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MARTIN AND JAMES - Wie guter Whiskey

Martin Kelly und James O’Neill ziehen seit einiger Zeit unter dem Kürzel Martin and James durch die Lande. Haben Gott und die Welt vorprogrammtechnisch unterstützt, etwa Razorlight, The Stereophonics, Simply Red, Amy Macdonald, Ellie Goulding, James Morrison, One Republic, Scouting For Girls, The Fray, Lissie, Ingrid Michaelson oder Milow.

„Wir haben wirklich großartige Bühnen bespielt und dabei so große Bands begleitet“, schaut James O’Neill respektvoll auf die Liste, „nie hätten wir geglaubt, dass wir solche Künstler jemals persönlich treffen würden. Es sind schon große Momente, wenn wir, gerade mal zwei Mann hoch, vor Tausenden auftreten.“

So haben sich die beiden Musiker loyale Fans in der Größe einer ganzen Armee erspielt. Zwischendurch haben sie sogar noch Zeit gefunden, nicht nur die beiden EPs „Bad Dream“ und „Wrong Directions“ fertig zu stellen, sondern auch noch eine ganze Platte. Das Debütalbum trägt den schlichten Titel „Martin and James.“



Kein Schottenrock – kein Schotten-Rock

Obwohl inzwischen ins hippe Berlin umgesiedelt und ohne Schottenrock unterwegs, sind die Wurzeln von Martin and James in Glasgow zu finden. Wenn in Rock- und Popzusammenhängen Glasgow als Herkunftsort genannt wird, dann geistert sofort The Glasgow School of Art durchs Hirn. Andrew Dunlop, Dougie Payne und Fran Healy von Travis zogen dort genauso ihre Kreise, wie Bob Hardy von Franz Ferdinand.

„Natürlich sind auch wir in den Dunstkreis dieser Hochschule eingetaucht“, lacht Martin Kelly, „allerdings nicht als Studenten, aber als trinkfeste Gäste an der Theke des schuleigenen Clubs. Später haben wir dort auch gespielt.“

Die Musik haben Martin and James schon recht früh im Blick gehabt. James’ Vater ist Jimme O' Neill. Er ist Gitarrist bei The Silencers und fördert seinen Sohn nach Kräften.

„Ein besseren Gesprächspartner in Sachen Musik habe ich bis heute nicht gefunden“, ist James O’Neill ganz stolz und zögert dann, „also, von Martin Kelly mal abgesehen. Die musikalische Beziehung zu meinem Vater führte sogar soweit, dass ich in seiner Band mitspielte. Als sich mein Vater mal die Hand verletzte, war Martin auch mit von Partie.“

Während The Silencers eher im Schotten-Rock à la Big Country oder Del Amitri verortet sind, trifft das für Martin and James gar nicht zu. Sie haben sich der großen Tradition der Singer-Songwriter verschrieben und verbinden grandiose Melodien mit den kleinen und großen Geschichten des Alltags. Ihre Lieder sind deshalb so zugänglich, weil nahezu jeder darin seinen höchstpersönlichen Anknüpfungspunkt findet. Menschliches, Allzumenschliches eben.



Große Ansprüche - Große Partner

Viele Künstler behaupten von sich, sie stünden in der Tradition von The Beatles. Nur wenige lösen diesen Anspruch ein. Martin and James tun es. Den klanglichen Spannungsbogen betreffend genau so, wie bei der textlichen Feinarbeit. Die Lieder von Martin and James strahlen eine weiche Harmonie aus. Wie allerbester Whiskey. Das bleibt nicht unbeobachtet und unbeachtet. Albert Hammond und Fran Healy freuen sich über die Zusammenarbeit mit Martin and James. Iain Archer von Snow Patrol ließ sich auch nicht lange bitten. Doch je mehr sich die Stücke von Martin and James ausdifferenzieren, umso deutlicher wird auch der Wunsch, das Duo-Dasein hinter sich zu lassen und als Frontleute mit einer ganzen Band im Rücken auch größere Bühnen zu okkupieren.

„Als Duo konnten wir sehr unkompliziert die vielfältigen Vorprogramm-Konzerte bestreiten“, bestätigt Martin Kelly, „doch unsere eigenen Headlinerkonzerte sollen für unsere Fans auch eine gewisse personelle Größe haben- sprich die volle Kraft einer Band.“

Den reduziert daherkommenden, klangvollen und melancholisch-einfühlsamen Hymnen wird so zusätzliche Stärke verliehen. Zum Schluss noch eine Anmerkung am Rande. Die Regie zum Video der soeben erschienenen Singleauskopplung „All Over The News“, das in der deutschen Hauptstadt gedreht wurde, übernahm Kim Frank, ehemals Sänger der jungmädchenbecircenden Truppe Echt.

Aktuelles Album: Martin and James (Vertigo / Universal)
© 01. April 2011  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
April 2011

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