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RHONDA - Retro-Soul inside!

Die Seele der 60er kehrt zurück in die Musik. Soul wird wieder salonfähig. Hammond-Orgeln vermischen diese Seele mit Mod-Idealen, Idolen und Punk. Doch überraschenderweise kommt dieses Comeback nicht in Person einer farbigen Amerikanerin daher... ... sondern in Form einer fünfköpfigen Band aus Hamburg mit einem Debutalbum namens ´Raw Love´! Deren Sängerin Milo (27, Tattoo-Fan) ist aber eben nicht dunkelhäutig und –haarig. Aber nichtsdestotrotz so gut bei Stimme, dass man in England von der ´neuen Amy Winehouse´ spricht, die aus Deutschland kommt!

Stört es Milo, dass Amy als Referenz bemüht wird?

„Mich stört das nicht. Doch es ist ein krasser Vergleich. Die Leute benötigen das, um Dinge zu verstehen. Es ist kein Kompliment, keine Bestätigung, weil ich nie versucht habe, so zu singen! Ich kann damit leben, aber es macht nichts mit mir.“

Milo wird es mit ihrer eigenen, individuellen, vollen, souligen Stimme schaffen, ihre Band in die Soul-Charts, als auch in die Indie-Charts zu hieven. Die Schnittmengen passen einfach! Milo schätzt Hiphop, Punk, Rock, steht aber mehr auf ´60er Sounds´.

Beispielsweise von Otis Redding, Etta James.

„Für mich gibt es 1000 Künstler aus den 60ern, die ich mag“, sagt sie. Die gesamte Band hat dieses Faible! Angefangen bei den beiden Ex-Trashmonkeys Gunnar Riedel (Drums) & Offer Stock (Hammond-Orgel), über den Gitarristen Ben Schadow bis zum Bassisten Jan Fabricius.

Milo: „Wenn ich bei jedem Einzelnen von ihnen durchs Plattenregal gucke, finde ich mindestens 20 Scheiben, die ich auch besitze. Keiner ist am aktuellen Musikgeschehen richtig interessiert. Aber wir haben auch nichts dagegen. Wir verbinden Retro mit der Moderne, in dem wir sie in ein aktuelleres Gewand packen. Was wiederum alles mit alten Instrumenten gemacht wurde. Es gibt Passagen auf `Raw Love´, die klingen nach fettem Synthi, kommen aber von einer Klarinette aus den 60ern!“

Es gibt eben recht wenige aktuelle Künstler(innen), an denen Rhonda gefallen finden.

„Bei Amy Winehouse habe ich das dann aber tatsächlich gedacht. Ich war begeistert von der Stimme, ihrem Aussehen. Nach dem ersten Hören habe ich gedacht, es ist eine dicke, schwarze Frau. Dann sah man ein weißes Mädchen, Mitte 20. Ihre Musik war erfreulicherweise nicht elektronisch gepitcht, sondern relativ handgemacht, und sie lief im Radio.“

Nun kommt Rhonda, spielt sich live zwei Jahre den Arsch ab, und läuft plötzlich auf allen Sendern.

Gunnar Riedel: „Da stehen so 4 Typen und ein blondes Mädchen, das singt. Man muss den Dingen Rechnung tragen, wie sie sind. Worüber wir sehr glücklich sind, ist, dass die Leute uns dennoch als Band wahrnehmen. Da waren wir uns nicht so sicher. Bei dem Bandnamen ist schnell gedacht, `okay, dass ist sie´. Irgendwie passiert das nicht. Natürlich finden wir alle ihre Stimme herausragend! Ich höre auch sehr viel Tolles über Ben. `Was ist das für ne irre Type´. Toll Gitarre spielen können viele. Ich finde, ein guter Musiker zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass er schon mit 11 ganz viel angefangen hat zu üben, alles abrufen kann, alles vorspielen kann. Da gehört mehr dazu – siehe Ben.“

Diese etwas andere Bühnenaura von Rhonda ist selbst dem ´Godfather of Mod´, Paul Weller, nicht entgangen. Als Weller im Juni Rhonda für drei Deutschland-Konzerte als Support buchte, sah er sich alle drei Sets live in voller Länge an! Was selten ist. Normalerweise guckt der Hauptakt einmal kurz zu, und gut. Anschließend lässt sich Weller im Netz gar noch darüber aus, was er von besagter Formation hält. Manchmal ist es eben schön, wenn man das Leben einfach mal machen lässt! Siehe Rhonda – diese Karriere nahm ungeplant ihren Lauf, als der etatmäßige Bassist die Trashmonkeys verließ. Gunnar fragte, ob Milo Bass spielen möchte. „Nee, kann ich nicht. Aber ich habe Bock drauf!“

Gesagt, getan. Nach wenigen Konzerten stieg dann noch der Trashmonkeys-Sänger aus. Es wurde, wie es wurde!

Aktuelles Album: Raw Love (PIAS Recordings)
© 01. August 2014  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe ||| Foto: Carlos Fernandez laser
August 2014

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