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LUDWIG VAN - Wohin mit mir

Ludwig van? Ludwig van, ... da fehlt doch was? Kommt auf die Hörgewohnheiten an. Für das klassisch geschulte Ohr ist die Wortfolge sicherlich unvollständig. Das junge Rockohr hingegen vermisst da gar nichts und freut sich auf fein melodisierte Klänge des Vierers mit dem unwiderstehlich becircenden Gesang. Und was ist jetzt mit dem Namen? „Ganz einfach“, lacht Frontmann Jesper Jacobsen, „das Stichwort lautet ‚Clockwork Orange.’ Die Hauptfigur des Films, Alex, liebt klassische Musik, besonders aber Beethoven. Er nennt ihn nur ‚lovely lovely Ludwig Van’.“ Dass Ludwig van auch klassisch können, zeigen die wunderschön gefühlvollen Pianoperlen des Stückes „Interlude.“ Welches sich nirgendwo anders findet, als auf ihrem Debüt „Home is Where Your House Is.“

Zerrissen

Das ursprüngliche Zuhause von Ludwig van ist Flensburg. Das Quartett, bestehend aus Sänger und Gitarrist Jesper Jacobsen, Schlagzeuger Hinnerk Brunk, Keyboarder Lennart Dose und Basser Pascal Flor ist Teil der dortigen dänischen Minderheit. Einzig Jesper Jacobsen ist waschechter Däne. Nachdem sich alle Vier vom Sehen her bereits länger kennen, enden sie irgendwann an der gleichen Schule. Der hohe Norden wird den Jungs aber schnell zu eng. Zu klein. Zu perspektivlos. Befeuert von jugendlicher Aufbruchsstimmung irrt und wirrt die Combo durch die Gegend. Inzwischen leben sie quer verstreut über die Landkarte in Århus, Kopenhagen und Berlin. Das alles hindert Ludwig van aber keineswegs daran, jede Menge Einladungen in die Vorprogramme von Jennifer Rostock, Trashmonkeys oder OneFineDay anzunehmen. Ludwig van entwickeln in Windeseile genug Charisma um bei jedem Auftritt das Publikum zum Tanzen und ausgelassenen Feiern zu bewegen. 2009 heimsen sie dann mit stolz geschwellter Brust und strahlendem Lachen den John Lennon Talent Award ein.



Vereint

Doch je größer die Entfernung zwischen den flausigen Köpfen wird, desto kreativer werden diese.

„Das gute, inzwischen auch schon alte, Internet lässt die Verbindung nicht abreißen“, resümiert Jesper Jacobsen, „die schnelle Datenautobahn, auf der zwischen den Bandmitglieder die musikalischen Geistesblitze hin und her flitzen, kann den Proberaum zwar nicht endgültig ersetzen. Doch wenn wir uns dann dort treffen, sind die Lieder schon soweit vorgeglüht, dass der Entwicklungsprozess hin zum fertigen Stücken deutlich konzentrierter verläuft. Wer, bevor er sich mit den anderen Musikern zum Proben zusammenfindet, an den eigenen Ideen gearbeitet hat, der kann sich ausgiebig mit der eigenen musikalischen Idee beschäftigen. Durch immerwährendes Wiederanhören reift und wächst sie. So prallen in der gemeinsamen Arbeit nur die stärksten schöpferischen Impulse aufeinander. Das tut jedem stück unglaublich gut.“

Was dabei raus kommt sind Stücke, deren Töne eng an eng liegen und so kompakt zusammengefügt werden, dass die Lieder energetische Kraftpakete sind. Verortet sind die Ludwig van-Stücke eindeutig in britpoppigen Independent-Gefilden. Doch die sind groß genug, dass man es sich in einer Nische nicht nur bequem machen kann. Dort kann man sogar so richtig ausbreiten.



Weiter

Ludwig van bieten der räumlichen Zerrissenheit melodisch Paroli und rücken den Hörern mit einem Dutzend brachialer Ohrwürmer auf den Pelz. Die sind deshalb so wirksam, weil die Band so voll von musikalischer Leidenschaft ist. So spielfreudig und druckvoll, manchmal sogar aufbrausend zu Werke geht. Neben den kraft- und saftvollen lauten Rockklängen loten Ludwig van auch die sinnlichen Stimmungen aus. All das wird zudem noch mit einer Stimme verziert, die, wenn man sie einmal gehört hat, nie wieder aus Kopf kriegt. Wer, wie Ludwig van, das erste Kapitel des Buches ihrer Lebensgeschichte mit einem solch fulminanten Soundtrack versieht, der leckt nicht nur irgendwie am Zukunftslolly, der leckt am Riesenlutscher.

Aktuelles Album: Home Is Where Your House Is (Radio Transmission Music / RTD)
© 01. April 2011  WESTZEIT ||| Text: Franz. X.A. Zipperer
April 2011

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