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TAAMA - Stern des Südens!

Als Sängerin lebte Taama jahrelang von `Luft und Liebe´, performte in der so benannten Band zusammen mit ihren Brüdern Manuel & Mario. Manchmal gar auf einer Bühne mit Ich & Ich, Revolverheld, Silbermond. Doch das war gestern. Heute setzt sie auf „Auf alles was bleibt“!

Geboren in Öhringen, aufgewachsen in Sinsheim, ist die fußballbegeisterte Taama dennoch kein Fan der TSG Hoffenheim. Wie dem Namen unschwer zu entnehmen ist, hat die Sängerin bayrische Wurzeln, ist Anhängerin des FC Bayern München. Den FC St. Pauli, 2003 vom FC Bayern vor dem Ruin gerettet, akzeptiert sie auch gern.

„So lang Du nicht HSV-Fan bist, ist alles gut!“ tröstet sie den Autoren zu Interviewbeginn, als jener sich als Anhänger der besagten Zweitliga-Truppe vom Hamburger Kiez outet. Taama ist großer Fußball-Fan. Da unser Coverstory-Interview inmitten des Zeitfensters der Fußball-WM („Da gucke ich jedes Spiel!“) stattfand, hätte man sicher auch ausschließlich über den Rasensport diskutieren können. Nunmehr ist die WM 2014 jedoch Geschichte, und die Bretter, die die Welt bedeuten, kehren zurück in den Fokus.

Taama hat bereits auf sehr vielen dieser Bretter gestanden, bevor sie aus der Hauptstadt heraus die Republik mit ihrer frischen Spielweise überzeugte. Bevor sie mit beiden Brüdern sowie dem Schlagzeuger Alexandre Nicolas Mayer 2007 nach Berlin zog, lebte das Quartett (ab 2004) in einer Musiker-WG in Mannheim.

„Die Stadt hat mich traurig gemacht. In Mannheim lebt man nicht gerne.“ Vielleicht liegt das daran, dass Mannheim eine hohe Kriminalitätsrate nachgesagt wird – einmal googlen reicht, um diesbezüglich halbwegs informiert zu sein. Andererseits war dort das Leben relativ günstig. Die Band-WG eingeschlossen. So konnte man sich größtenteils auf die Musik konzentrieren, zur Not ging man abends noch kellnern. „ `Luft und Liebe´ - so hießen wir. So sahen wir aus. So haben wir auch gelebt.“

Nach der Ankunft in Berlin bereicherte Thimo Sander, seinerzeit Bandleader bei Ich & Ich, die Live-Performance der Formation, bediente Tasten, Gitarre, Vibraphon. Ab 30 wollte Taama aber musikalisch ´solo´ sein. Das war ihr erklärtes Ziel. Etwas später, mit 32, mit der Produktion von ´Auf alles was bleibt´, hat sie es nun geschafft: Das erste Soloalbum steht in den Startlöchern! Selbst wenn Bruder Mario noch den Bass zupft. Taama: „Ich mache meine Sachen allein. Auch wenn ich mit der Stammformation `meiner´ Jungs (= aktuelle Musiker der Taama-Liveformation) die Songs eingespielt habe.“ Auf der Bühne sind diese Musiker sehr wichtig. Bei der Planung / Durchführung ihrer Projekte mag sie jedoch nicht (mehr) permanent nachfragen, was wie werden soll, auf Kompromisse eingehen.

„Ich habe 8 Jahre mit `Luft und Liebe´ gespielt. Die Zeit war sehr schön. Nun wollte ich es einmal anders machen!“ Ohne den offiziellen Bandkontext, denn dort „quatscht Dir jeder rein. Irgendwann verliert man sich. Ich stand auf der Bühne, habe Songs gesungen... Wir haben einmal am 03.10. auf der Fanmeile gespielt. Die Möglichkeit muss man auch erst einmal haben, dass machen zu dürfen. Doch... Ich bin mehr als das. Mir war es sehr wichtig, ganz selbständig zu werden. Weil ich ja sozusagen auf dem Schoß meiner Brüder groß geworden bin. Wir sind immer noch die allerbesten Freunde, treffen uns jeden Tag. Mario steht ja immer noch mit mir auf der Bühne. Aber nun muss ich nicht mehr diskutieren!“

Was mehr oder weniger auch mit Ehrlichkeit zu tun hat.

„Es ist wichtig, dass man seine Sache so ehrlich wie möglich tut.“ Was natürlich nicht unbedingt mehr Freunde einbringt.

„Viele Leute wollen nicht immer die Wahrheit hören. Anstatt dann –nur um des Sagens willen- jemandem nach dem Mund zu reden, ist es besser, einfach den Mund zu halten.“

Basta!

Mario & Manuel Unterhuber haben mittlerweile auch ihre eigene Band Dualesque (https://www.facebook.com/dualesque?fref=ts). Der musikalische „Leiter“ hinter Taama in ihrem Solo-Projekt ist der Schweizer Gitarrist Luk.

„Ich habe eine Idee, schreibe den Song. Ich bin keine Gitarristin, spiele trotzdem gern Gitarre.“

Also werden die jeweiligen Kompositionen mit Luk finalisiert. Er ist seit 10 Jahren Taamas bester Freund.

„Nach dem Ende der alten Band war ich ausgelaugt, enttäuscht, hatte eine Trotzreaktion, wollte keine Musik mehr machen. Ich hatte keine guten Ideen mehr, wollte aufhören mit allem. Wollte mich finden, suchen. Luk war derjenige, der mich abends in der Kneipe immer wieder darauf aufmerksam machte, dass es weitergehen muss. Dann bin ich wieder angefangen, habe mir ein Datum gesetzt, an besagtem Tag die Gitarre wieder in die Wohnung geholt, den Stift wieder in die Hand genommen, um zu schreiben.“

Alleinverantwortlich, mit allen Konsequenzen.

„Wenn jemand sagt, Deine Musik ist okay... oh, das tut weh. Kommt jemand, und sagt, die ist voll scheiße, aus diesen und jenen Gründen, ist das ebenso hilfreich für mich, wie wenn jemand sagt `geile Mucke!´. Der Albumtrack ´Was mich retten kann´ gehört subjektiv der letztgenannten Kategorie an. Unter anderem wegen der Lyrics, die zum nachdenken anregen, beim ersten anhören die Brust gar im Plural vermuten lassen.

„Nee, über meine Brüste singe ich nicht! `Zieh endlich Deine Waffe, richte sie genau auf mich. Ziel genau auf meine Brust (den Brustkorb!), schieß´ mich sanft nieder...´ lautet die Zeile! Für mich ist `Was mich retten kann´ einerseits mein Lieblingssong, andererseits auch der Schwerste. Es geht darum, dass die Zeit Wunden heilt. Ich wollte jedoch nicht auf diesem Sprichwort herumreiten! Zeit ist vielleicht das Einzige, was Dich retten kann, wenn Du in einer schlimmen Situation bist (mein Vater ist gestorben). Wenn man am Jahrestag nicht nur weint, sondern auch einfach in Liebe gedenkt. Oder so. Keine Ahnung. Wenn man nicht über Jahre darunter leidet. Damals wusste ich nicht weiter, wusste nicht damit umzugehen. Zeit heilt. Das werde ich nie vergessen, weil ich damals, als mir das jemand sagte, dachte `Ach halt doch einfach den Mund!´ Ich muss immer wieder an diese Worte denken. Wenn man vorher weiß, dass man 10 Jahre benötigt, um die traurige Sache zu verarbeiten... soviel Geduld kann man gar nicht haben.“

Obwohl man das Leben liebt, wünscht man sich im übertragenen Sinn, erschossen zu werden (= Auszeit), um wieder auf(er)stehen zu können, wenn es vorbei ist, um in eine neue, gute Zeit zu starten. Es ist für Taama sehr wichtig, ob ihre Musik die Menschen berührt, oder nicht. Und der o.g. Track wirkt auch, wenn man die all zu private Geschichte dahinter nicht direkt in allen Nuancen kommuniziert. ´”Tod ist immer etwas ganz Furchtbares!”

Furchtbar gut dagegen war die Videoproduktion zu ´Wie auch immer´. Es entstand unter der Ägide von Olaf Heine, deutscher Fotograf; Regisseur von Musikvidios.

„Olaf ist (künstlerisch) die große Liebe meines Lebens. Er wohnte bei mir um die Ecke, als ich noch in 36 (Kreuzberg) lebte...“

Taama berichtet begeistert davon, wie oft sie von Heine hörte, sich wünschte, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen. Ein Freund stellte (ohne ihr Wissen) schließlich den Kontakt her... und sie bekam gerade in einem Moment die Nachricht der Zusage einer Zusammenarbeit, als sie in einem engen Auto saß. Das saß. Taama musste anhalten, erst einmal nach Luft schnappen. Dann stellte sich obendrein noch heraus, das Heine Fan des FC Bayern München ist... Der Kreis schließt sich. Der Stern des Südens geht auf... wenngleich hier mehrfach im (siebten) Himmel über Berlin!

Aktuelles Album: Auf alles was bleibt (Ida Records/Soulfood) VÖ: 22.08.
Weitere Infos: www.taama.de
© 03. August 2014  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
August 2014

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