wenn er Ikonen wie Smith zu seinen Vertrauten zählt, ist es Corgan dennoch sehr wichtig, nicht ständig nur in seiner Musikerwelt zu leben. „Wenn du auf Tour nur im Hotel bleibst, Interviews gibst, dann zum Konzertsaal fährst und nachher mit Fans sprichst, glaubst du irgendwann wirklich, dass deine Platte – die sich womöglich nicht so gut verkauft – oder das, was irgendwer, irgendwo in der Presse über dich geschrieben hat, das Einzige ist, was zählt, dabei ist das natürlich völlig egal. Wenn du aber rausgehst – ich gehe gerne ins Kino oder schaue mir Kirchen wie hier in Köln den Dom an - wird dir schnell klar, dass sich die Menschen mehr Gedanken über Fußball machen oder Michael Schumachers problematische Formel-1-Saison!“
Deshalb kommt es für ihn auch unter keinen Umständen in Frage, Kompromisse zu machen und alte Songs in sein Solo-Live-Set einzubauen. „Was die Leute oft vergessen: Die alten Pumpkins-Songs zu spielen, macht mich traurig. Ich möchte bei meinen Konzerten nicht das Gefühl haben, den Tränen nah zu sein. Ich wünschte, ich wäre noch in der Band. Es war ja nicht meine Entscheidung, mit den Pumpkins aufzuhören. Abgesehen davon bin ich einfach nicht die Art von Mensch, die das sein will, was andere erwarten. Ich fände es ziemlich lahm, die alten Stücke nur zu spielen, weil sich damit mehr Tickets verkaufen lassen. Ich möchte nicht die Art von Show bieten, wo alle auf das Ende warten, weil ich dann ‚Today’ spiele, alle glücklich sind und noch ein T-Shirt am Ausgang kaufen. Wäre ich mein Fan, würde ich bei meinem Konzert vermutlich auch meine Pumpkins-Lieblingslieder hören wollen. Ich bin allerdings kein Popstar. Ich bin ein Rockstar im wahrsten Sinne des Wortes, und ich will tun, was zum Teufel auch immer ich tun will!“

Und diese Herangehensweise ist – anders als die musikalischen Neuerungen auf „The Future Embrace“ - keinesfalls Neuland für ihn, wie er lachend bestätigt: „Auf der Bühne Musik zu spielen, die die Leute nicht hören wollen, ist wirklich nichts Neues für mich. Das habe ich schon mein ganzes Leben lang gemacht!“
Weitere Infos: www.billycorgan.com
© 01. Juli 2005  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: WEA
Juli 2005

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