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Eyes Adrift - Bedeutung bedeutet nichts

Blöde Namen können täuschen. So verbirgt sich hinter den "wandernden Augen" ein Trio, daß es musikmäßig ziemlich dicke hinter den Ohren hat. Curt Kirkwood (Meat Puppets), Krist Novoselic (Nirvana) und Bud Gaugh (Sublime) sind angetreten, trotz des verpflichtenden Erbes ihren eigenen Weg zu gehen. Doch dieses Erbe wiegt natürlich schwer.

"Ich will nun nicht die Vergangenheit bloßstellen, weil wir alle unseren Beitrag geleistet haben, und manchmal ist es schwer es den Leuten verständlich zu machen, aber – heh – können wir mal nach vorne schauen?", meint Curt, "Wir lassen es am besten die Musik machen. Auf lange Sicht – so nach zwei, drei Platten - werden die Leute Eyes Adrift auch als Band wahrnehmen, da bin ich mir sicher." Der beste Weg, so scheint es, sich von den übermächtigen Vorgängern zu lösen, ist wohl der, unbeschwert ans Werk zu gehen, und zu versuchen, etwas Eigenes zu machen – wie z.B. mit dem viertelstündigen "Pasted". "Das Stück heißt deswegen so, weil es tatsächlich ´zusammengeklebt´ ist. Wir haben es auf Pro-Tools aus verschiedenen Sessions zusammengesetzt", erinnert sich Curt, "es war Krist´s Idee den Song so lang zu machen. Ich hatte damit kein Problem, weil Bud und ich Grateful Dead Fans waren. Am Ende versuchen wir also unseren Teil zur guten alten ´Improv´-Musik beizutragen, es laut zu machen und der Jugend eine Katharsis zu verkaufen, es miasmisch zu machen und eine Alternative zu der beruhigenden, delphischen Stimmung dieser Garcia Rip-Off Bands zu bieten." Ganz so schlimm wird es aber nicht: Die meisten Songs bewegen sich auf eher gewohntem Terrain, wobei alle am kreativen Prozeß beteiligt sind. (Krist Novoselic hat sogar das Singen angefangen). Inhaltlich geht es zuweilen indes recht abstrus zu. Was ist denn die Funktion der Texte? "Ich mag gut geschriebene Sachen. Ich denke, ich bin ganz gut. Mir fallen immer kleine Schlenker und Dreher, kleine Wortspielereien ein. Ich versuche jedenfalls, kreativ zu sein – und nicht zu erzählen, wer wen auf der Highschool mag oder nicht. Das ist alles super, aber ich versuche so zu schreiben, wie Van Gogh Möbel und andere banale Sachen wirklich aufregend gemacht hat. Die reine Kraft der Kommunikation ist eine brilliante Sache – z.B. daß Du überhaupt unterscheiden kannst, ob etwas Unsinn ist oder nicht. Da gibt es Lewis Carroll, William Shakespeare, Hank Williams ... ich versuche immer noch, mich dem anzunähern. Da ist so viel zu sagen in dieser beschissenen kaputten Welt. Und die Leute haben keine Zeit sich das anzuhören, sie wollen es nicht, sie haben Angst davor, sie sind zynisch, sie denken, daß ich ein Wicht bin, weil ich nicht laut genug singe. Ich versuche etwas zu machen – und Unterhaltung ist nicht das richtige Wort - etwas, daß auch so sein sollte – mit Akkordwechseln drin. Die Bedeutung bedeutet nichts. Es geht um den Sound oder die Syntax." Was nicht heißen soll, daß die Musik hinten ansteht: "Ich bin mit der elektrischen Gitarre aufgewachsen und mag das auch", sagt Curt, "wenn Du aber in einer Band wie Nirvana warst, dann kannst Du nicht einfach weiter Rock Musik spielen. Es funktioniert nicht, weil Nirvana zu kraftvoll waren und alles zerstören, was Du versuchst. Wenn wir also live spielen, ist es aber auch kein Art-Rock, was auf der Scheibe zuweilen so erscheinen mag, sondern wir zeigen euch schon den blanken Hintern!"

Aktuelles Album: Eyes Adrift (Cooking Vinyl / Indigo)
Weitere Infos: www.eyesadrift.com
© 01. Februar 2003  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Februar 2003

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