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TONY VISCONTI - Young & Gold & Silvery Old

Hinter den Kulissen, an den Reglern, leitete er die Geschicke u.a. von David Bowie, Phillip Boa und Marc Bolan. Momentan ist er mit der Neubearbeitung des T. Rex-Films am Start, hat eine Sängerin aus St. Louis produziert. Im Herbst kommt das neue Kashmir-Album, im nächsten Jahr sein persönlicher Bildband. Seine Biographie ist ein bißchen auch der Werdegang der Rockgeschichte: Tony Visconti!
In den 60er Jahren startete Visconti mit dem Hippie-Duo Tyrannosaurus Rex, aus dem später T. Rex entstand. Die Beatles hatten sich getrennt, so war nach der „Beatlemania“ nun „T.Rextasy“ angesagt. 1972, auf dem Zenit der T.Rex-Karriere, erschien der (Konzert-) Film „Born To Boogie“, der nun, digital überarbeitet und mit über 4 Stunden an Bonusmaterial angereichert, auf Doppel-DVD wieder erhältlich ist. Beatles-Drummer Ringo Starr war stark im Entstehungsprozess involviert. Ein Schnappschuss der im Film enthaltenen „Mad hatters tea party“ gelangte auf das Cover der T. Rex-LP „The Slider“. Visconti erklärt die liebenswürdigen Allüren von Marc Bolan. „Während Ringo filmte, schoß Marc Fotos. Dann bat er mich, ihn zu fotografieren, was ich als Fotograf sehr gerne tat. Wochen später sah ich die Kontakt-Abzüge. Marc meinte, die Bilder wären großartig, ich würde die Creditsbekommen. Allerdings sollte ich meine Initialen auf der Rückseite meiner Bilder vermerken, da Ringo ebenfalls fotografiert hatte. Später sah ich das Album-Cover. Die Credits hatte Ringo erhalten. Marc entschuldigte sich...aber ich bin mir sicher, er hat Ringo die Credits übertragen, weil es besser aussieht. Er verfuhr oft in dieser Art. Er glaubte an sich, arbeitete hart, hätte alles getan, um bekannt zu werden! Marc war sehr intelligent, aber seine geliebte Musik war recht simpel. Es kamen viele Blues-Riffs darin vor. Sein Original-Gesangs-Stil bestand darin, einen Blues-Sänger zu imitieren.“

Mit David Bowie gelangen Visconti ebenfalls große Erfolge. Der Westzeit erläutert der Producer den Unterschied zwischen den Ikonen. „T.Rex-Songs waren einfach strukturiert, die Leute konnten sich die Titel gut merken. Vielleicht hat Marc David sogar einige Türen geöffnet, als er, Marc, anfing, Make-Up und Frauenkleider zu tragen. Bowie suchte fortwährend eine große Bühne, um sich zu präsentieren. Nun hatte er die Inspiration, seine theatralische Ader richtig darzustellen. Der Unterschied? David ist intellektueller. Jedes seiner Alben mußte sich vom Vorgänger unterscheiden. Er inszenierte sich als Schauspieler in variierenden Rollen. Trug zu `Hunky Dory´ein Kleid. Mit `Ziggy Stardust´kam die Steigerung. Clever. Marc blieb Marc. `Electric Warrior´ war ein tolles Album, `The Slider´ebenfalls. Aber irgendwie ähnelten sie sich...“
Dann kamen die Achtziger Jahre. In Deutschland toppte Phillip Boa mit seinem Voodooclub die Spitzen der Indie-Charts. 1988 war Visconti am Boa-Album „Hair“ maßgeblich beteiligt. Visconti lacht verwundert: „Du kennst Phillip Boa? Er steht Bowie näher, ich würde Phillip definitiv als intellektuellen Rock-Artist bezeichnen! Er denkt konzeptionell an verschiedene Standpunkte, ist ein liebenswürdiger Mensch - fast wie ein großer Teddy-Bär!“
Die Neunziger waren subjektiv etwas ruhiger, doch im neuen Jahrtausend ist Tony Visconti überall präsent. „Ich arbeite gerade mit zwei Acts. Einer davon ist Kashmir aus Kopenhagen. Ich liebe diese Band! Sie ist auch eine von David Bowie´s Lieblingsbands. Im Juli werden wir den Mix zum neuen Album fertigstellen. Daneben arbeitete ich mit einer Sängerin aus St. Louis. Ihre Mutter ist Apache-Indianerin, der Vater ist Deutscher, kommt aus Hamburg. Sie heißt Christine Young. Gegen Jahresende werde ich wohl ein neues Bowie-Album produzieren. David spricht bereits darüber, es wäre toll, abermals mit ihm zu arbeiten.“ 2006 kommt ein Bildband heraus, der Visconti´s Arbeiten als Fotograf reflektiert. Was motiviert jemanden, der nahezu alles erreicht hat? „Wenn man die Chance erhält, altes Material neu zu überarbeiten, kann man endlich alte Fehler korrigieren. Wenn ich an neuen Songs arbeite, möchte ich ein Album machen, dass die Leute in 30 Jahren als klassisches Album bezeichnen! Leider gelingt das nicht immer...“
Aktuelle DVD: Born to Boogie - T.Rex (Sanctuary Records)
Weitere Infos: www.borntoboogie.net
© 01. Juli 2005  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
Juli 2005

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