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SURROGAT - Die einsamste Band der Welt

Köln, ein trister Dienstag Nachmittag, der Himmel scheint sehr traurig. Wir begeben uns auf den Weg zur Live Music Hall um das Berliner Alternativ-Hardrock-Trio Surrogat zu treffen, die dort abends für die Queens eröffnen werden. Backstage treffen wir die Band, die gerade eben mit der Nahrungsaufnahme abgeschlossen hat. Für das Interview wählen wir dem Geräuschpegel entsprechend einen anderen Raum, quasi den Backstageraum vom Backstageraum. Auf 9 Quadratmetern wurde alles anders.

Nachdem wir also zu fünft Platz genommen hatten, erzählt Patrick (Gitarrist und Sprachrohr der Band), wieviel Spaß er hatte, ein bandeigenes Fanzine für Promo-Zwecke zu erstellen: „Normalerweise gibt`s ja nur so langweilige Bandinfos. Da hab ich mir gedacht, ich mach mal lieber ein interessantes Fanzine. Dort tut sich eine ganz andere Welt auf. Das hat richtig Spaß gemacht!“ Das glauben wir gern, denn das detailverliebte, charmante, witzige s/w Heftchen eignet sich hervorragend zum Stöbern und schmunzeln. In Verbindung mit dem neuen Output „Hell in Hell“ stellt sich die Frage, ob der Erstellungsprozeß der CD ähnlich gute Laune hervorrief? „Das kann man wohl sagen. Wir haben uns viel Zeit gelassen und sind die Dinge viel lockerer als zuvor angegangen. Hermann, ein alter Kumpel und klasse Musiker hat bei den Aufnahmen gitarrentechnisch mitgewirkt. Auch live wird er uns unterstützen. Die Zusammenarbeit ist sehr produktiv. Jedoch auch noch in der Entwicklungsphase. Surrogat ist noch ein Trio.“ Doch auch die Quartett-Variante überzeugt live. Was hat sich denn musikalisch verändert? „Die neuen Songs besitzen eine positivere Stimmung, sind weniger verkopft. Die Aufnahmen entstanden in einer Art Rausch. Alles wurde live eingespielt, es sind viele first takes zu hören. Das ist sehr entscheidend für das Ergebnis. Eigentlich ist es Partymusik, aber kein Prollrock.“ Euer letztes Werk „Rock“ wurde mit Lob überschüttet. Warum die Änderung zum weniger vertrackten? „Das war nicht geplant, es ergab sich einfach so. Die Nachfrage war recht hoch, aber wir machen unser Ding und lassen uns nicht irritieren.“ Wie soll man den Titel „Hell in Hell“ verstehen? „Das kann man sehr vielschichtig interpretieren. Gemeint ist aber hauptsächlich, dass es in jeder Situation ein Stück Hölle geben kann und es darauf ankommt, wie man sich dem gegenüber positioniert. Ich sehe uns als einsamste Band der Welt. Egal mit wem du uns zusammen spielen läßt, wir sind immer falsch! Da wir immer falsch sind, sind wir aber auch immer richtig!“ Das ist doch mal eine gelungene Theorie. Was erwartet euch heute Abend als Vorband von den Queens Of The Stone Age? „Keine Ahnung. Wir haben uns natürlich über dieses Angebot gefreut, aber ehrlich gesagt fühlen wir uns halt wieder ein wenig fehl am Platz.“ Und deshalb richtig!? „Ja, auch. Wir müssen um 19.30 Uhr auf die Bühne, zudem stehen wir nicht auf den Plakaten. Viele Leute wissen einfach nicht bescheid, dass wir heute spielen. Trotzdem werden wir den Leuten selbstverständlich eine geile Rockshow bieten.“ Und genau so sollte es sein: Geile Show gespielt, aber völlig runtergemischt (man konnte sich in der ganzen Halle wunderbar unterhalten) und kaum wahrgenommen worden. Danach anstandslos von der Tour gedroppt, weil die Roadies wohl rebellierten... Kryptisch, kryptisch! Hoffentlich wird dem schnieken Videoclip, den die Band mit Underground-Hero René Weller drehte, mehr Beachtung geschenkt. „Von dem ist auch der Auspruch: "Ich bin immer oben. Und wenn ich unten bin, ist unten oben." Das hat er damals, bevor er für vier Jahre eingebunkert wurde, in einem Interview geäußert. Das haben wir für uns in dem Song „Hell in Hell“ übernommen.“ Und das passt. Wie Arsch auf Eimer. Wie Hell in Hell. Oder Dunkel in Dunkel.

Aktuelles Album: Hell In Hell (Motor/Universal)
Weitere Infos: www.surrogat.com
© 01. Februar 2003  WESTZEIT ||| Text: Marco Schardinel & Axel Nothen
Februar 2003

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