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BUSTER SHUFFLE - Cockney, nice & clearly

England ist die Wiege allen Undergrounds, das weiß jedes Kind, und auch wenn sich sich die Hochburgen in Sachen Punkrock deutlich Richtung So’Cal und die des Punk’n’Rolls in nördlichere Gefilde, sprich Skandinavien verlagert haben, Ska kommt, von Jamaica mal abgesehen, aus England! Punkt – aus die Maus!

Der neue Stern am Ska-Firmament heißt Buster Shuffle und stammt aus der allerbritischsten Ecke Großbritanniens: dem Londoner Eastend – und das ist auch nicht zu überhören! Beim ersten Klang von Jethros unverkennbaren Cockney Slang muss ich sofort an Full English Breakfast, Donkey Jackets und meine allerersten, unsäglichen Bustouren nach London denken, damals in den Achtzigern, als die eiserne Drachenlady noch die Missgeschicke des Landes lenkte und die Briten in ein Elendsloch von Arbeitslosigkeit, miesem Gesundheitssystem und allgemeiner Verzweiflung schubste. Gleichzeitig war es auch immer noch das Land der blühenden Subkulturen, besten Shows und coolsten Klamotten: Gods blessed country für jeden Punkrocker, Teddyboy, Gothic oder was sonst noch an zwielichtigem Gesindel aus den Löchern kroch.

Jethro und seine Jungs machen keinen Hehl daraus, dass sie stolz auf ihre Herkunft sind, und so vergisst Jethro nicht zu betonen, dass ich ihn nur verstehen kann, weil er sich gerade sehr anstrengt „nice and clearly“ zu sprechen. Es kümmert ihn nicht im Geringsten, ob das unüberhörbare Lokalkolorit der Karriere der Band förderlich oder hinderlich sein wird. Love it or leave it!

„Bisher sind wir nicht genug außerhalb Englands rumgekommen, um beurteilen zu können, ob die Leute auf unseren Slang stehen oder nicht. Aber selbst wenn nicht, was sollen wir dann machen? Mit gefaktem American Accent über Frauen und Autos singen? Im Leben nicht! Diese ganze Surf/Skate Punk Szene dort drüben ist eh nicht mein Ding: Sich den ganzen Tag bei tollsten Wetter am Strand rumzutreiben kann doch nicht besonders inspirierend für Punkrocktexte sein - bei Scheißwetter irgendwo in einer miesen Ecke in England zu sitzen, das ist Inspiration pur!“

Was war euer bisher ungewöhnlichster oder ungemütlichster Gig?

„Im Rahmen unserer Deutschlandtour mit den Broilers wurden wir für einen kleinen Laden in der Düsseldorfer Altstadt gebucht und haben dort in einer Art Schaufenster gespielt. Das war schon komisch, vor allem weil die meisten Leute, die vorbeikamen natürlich mit Ska und so gar nichts zu tun hatten und sich über die Typen da hinter der Scheibe gewundert haben. Normalerweise treten wir ja vor Leuten auf, die extra wegen uns kommen oder zumindest in etwa wissen, was sie erwartet. Nach ein paar Minuten haben wir aber alles um uns herum vergessen und einfach unser Ding durchgezogen und selbst die Passanten sind drauf abgefahren.“

Gibt es einen Song in der Musikgeschichte, von dem du dir wünschst, du hättest ihn geschrieben?

„Die Antwort ist total einfach: ‘London Calling’ von The Clash, ein Hammersong und ein ewiger Klassiker!“

Wenn man Euch zum ersten Mal hört, fallen einem sofort die Specials oder Madness ein. Ihr klingt sehr puristisch, alte Schule eben. Nerven solche Assoziationen, weil sie ja nicht sehr einfallsreich sind oder fühlt ihr Euch geschmeichelt?

„Wir fühlen uns natürlich eher geschmeichelt. Klar, jede Ska-Band wird immer irgendwie nach Madness oder den Specials klingen, Du kannst, wenn Du dich zu einem bestimmten Genre hingezogen fühlst, einfach nicht völlig neu erfinden, aber wir mögen es tatsächlich simpel und traditionell, für irgendwelche artificial Loops und so einen Kram haben wir nicht viel übrig. Und es gibt echt Schlimmeres als mit seinen Helden verglichen zu werden!“

Aktuelles Album: Our Night Out (PeopleLikeYou / EMI)
© 01. April 2011  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
April 2011

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