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SIOEN - Einer Für Alle

Als Frederic Sioen im letzten Jahr Deutschland besuchte, um seine Musik den hiesigen Musikfreunden zu präsentieren, fand sich vielfach nur eine geringe Schar von Leuten ein, die zu jener Zeit nicht nur Geschmack bewiesen, sondern den jungen Mann möglicherweise zum letzten Mal in solch intimem Rahmen erlebt haben. Denn selbst wer nur mit einem Ohr hinhört, der wird spätestens nach Album Nummer Zwei das Songwriter-Genie in ihm erkannt haben. Die aktuelle Tour führt dann auch zu einer positiven Zwischenbilanz.

„Es läuft ziemlich gut. Zum ersten Mal hatten wir wirkliche Fans, zumal die Leute die Songs jetzt auch besser kennen. Trotzdem werden die Leute die neuen Stücke wohl lieber mögen, weil sie ein wenig schneller und gradliniger sind. Einige der Leute haben überraschenderweise sogar getanzt Es ist schön, vor so einem enthusiastischen Publikum zu spielen. Das motiviert uns, immer wieder zu kommen.“ Während sich qualitativ kaum Unterschiede ausmachen lassen, haben die neuen Stücke für den Kopf der Band ganz andere Merkmale, die sie besonders machen. „Die neue CD ist eine richtige Band-Platte geworden. Ich habe die Songs beim Schreiben mehr an der Gruppe orientiert, wir haben sie gemeinsam arrangiert, während „See You Naked“ noch eher ein Solo-Projekt mit geladenen Gästen war. Zwar schreibe ich die Songs auch weiterhin allein zu Hause, aber ich warte immer die Reaktionen und Vorschläge der Jungs ab.“
Also sollte man den Song „Who Stole My Band?“ und Zeilen wie “These guys just followed me around like dogs” doch nicht allzu Ernst nehmen? „Niemals. Ich wollte einen Song machen über einen selbstverliebten Rockstar, der mit knapp 50 die Welt gesehen hat und glaubt, seine Band wie Dreck behandeln zu können. Ganz sicher ist das nicht meine Art, Kollegen zu behandeln, es war ganz einfach lustig, sich diese Situation in einem Text vorzustellen. Der Titel hat aber auch eine Doppelbedeutung. Ich war lange auf der Suche nach Leuten, die mit meinen Songs und mir touren würden und bei denen musikalische und menschliche Eigenschaften zu meinen passen. Und Gott sei Dank habe ich sie gefunden.“ Ein guter Chef ist er also, trotzdem würde er sich wohl nie die Zügel aus der Hand nehmen lassen. Weit in die Zukunft blicken lässt das nicht.
„Sioen wird immer mit meinen Songs beginnen und ich kann noch nicht sagen, ob die nächste Platte vielleicht wieder ein Solo-Ding wird. Ich strebe sehr nach Unabhängigkeit als Künstler, und auch wenn ich gern mit der Band zusammen spiele, kommt es immer auf die Songs an. Sollte ich Lust auf eine Trompete bekommen, oder keine Gitarren mehr einsetzen, würde sich die Bandstruktur dementsprechend verändern.
Wenn man den Mann, der mit 16 begann, eigene Songs zu schreiben und sich auf die Solo-Schiene zu begeben, auf der Bühne erlebt, bekommt man den Eindruck, Musik sei eine Droge für ihn. Abstreiten kann und will er dies nicht. „Musik war immer um mich herum. Mein Vater ist Musiklehrer und ich habe seine Leidenschaft übernommen. Nun, da ich davon leben kann, wird es mehr und mehr zur Droge. Ich verbringe so viel Zeit damit, dass Musik zwangsläufig mein Leben geworden ist.“
Dieses Leben verarbeitet er gekonnt in seinen Texten, die trotzdem nicht einfach zu verstehen sind. „Ich mache mir keine Gedanken darüber, einen gewissen lyrischen Stil beizubehalten. Meine Texte passieren einfach und ergeben sich aus der Situation. Oft ist es meine zweite Persönlichkeit, zu der ich spreche. Manchmal eine Frau, und oft bestimmte andere Personen. Aber ich spreche es bewusst nicht aus, da der tiefere Sinn vor allem für mich von Bedeutung ist. Jeder Zuhörer darf sich dann dazu seine eigene Geschichte vorstellen.“ Und die werden auch wissen, wie die Geschichte dieses Mannes weitergeht. Ganz steil!
Weitere Infos: www.sioen.net
© 02. Juli 2005  WESTZEIT ||| Text: Sven Trappen
Juli 2005

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