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SERUM 114 - Immer schön laut bleiben

Die vier hessischen Punkrocker von Serum 114 hassen auch im achten Jahr ihres Bandbestehens nichts mehr, als den Stillstand. Selbst, wenn es ´Kopfüber ins Nichts´ geht - so der Titel der aktuellen, fünften Platte. Es muss weiter gehen, immer weiter gehen. Rebellisch. Ehrlich. Immer schön laut. Niemals angepasst. Sänger und Gitarrist Chris ´Esche´ Eschweiler ist dabei der (Quer-)Denker vom Dienst. Er schreibt alle Songs und ist der kreative Impulsgeber.

Die Wurstfinger der Anderen

Und Chris ´Esche´ Eschweiler ist einer, der Schreibphasen kennt. Zyklen, in denen er schreibt, zerstückelt und dann alles wieder neu zusammensetzt.

„Für mich sind die jeweiligen Stücke dann zu 100 Prozent fertig“, lacht der Sänger, „doch ich weiß genau, wenn ich sie dann in den Proberaum bringe, kommen die Anderen und panschen mit ihren Wurstfingern darin rum.“

Natürlich sagt er das nur, weil so viel Herzblut in die Lieder geflossen ist.

„Wenn die Anderen dann mit ihren Ideen um die Ecke kommen ist schnell klar, dass es Sinn macht, in meine Stückvorschläge einzugreifen“, fährt er fort, „Teamwork war und ist für uns immer alles.“

Die Anderen, dass sind übrigens Gitarrist Thorsten Glatte, Bassist Markus Stein und Schlagzeuger Nils Lang, die bereits während ihrer Schulzeit zusammen Musik machen. Unter diesem Aspekt verwundert es noch weniger, dass Chris ´Esche´ Eschweiler so locker von Wurstfingern reden kann. Ach so, und was steckt eigentlich hinter dem Bandnamen, Serum 114? Wer den Film ´Clockwork Orange´ gesehen oder das gleichnamige Buch von Anthony Burgess gelesen hat, weiß, dass Serum 114 die Substanz ist, die aus schlechten Menschen durch eine radikale Therapie Vorzeigebürger machen soll. Naja, der Erfolg war ja eher von zweifelhafter Natur. An Vorzeigebürgern haben Serum 114 nun auch so gar kein Interesse.

„Wir lehnen uns ganz klar gegen das Establishment, schließlich sind wir mit ganzem Herzen Punks“, führt Chris „Esche“ Eschweiler weiter aus, „damit jedes unserer politischen Statements, darunter unsere klare Positionierung gegen Faschismus, verständlich sind, greifen wir auf deutsche Texte zurück.“

Gott sei Dank geht das ohne moralinsaures Gejammer vonstatten.



Mit ganzem Herzen Punks

„Und eins noch“, lässt der Sänger verlauten, „wir lehnen uns auch gegen schlechte Musik auf.“

Na denn mal zur Musik. Gleich beim ersten Stück ´Feuertrunken´ wird es klassisch. Serum 114 lehnen sich an Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie, der Hymne der Europäischen Gemeinschaft, an.

„Es waren die Ereignisse in Griechenland, Zypern und die gesamte politische Verlogenheit der letzten Jahre in Europa, die uns zu diesem Stück inspiriert haben“, erklärt Chris ´Esche´ Eschweiler, „von Einheit keine Rede, dafür zerstückelt sich die Gemeinschaft mehr und mehr. So klingt denn auch ‚Feuertrunken.’“

Doch auch Serum 114 haben eine kuschelige Seite, die wird im Lied ´Ich bin zurück´ bedient.

„Nach jeder längeren Tour, fühlen wir uns ein wenig wie entlassene Sträflinge oder Seemänner, die endlich nach langer, langer Zeit nach Hause zurück gekehrt sind“, weiß der Frontmann, „das Lied ist eine Hommage an unsere Frauen, Kinder, Katzen und Hunde.“

Und ja, das schon so lieb gewonnene Cover, das gibt es auch diesmal. Die Wahl ist auf Deichkinds ´Illegale Fans´ gefallen. Serum 114 machen aus pluckernden Elektrobeats beinharte Punkrocknoten. Auch nicht schlecht!

Lange hat es in deutschen Landen keine Band mehr gegeben, die sich politisch so glaubhaft positioniert, wie Serum 114 das tun. Deutlich und dennoch ohne Zeigefinger. Und musikalisch erwartet die Hörer ein Parforceritt, der allein durch die Kraft der Musik einen Schub erhält, der jede Rakete vor Neid erblassen lässt.

Aktuelles Album: Kopfüber ins Nichts (Junge Dein Label / SPV)
© 01. Juli 2014  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Juli 2014

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