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TRAVIS - Ode an die Veränderung

„The Boy With No Name“ ist Geschichte. Den Titel des neuen Travis- Albums ziert ein Junge mit Namen J Smith. Dieser Bruch ist sinnbildlich für das ganze Album. Beide Werke verhalten sich zueinander wie Feuer und Wasser. Auf der einen Seite „The Boy With No Name“ mit softem, glatt produziertem Sound, auf der anderen Seite „Ode To J Smith“ mit rohen, schroffen Melodien, die in 14 Tagen live eingespielt wurden. So eine dramatische Veränderung ihres Sounds haben Travis seit ihrem Debüt nicht mehr vollzogen. Auch privat hat sich einiges geändert: Bassist Dougie Payne ist jetzt Vater. Zum Promotion- Termin in Berlin fiel ihm das frühe Aufstehen um 4 Uhr morgens nicht schwer. Schließlich ist der kleine Freddie erst ein paar Monate alt und schreit noch sehr gerne. Mit dem frisch gebackenen Papa und Drummer Neil Primrose habe ich über Veränderung gesprochen.

Wie kam es zu dieser starken Veränderung?

Dougie Payne: „Wir sind in den letzten Monaten tatsächlich eine andere Band geworden. Ein Grund war, dass wir das Album auf jeden Fall schnell aufnehmen wollte. Für „The Boy With No Name“ waren wir fast zweieinhalb Jahre im Studio. Das lag auch daran, dass Kelly (Anm. d. Red.: Kelly Macdonald ist Dougies Frau) und ich ein Baby erwarteten. Der 9. März war der D-Day und bis dahin sollte das Album fertig sein. Schließlich wollte ich sechs Monate frei nehmen. Also haben wir uns in einem kleinen Raum in West-London eingeschlossen und am neuen Album gearbeitet, zwei Wochen im Dezember und zwei Wochen im Januar und Ende Januar hatten wir elf neue Songs. Wir waren wirklich begeistert. Also sind wir dann ins Studio gegangen und die Aufnahmen haben nur vierzehn Tage gedauert. Wir haben das Album auf einem 16-Spur-Kassettenrekorder aufgenommen.

Was sind Eure Lieblingslieder auf dem neuen Album?

Dougie Payne: „Long Way Down“

Neil Primrose: „Last Words“

Kurz nach den Aufnahmen kam das Kind. Was für einen Einfluss hatte das auf die Produktion?

Dougie Payne: „Vater zu werden, ist eine Wahnsinnssache, ein wunderbare Erfahrung. Es ist wunderschön. Klar hast du schon Mal Nächte mit wenig Schlaf, aber das ist ok, weil Du so verliebt bist. Einfluss auf Travis hatte es wenig, denn die anderen sind ja schon alle Väter. Neil ist der erfahrenste...“

Neil Primrose: „Ich hab zwei Mädchen, eine ist sechs, die andere acht Jahre alt. Klar ist es manchmal hart, dass Du nicht da sein kannst, wo du gerne sein würdest, bei Deinen Kindern. Aber wenn Du offen zu Deinen Kindern und Deinem Partner bist, lässt sich das alles regeln. Wir machen das jetzt schon zwölf Jahre und das war immer Teil des Jobs. Manchmal wünsche ich mir eine Zeitmaschine. So könnte ich zwei Jahre touren und dann wieder zurückgehen, als wenn das nie passiert wäre.“

Dank neuester Software ist es heute möglich, mit einem Laptop qualitativ hochwertig aufzuzeichnen. Was haltet ihr davon?

Neil Primrose: „Garage-Band und diese ganzen Sachen sind toll. Sie sind super einfach zu bedienen und um ein Demo aufzunehmen, ist es ok. Aber die Aufnahmen werden nie diese Magie haben, die Du bei einem Tape-Rekorder hast. Wenn Du was in Händen hältst, ist das immer noch ein anderes Gefühl.“

Dougie Payne: „Wenn Du in einem Studio aufnimmst, hat der Sound auch eine ganz andere Tiefe. Das ist schon was anderes als mit einem Laptop im Schlafzimmer.“

2002 hattet ihr auch eine einschneidende Veränderung. Neil wäre fast in einem Hotelpool ertrunken, zog sich mehrere Brüche an der Wirbelsäule zu.

Neil Primrose: „Ach das war ein bisschen ungemütlich!“ (allgemeines Gelächter)

Dougie Payne: „Das ist ein richtiger Mann! Nach der Geschichte sagt er ungemütlich!“

Neil Primrose: „Das hat natürlich einiges verändert. Meine größte Sorge war, dass ich mich davon nicht erhole. Viele schaffen es nicht und bleiben ein Krüppel oder behindert. Hundertprozentig fit werde ich zwar nicht mehr, aber sonst bin ich ok.“

Denkst Du noch oft daran?

Neil Primrose: „Ich hab manchmal noch unheimliche Träume, Alpträume. Die werd’ ich nicht mehr los. Aber das schlimmste ist vorbei. Die ersten zwei, drei Jahre waren hart. Ich hatte psychische Probleme, wenn ich eine Tasche getragen habe. Es ist jetzt auch nicht, dass ich das unter den Teppich kehre, aber es ist jetzt so lange her, dass ich ein neues Kapitel beginnen will und damit abschließen möchte.“

Travis präsentieren ab Mitte Oktober das neue Album „Ode to J Smith“ live in Deutschland. Bisher ist erst ein Termin bestätigt: 10.10.2008, Berlin, Postbahnhof.

Aktuelles Album: The Boy with no Name (SonyBMG)
© 01. Oktober 2008  WESTZEIT ||| Text: Tobias Al Shomer ||| Foto: Nicolas Norden
Oktober 2008

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