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RÖYKSOPP - Eple und Pferdle

„Wir wollten einfach nur die Musik machen, die wir selbst gerne hören wollten. Wir haben in der Zeit im Studio nie daran gedacht, was das Album alles bewirken könnte.“ Aus dieser Einstellung entsteht oft die unglaublichste Musik, weil sei in einem von Erwartungen und Ansprüchen völlig freien Raum wächst. So geschehen am Anfang dieses Jahrtausends, als die beiden Norweger Torbjørn Brundtland und Svein Berge in ihrem Studio in Bergen saßen und so nebenbei einen zukünftigen Klassiker aus dem Ärmel schüttelten: ihr erstes Album „Melody A.M.“

Auf „Melody A.M.“ hatte die Welt gewartet. Trip Hop war mittlerweile in Downbeat umgetauft worden, um die gleiche Soße ein zweites Mal zu verkaufen und den Protagonisten gingen so langsam die originellen Ideen aus. Außerdem hatte der Durchmarsch von Drum and Bass eine große Sehnsucht nach Harmonie hinterlassen, für die sich niemand so richtig zuständig fühlte. Das änderte sich im Oktober 2001 schlagartig, denn die beiden Schulfreunde brachten die Unbekümmertheit zurück in die elektronische Unterhaltungsmusik. Vor allem der Track „Eple“ wurde mit seiner naiven Mitpfeifmelodie zum nachhaltigen Stimmungsstabilisator und machte Röyksopp quasi über Nacht zu Superhelden.
Doch gleichzeitig war auch die Unkultur der überflüssigen Compilations in ihrem Zenit und so fanden sich Röyksopp bald auf unzähligen Kopplungen als die norwegischen Downbeatfuzzis verbraten.
„Das hat uns schon in gewisser Weise gestört. Obwohl wir nicht glauben, dass sich die Leute, die unsere Musik wirklich mögen, auch für schlechte Compilations interessieren. Aber das ist etwas, was passiert, wenn der eigene Erfolg eine bestimmte Dimension erreicht hat. Bei unserem neuen Album versuchen wir, den Leuten, die bei EMI für die Vermarktung unserer Songs zuständig sind, noch besser zu erklären, was wir gut finden und was nicht. Denn wir können uns nicht selbst darum kümmern, dann wären wir nur noch als unsere eigenen Anwälte unterwegs und hätten gar keine Zeit mehr für Musik. Wir setzen also Vertrauen in die Menschen, mit denen wir arbeiten.“
Es hat sich nach „Melody A.M.“ also einiges geändert. Röyksopp waren live mit Moby, den Basement Jaxx oder Orbital unterwegs und ihre Remixkünste wollten die ganz Großen von Coldplay bis Felix Da Housecat in Anspruch nehmen.
„Für das neue Album haben wir uns eher Dinge vorgenommen, die wir nicht machen wollten. Wir wussten nicht, wie die neuen Stücke klingen sollten. Wir wussten aber, dass wir uns auf keinen Fall wiederholen wollten. Es wäre leicht gewesen, erneut nach dem erfolgreichen Rezept vorzugehen, aber wir wollten uns neu erfinden. Außerdem wollten wir nicht in so eine Studioroutine verfallen und ins Studio gehen, wie zur Arbeit. Es sollte immer alles von Freiheit bestimmt bleiben. Dazu haben wir uns auch äußerlich sehr verändert. Wir haben uns die Haare lang wachsen lassen und uns nicht mehr rasiert. Dadurch wurden wir auch innerlich immer mehr zu elektronischen Songwritern. Das war Teil eines siebenstufigen Programms, wie man zum Songwriter wird. Mittlerweile haben wir das aber wieder im Griff.“

Ob Röyksopp ihre Frisuren wieder frei kontrollieren können oder immer noch unter dem Diktat selbst auferlegter Liturgien stehen, kann den Musikfans allerdings ziemlich egal sein. Denn sowohl auf ihren Platten, als auch in ihren Videos kann man sich die beiden Jungs nicht anschauen. Was eigentlich schade ist.
„Wir glauben immer noch, dass die Musik viel wichtiger ist, als unser Aussehen. Wir wollen uns als Personen nicht mystifizieren, die Leute sollen sich lieber auf unsere Musik konzentrieren.“

Aktuelles Album: The Understanding (Wall Of Sound/EMI)
© 01. Juli 2005  WESTZEIT ||| Text: Dennis Behle
Juli 2005

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