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RADIOAISLE - Gefühle werden zu Worten

Den Namen Radioaisle gibt es schon länger. Seit 2003, um genau zu sein. Doch war es damals kein Bandname, sondern der Titel einer Radiosendung auf Kreta. Der Mann, der schon damals bei Radioaisle die Fäden in der Hand hält ist Ilias Ntais. Er kitzelt mit seinen Sendebeiträgen an den Gefühlen der Hörer und baut so eine intensive Bindung auf. Bis der Sender verkauft wird. Was tun? „Nach Experimenten mit Super-8-Filmen und Gitarrenloops liebäugelte ich damit, eine Band zu gründen“, erklärt Ilias Ntais. Gesagt, getan und sein Heimatland Griechenland tauscht er erst gegen Dortmund. Dann gegen Köln.

Demos mache ich nie

Vielleicht liegt es daran, dass sich Ilias Ntais neben der Musik auch noch mit der Ingenieurskunst und der Filmemacherei beschäftigt, dass er auch einen anderen Blick auf das Musikmachen hat.

„Ich mache beispielsweise grundsätzlich keine Demos“, erläutert das Multitalent, „weil ich bis zum letzen Moment der Aufnahme im Studio keine Kontrolle über die Musik ausüben will, sie soll sich entwickeln, vergleichbar dem organischen Wachsen in der Natur. Durch dieses Beispiel wird auch klar, alles was irgendwo in den Studios dieser Welt aufgenommen wird, ist nicht mehr als eine Momentaufnahme im Prozess einer Liedwerdung. Deshalb wird auch alles live und ohne Zusatzmusiker eingespielt und bleibt so.“

Eine weitere Besonderheit gibt es noch, obwohl Ilias Ntais natürlich Lieder schreibt, sprengen sie gängigen Stückkorsette. Sie entwickeln einen ganz eigenwilligen, aber unverkennbaren Klang.

„Was natürlich auch daran liegt, dass ich modifizierte Gitarren spiele“, fügt der Musiker an. Am Ende ist es das freie Spiel all dieser Ideen, das die Noten in die Momentaufnahme der Musik treibt.



Runde Geschichten

Die Texte von Ilias Ntais schmiegen sich zu Beginn auch gar nicht so eng an die Noten, wie es Worte für Lieder sonst tun. Die Buchstaben, die Worte, die Sätze, die Abschnitte sind auf dem Weg, die Geschichten, die Ilias Ntais erzählen will, rund zu machen. Dabei sammeln sie unterwegs ein gerüttelt Maß an Gefühl.

„Trotz des hohen Gefühlsanteils rede ich nie über persönliche Sachen“, konstatiert Ilias Ntais, „es geht um universelle Geschichten, die immer kurz vor dem Ende abstoppen und den Erzähl-strang ab da an die Zuhörer abgeben.“

Dann geht die Wortwanderung individuell weiter. Für das Gesamtkunstwerk aus Musik und Text hingegen beschleunigen die Geschichten, um auf die bereits fahrende Musik aufzuspringen. Beide zusammen werden dabei zu einer kreativen Klette, deren sich zunächst kaum jemand erwehren kann und später dann, nachdem sich die Hörer darauf eingelassen haben und niemand mehr erwehren will. Aufgeladen mit einem hohen Gefühlsanteil, ist den Radioaisle-Stücken das Prinzip Hoffnung auch nicht fremd.

Die Musik von Radioaisle ist wie eine Sammlung von Polaroidbildern, die sich auch nach der Aufnahme noch verändern. Sich verfärben und vergilben, Immer bleibt eine geheimnisvolle Transparenz, unter der sich nicht Greifbares verbirgt. Genau wie in den Stücken von Ilias Ntais.

Aktuelles Album: Reverse Angle (Radioaisle)
© 01. August 2014  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
August 2014

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