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THE HORST - Eine Ode an die Lakonie

The Horst ist ein Name, der vielleicht nicht auf Anhieb dazu gedacht scheint, eine Leinwand zu füllen, aber das Gleiche könnte man schließlich auch von ´The Who´ behaupten, würde man außen vor lassen, dass die schon ganz Anderes als Leinwände gefüllt haben, nämlich Stadien. Jedenfalls kommen The Horst aus Münster, das aus unerfindlichen Gründen schon immer eine Wiege guter Musik war und machen genau die Art von Musik, die ihnen gefällt.

Ein Genre, das sich nicht abgegriffen anfühlt habe ich dafür jetzt gerade nicht parat – deutsche Texte und Melodien, die ganz nach der Facon des Moments entschieden werden, ohne darauf zu achten, was angesagt sein könnte. Die Konsequenz, mit der sie ihrem eigenem Geschmack unbeirrt folgen, beeindruckt und imponiert. Mich jedenfalls!

Euch gibt es schon ziemlich lange, irgendwann seit Ende der Achtziger. Wie seid Ihr dazu gekommen Musik zu machen und habt Ihr all die Jahre tatsächlich Eure Band kontinuierlich aufrecht erhalten oder gab es zwischendurch längere Pausen, in denen Ihr Eure Tätigkeit auf Eis gelegt habt?

“Wir haben als Schülerband angefangen, wie zahllose andere Bands auch und ab da immer weitergemacht, uns gibt es jetzt seit 25 Jahren und es hat keine großen Umbesetzungen gegeben, außer dass uns unser Drummer des öfteren verlustig gegangen ist, aber der den wir jetzt haben, ist auch schon seit 10 Jahren bei uns. Irgendwann zeichnete sich ab, dass wir nicht groß rauskommen würden und auch nicht unseren Lebensunterhalt mit der Musik verdienen wollten und ab da dachten wir, dann machen wir eben nur noch, was uns Spaß macht. Bevor wir die Musik zu ernsthaft weiterbetreiben, um dann womöglich als Top 40 Band zu enden, und dann auch damit noch nicht mal erfolgreich zu sein, wie deprimierend wäre das denn?”

Nach sechs Jahren Pause erscheint ja nun Euer neues Album ´Tofte´ – seid Ihr aufgeregt?

“Natürlich sind wir gespannt, wie die neue Platte ankommt. Wir haben uns entschlossen, das Ganze als Vinyl mit CD rauszubringen, 185 Gramm Vinyl für alle Plattenfans – Vinyl ist ja Gott sei Dank wieder mehr im Kommen und das möchten wir auch unterstützen, der nostalgische Effekt spielt natürlich auch eine Rolle und der Klang einer Platte ist natürlich mit nichts zu vergleichen. Wenn man sich anguckt, dass die jüngeren Generationen, Musik fast nur noch auf ihrem Handy hören – die können ja gar nicht wissen, wie Musik sich richtig anhören kann: Wenn man denen zum ersten Mal eine Platte vorspielt, dann wird denen ja schlecht, da dreht sich bei denen ja Alles, es ist vermutlich ein Gefühl, als würde man zum ersten Mal auf ein Kettenkarussell gehen.”

Das Spektrum Eurer Texte ist weit gefächert, von subtil bis lakonisch ist alles dabei. So etwas ist ja eigentlich nur in der eigenen Sprache möglich, habt Ihr schon immer Deutsch gesungen?

“Nein, am Anfang haben wir englische Songtexte gehabt, bis wir dann irgendwann merkten, das bringt es einfach nicht, man kann sich in einer fremden Sprache, ganz gleich, wie gut man sie spricht, nicht adäquat ausdrücken. Damals war deutsche Musik auch nicht sehr vielversprechend: Es gab so etwas wie Heinz Rudolf Kunze, der ja eher so der unlustige Lehrertyp ist und Bands wie Klaus Lage. Ich finde, wenn man sich umguckt, dann war Rio Reiser der einzig deutsche Musiker von Weltformat. Irgendwann entwickelte sich das, es kam die Hamburger Schule und deutsche Texte wurden salonfähig. Heute singt man Deutsch und es ist selbstverständlich. Obwohl man aufpassen muss, dass man nicht zu sehr übertreibt mit den Texten und nicht versucht zu anspruchsvoll zu sein, der Text darf nie die Musik erdrücken denn selbst wenn man am oberen Ende seines Intellekts rangiert, muss das für Andere trotzdem noch lange nicht anspruchsvoll sein. Und Humor ist wichtig, ansonsten kann man als Musiker nicht bestehen, es gibt nur ganz wenige, erfolgreiche Musiker, die keinen Humor hatten und die haben auch kein gutes Ende genommen.”

Aktuelles Album: Tofte (Skycap / Rough Trade)
© 01. Juli 2014  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
Juli 2014

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